Wittelsberg

EbsdorfergrundPK-5939Wittelsberg wurde um 1130 unter dem Namen „Widdelesberc“ erstmals urkundlich erwähnt. Eine Besiedlung des Gebietes um das heutige Dorf fand jedoch sehr viel früher statt.
Ausgrabungen, die im Rahmen des Baus der Ortsumgehung stattfanden, haben mehrere jungsteinzeitliche Langhäuser an der Stelle nachgewiesen, an der sich heute die Anbindung an die Ortsumgehung in Richtung Rauischholzhausen befindet.

Bis der heutige Name Wittelsberg 1577 entstand durchlief die Bezeichnung des Ortes viele Variationen des Namens ( z.B. Wydelberg (1243), Wittilsberg (1267), Witelisberg (1316)).

Schanze 3Vom 13. bis ins 18. Jahrhundert war Wittelsberg Sitz eines selbständigen Gerichtes das die Orte Beltershausen, Bortshausen, Moischt, Lambertshausen sowie Hahnerheide und die Kapellenhöfe umfasste. Der Gerichtshof bestand aus dem Schultheiß und 6 Schöffen die vom Schultheiß ernannt wurden. Dabei kamen der Schultheiß und 2 Schöffen aus Wittelsberg.

In den letzten Jahren seines Bestehens tagte das Gericht im alten Rathaus von Wittelsberg, das 1870 abgerissen und durch ein Neues ersetzt wurde. Dieses Gebäude befindet sich heute in Besitz der Raiffeisenbank.
Wie die heute noch an den Gemarkungsgrenzen zu Schröck und Roßdorf stehenden zwei Grenzsteine von 1756 mit dem Hessischen Löwen auf der einen und dem Mainzer Rad auf der anderen Seite zeigen, war Wittelsberg in Zeiten der Kleinstaaterei ein Grenzdorf.

So lag es nur nahe, dass Landgraf Ludwig I. von Hessen auf dem Kirchberg als Vorposten der Burg Frauenberg 1431 die Wittelsberger Warte (Schanze) bauen ließ. Sie diente sowohl der Grenzsicherung gegen das mainzische Amöneburg als auch zur Überwachung der Handelsstraße „durch die Langen Hessen“ im Ebsdorfergrund.
Heute ist die Wittelsberger Warte das Wappenzeichen der Gemeinde Ebsdorfergrund und dürfte wohl eines der ältesten Bauwerke in der Gemeinde sein.

Vermutlich nach dem Ende des 30jährigen Krieges und der damit verbundenen Grenzfestlegungen zwischen Hessen-Darmstadt, Mainz und Kurhessen wurde in Wittelsberg aufgrund seiner Grenzlage und dem Zusammentreffen von mehreren für den Handel wichtigen Straßen eine Zollstelle am Marktplatz eingerichtet. Heute erinnert noch der Dorfname „Zöllersch“ (Am Marktplatz 14) an den Ort dieser Zollstelle.

Mit der Gründung des Königreichs Westphalen durch Napoleon kam das Ende der Zollstelle.

Wie sich Wittelsberg im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat, zeigt sich an der Anzahl der Wohnhäuser und der Einwohnerzahlen. Zählte man 1577 nur 34 Haushaltungen (Wohnhäuser) so brauchte es fast 260 Jahre bis sich Anzahl 1832 auf 62 fast verdoppelt hatte. Über 1915 mit 97 Häusern bis 1940 mit 132 Häusern hatte sich Anzahl in nur ca. 100 Jahren erneut verdoppelt. Der Zuwachs an Wohngebäuden ging immer schneller. 1970 waren es 210, 1986 243 und heute sind es ca. 320.

Kirche 1Etwa im gleichen Verhältnis ist auch die Einwohnerzahl gestiegen. Von im Jahr 1577 geschätzten 204 Einwohnern stieg die Zahl bis 1838 auf 482.

Der größte Anstieg ist nach dem zweiten Weltkrieg zu verzeichnen. Von 1939 mit 567 Einwohnern stieg, bedingt durch den Zuzug von Evakuierten und Heimatvertriebenen, die Einwohnerzahl auf 825 im Jahr 1948.

Bis zum Jahr 1955 sank dann die Einwohnerzahl durch Wegzüge gerade aus dem Bereich der während und nach dem Ende des 2. Weltkrieges nach Wittelsberg Gekommenen wieder auf 700. Seit dieser Zeit ist die Einwohnerzahl stetig gestiegen und zum 30.06.2014 hat Wittelsberg 1015 Einwohner.

Die Steigerung an Wohngebäuden und Einwohnern kommt in den letzten Jahren durch die Ausweisung der Baugebiete „Am Stengler“ in 2 Abschnitten mit insgesamt 26 Bauplätzen und „Große Waldwiese“ mit 27 Bauplätzen.

Obwohl es durch den Bau der Kreisbahn im Jahr 1905 erheblich einfacher wurde sich beruflich nach Marburg zu orientieren, war Wittelsberg bis Mitte der 50er Jahre überwiegend landwirtschaftlich mit einigen wenigen zum Teil eng mit der Landwirtschaft verbundenen Handwerkern strukturiert. Dies änderte sich erst durch die beginnende größere Mobilität der Bevölkerung und dem Einzug von moderneren Maschinen in der Landwirtschaft.
Eine Wirtschaftsurkunde aus dem Jahr 1958 nennt für Wittelsberg eine Raiffeisenkasse mit Warenlager, zwei Lebensmittelgeschäften, zwei Bäckereien mit kleinem Lebensmittelsortiment, eine Metzgerei, ein Textilgeschäft, eine Samenhandlung, eine Möbelfabrik, eine Autowerkstadt, einen Fahrrad- und Motorradhandel, einen Fußbodenverlegebetrieb, zwei Malergeschäfte, eine Zimmerei, einen Installateur, zwei Schreinereien, zwei Schmieden, zwei Schumacher, einen Taxibetrieb, einen Friseur und drei Gastwirte.

Vergleicht man dies mit dem Jahr 2014 so stellt man fest, dass von den damaligen Betrieben lediglich die Metzgerei, ein Malergeschäft und zwei Gastwirtschaften geblieben sind. Dafür sind aber andere Betriebe wie z.B. zwei Dentallabore, zwei Elektroinstallateure, je ein Betrieb für Telefonanlagen und Bäckereitechnik, ein Bagger- und Fuhrunternehmen, ein Betrieb für Papierverarbeitung, ein Ofenhaus, ein Waffengeschäft, ein Friseursalon, ein Industriebetrieb für Haushaltswaren sowie je eine Krankengymnastik- und eine Arztpraxis hinzugekommen.

Aus der Raiffeisenkasse, die später in der Raiffeisenbank Ebsdorfergund aufging, wurde eine Zweigstelle im ehemaligen Wittelsberger Rathaus. Heute befindet sich darin nur noch ein Geldautomat und ein Automat für Überweisungen.
Von der zwischenzeitlich einmal vorhandenen Zweigstelle der Sparkasse ist nicht einmal das geblieben.

Auch an der Landwirtschaft ist der Strukturwandel nicht spurlos vorübergegangen. Von den ehemals ca. 16 Vollerwerbslandwirten sind nur noch 5 übrig geblieben. Eine große Zahl hat den Betrieb ganz aufgegeben oder betreibt die Landwirtschaft nur noch nebenberuflich. Gleiches gilt auch für viele frühere Nebenerwerbslandwirte.

Wurden die Kinder des Ortes bis 1660 im alten Rathaus unterrichtet, so baute man 1661 ein erstes Schulgebäude. Zweihundert Jahre später war es zu klein geworden und man baute 1861 ein neues Schulhaus mit einer Lehrerwohnung. Beide Schulen werden heute noch als Wohngebäude genutzt (Eduard-Bork-Str. 6 und 3).

Nachdem auch dieses Gebäude zu klein geworden war, wurde im Jahr 1939 die neue und heute noch genutzte Schule bezogen. Da Wittelsberg mittlerweile der Grundschulstandort für die Orte Wittelsberg, Beltershausen und Moischt ist, wurde nach einigen Jahren des Behelfs mit Pavillons, am 08.06.1995 ein zweites großes Schulgebäude offiziell eingeweiht.

Der Fußweg zur 1844 auf dem Kirchberg gebauten Wittelsberger Kirche führt durch eine nahezu 300 Jahre alte Allee. Vor dem Neubau stand bereits eine Kirche auf dem heutigen Friedhof ca. 40 m westlich.

Zusammen mit der Warte, ist das sich bietende Bild, das weithin sichtbare Wahrzeichen des Dorfes. In dem Internetportal Wikipedia kann man unter dem Begriff „Sehenswürdigkeiten“ über die Kirche folgendes nachlesen: „In Verbindung mit dem mittelalterlichen Wartturm bietet sie nach Norden und Osten das Bild einer aus der Ebene aufsteigenden Ritterburg.

9 Vereine unterbreiten in Wittelsberg Angebote, die auch von Mitgliedern über das Dorf hinaus genutzt werden.

Im Einzelnen sind dies

Kultur an der SchanzeGesangverein 1865 „Liederkranz“
Geflügelzuchtverein 1911
Turn- und Sportverein 1912
Verein der Freiwilligen Feuerwehr
Schützenverein
Verkehrs- und Verschönerungsverein 1967/97
Dorfgemeinschaft
Posaunenchor

Im Jahr 2009 nahm das Dorf am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil, bei dem ein hervorragender 3. Platz belegt werden konnte.
Nachdem der Ortsbeirat immer seine Bewerbung um Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm bis nach dem Bau der Ortsumgehung zurückgestellt hatte, konnte man diesen nun stellen und in 2010 erhielt man den Bescheid über die Aufnahme in das Programm.

Die Planungen für die vorgesehenen Maßnahmen der Umgestaltung des Geländes bei der Mehrzweckhalle und der Hirtenwiesenstraße sowie für den Umbau des Bürgerhauses zu einer Seniorenbegegnungsstätte für den gesamten Ebsdorfergrund sind abgeschlossen und die entsprechenden Gelder bewilligt, so dass im Frühjahr nun am Bürgerhaus und in der Hirtenwiesenstraße begonnen werden kann.

Am Kirchberg wird mit Mitteln der EU in diesem Jahr ebenfalls einiges gestaltet werden.

Wenn die Dorferneuerung und die Flurbereinigung abgeschlossen sind, so dürfte Wittelsberg für die Zukunft gewappnet sein.

Kirchberg im Licht 3
Text: Gotthard Seim, Ortsvorsteher von Wittelsberg
Bilder: Gotthard Seim, Gemeinde, Patricia Kutsch

Quellen: Wittelsberg, Chronik eines Bauerndorfers im Ebsdorfer Grund von Justus Kaiser
Festschrift zum 110jährigen Jubiläum des Gesangverein „Liederkranz“
Festschrift zum 90jährigen Jubiläum des TSV Wittelsberg
Wikipedia
Eigene Aufzeichnungen

 

 


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