„Summ, summ, summ, Bienchen summ herum….“

Dienstag, 24. April 2018

Wer kann sich nicht an dieses Lied und an seine Kindheit erinnern, mit den Wiesen voller Schmetterlingen und Bienen die summend und flatternd umher flogen.

Unter den Insekten sind die Bienen mit ihren dicken Köpfen, großen Augen und oft plüschig wirkenden Hinterleibern sicherlich eine besonders ansprechende Gruppe. Weltweit gibt es 20.000 bis 30.000 Bienenarten, in Mitteleuropa immerhin 750 Arten. Dabei stehen zweidrittel der Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, bei Insekten insgesamt immerhin die Hälfte aller Arten. Mit den Hummeln, die wissenschaftlich zu den Bienen gehören, werden wir uns gesondert beschäftigen.

Nur eine Bienenart, die Honigbiene, wird vom Menschen unmittelbar genutzt. Nur sie lebt in so großen Völkern und legt so große Nahrungsvorräte, den Honig, an, dass sie zum Nutztier des Menschen wurde. Trotzdem stehen Bienen, wenn man Tiere nach ihrer Nützlichkeit für den Menschen einordnen will, auf der Liste weit oben.

Wildbienen sind von großer Bedeutung für die Bestäubung von Pflanzen, auch vieler Nutzpflanzen. Dabei sind Bienen, anders als andere blütenbesuchende Insekten, nicht nur zu ihrer eigenen Ernährung von Nektar und Pollen abhängig, sondern sie ernähren damit auch ihre Larven. Bei der Nahrungssammlung geschieht die Bestäubung, von der Biene aus gesehen, nebenbei. Der wirtschaftliche Wert dieser Bestäubungsleistung wird auf weltweit 153 Milliarden Euro geschätzt.

Da Wildbienen und Hummeln auch bei niedrigeren Temperaturen ausfliegen als Honigbienen, ist ihre Bestäubungsleistung insbesondere bei Schlechtwetterperioden eine wichtige Ergänzung zur Arbeit der Honigbienen. Gleichzeitig sind verschiedene Bienenarten auf verschiedene Pflanzengruppen mit unterschiedlichem Blütenbau spezialisiert. Manche Bienenarten sammeln auch nur den Pollen einer einzigen Pflanzengruppe. Je mehr Bienenarten zur Bestäubung zur Verfügung stehen, desto besser ist die Bestäubungsleistung insgesamt. Eine artenreiche Bienenfauna fördert eine artenreiche Pflanzenwelt – und umgekehrt. Es gibt also zahlreiche Gründe, den Rückgang der Bienen zu bedauern.

Wildbienen leben meist solitär, das heißt, das ein Weibchen allein die Brutzellen baut, die Eier ablegt und die Larven versorgt. Dazu brauchen sie ein möglichst vielfältiges Angebot an blühenden Pflanzen. Sie fressen den Blütennektar und sammeln Pollen, den sie als Eiweißvorrat zusammen mit den Eiern einlagern. Die Eier werden vom Weibchen einzeln in eigens gebaute Brutzellen abgelegt. Der Pollen ist dann das erste Futter für die frisch geschlüpften Larven. Zur Versorgung von nur einem Ei sind meist 30 bis 50 Sammelflüge notwendig. Ein Weibchen kann während der Brutperiode nur ca. 10 bis 30 Brutzellen anlegen und versorgen. Liegen Futterquellen und Brutplätze zu weit voneinander entfernt, werden die Flugstrecken zu lang und die Tiere können weniger Brutzellen anlegen. Um die Eier ablegen zu können brauchen die Bienen Nistplätze, in denen sich in den Eiern ungestört die Larven entwickeln können. Je nach Art werden zur Eiablage Erdröhrchen gegraben, hohle Pflanzenstängel, oder Risse, Spalten und Löcher in Holz genutzt.

Die Gemeinde Ebsdorfergrund wird als kleinen Hilfsbeitrag an ausgewählten Stellen in der Nähe von Futterquellen Insektenhotels aufstellen. Geplant sind folgende Standorte:

  • Hachborn Streuobstwiese
  • Hachborn Heidestraße
  • Hachborn Alter Friedhof
  • Heskem evangelische Kirche
  • Dreihausen Gemeindegarten evangel. Kirche

Werden sie gut angenommen, sollen weitere folgen. Diese Insektenhotels sollen Bienen und anderen Insekten Brutplätze bieten. Sie sollen Nachahmer anregen, auch auf privaten Grundstücken mehr Futter- und Brutplätze zu schaffen.

Will man Wildbienen unterstützen, ist es wichtig, einheimische Blumen im Garten anzupflanzen. Dabei sollte man auf ungefüllte Blüten achten. Bei gefüllten Blüten wurden Staubblätter züchterisch zu Blütenblättern umgewandelt. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch seltener Rasen zu mähen eine effektive Hilfsmaßnahme für Wildbienen ist. Mäht man nicht mehr zweimal in der Woche, sondern nur noch alle zwei bis drei Wochen können sich bereits Blumen wie Klee oder Löwenzahn im Rasen ansiedeln, die als Futterpflanzen genutzt werden. Natürlich gefällt das nicht jedem – es muss ja auch nicht der ganze Rasen sein. Aber einen seltener gemähten blühenden Rasenstreifen könnten uns die putzigen Wildbienen schon wert sein.

 

Wer mehr wissen möchte, hier Tipps für weiteren Lesestoff:

Buch: „Vom Leben der Wildbienen“ Philippe Boyer, Ulmer Verlag, 2006, ISBN 978 3 8001 1284 5

Internet: www.spektrum.de/news/die-vielfalt-der-insekten-soll-wieder-wachsen/1462773

 


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