Fachbehörde und Gemeinde widerlegen Kritik: „Raue Rampe in Ebsdorf ist eine klasse Sache“

Donnerstag, 28. April 2016

Die erst vor etwa einem Jahr erbaute raue Rampe (Sohlgleite) an der Löschwasserentnahmestelle Ebsdorf sorgte bei einigen Kandidaten der DGL (Dorfgemeinschaftsliste) Ebsdorf für Kritik vor der Kommunalwahl. So hieß es: Anwohner des Baches beklagen einen gestiegenen Wasserspiegel, der die Grundmauern der Gebäude unterspült. Daher müssten sie ohne jegliche Unterstützung eigeninitiativ Deichschutz betreiben. Darüber hinaus sei die Fließgeschwindigkeit des Baches exorbitant verringert. Angestautes Laub, Gras und Äste könnten nicht abfließen, sodass eine extreme Geruchsbildung vorhanden sei.

Um diese Kritik zu überprüfen, haben sich Elisabeth Newton (Erste Beigeordnete), Walter Kaiser (Ortsvorsteher Ebsdorf), Anke Schmidt (Fachbereichsleiterin Bauen, Planen, Umwelt und Energie), Harald Bausch (Fachdienstleiter Tiefbau) und Johanna Wischka (Fachbereich Bauen, Wasser und Naturschutz, Untere Wasserbehörde Landkreis Marburg-Biedenkopf) Mitte April zu einem Ortstermin an der Löschwasserentnahmestelle Ebsdorf getroffen.

Elisabeth Newton hatte für die Gemeinde zu einem Ortstermin eingeladen, um die Kritik an der rauen Rampe zu überprüfen.

Elisabeth Newton hatte für die Gemeinde zu einem Ortstermin eingeladen, um die Kritik an der rauen Rampe zu überprüfen.

Elisabeth Newton hatte die Überprüfung versprochen. „Bei der Gemeinde sind bis heute derartige Beschwerden nicht eingegangen“, stellt Elisabeth Newton bei dem Ortstermin heraus. Bevor die Sohlgleite angebracht wurde, sei auch mit den betroffenen Anwohnern gesprochen worden, wie die Barrierefreiheit umgesetzt werden sollte, so Harald Bausch. „Wir informieren erst und bauen dann.“

Kritikpunkte wurden widerlegt
Bei der Ortsbesichtigung konnten alle Kritikpunke, die von der DGL geäußert wurden, widerlegt werden. „Durch den Bau der rauen Rampe ist eine erhebliche Verbesserung für die Durchgängigkeit der Zwester-Ohm gegeben. Im Wesentlichen geht es um die Beseitigung von Barrieren im Gewässer“, sagt Johanna Wischka von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Ökologische Passierbarkeit ist gegeben
Durch den Bau der Sohlgleite können viele Fischarten und Kleinlebewesen wieder gewässeraufwärts wandern, sodass die ökologische Passierbarkeit gegeben ist und sie Lebensraum zurückerhalten. Hierdurch seien sowohl die Vorgaben der FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Richtlinie als auch der europäischen Wasserrahmenrichtlinie entsprechend umgesetzt worden. „Der etwa 20 bis 30 Zentimeter tiefe Absturz an der Löschwasserentnahmestelle Ebsdorf wurde durch den Einbau einer rauen Rampe mit einer Neigung von circa 1:25 beseitigt. Die Länge beträgt circa 12,50 Meter“, so Harald Bausch. Als Baumaterial seien Wasserbausteine aus Basaltmaterial mit 50 bis 400 Millimeter Durchmesser verwendet worden. Als Unterbau und zur Verfüllung der Zwischenräume wurde ein Mineralgemisch der Körung 0/45 Millimeter eingebaut. Die Sohlgleite wurde im Querschnitt muldenförmig ausgebildet, um so eine Niedrigwasserrinne zu erhalten.

Wurzelstöcke als Schubsicherung
Im Bachbett verankerte Wurzelstöcke dienen als Schubsicherung für das eingebaute Basaltmaterial. Zur Bündelung der Wassermengen bei Niedrigwasser wurde aus der Betonschwelle mittig ein 0,60 Meter breiter Bereich, circa acht bis 10 Zentimeter tief, herausgeschnitten. Mit der beschriebenen baulichen Umsetzung wurde die Passierbarkeit der Zwester-Ohm gegen die Fließrichtung für die Fauna (z.B. Bachneunaugen) geschaffen, ohne auf die seit Jahrzehnten bestehende Staustufe für die Löschwasserentnahme zu verzichten.

Ökologisch einwandfreier Zustand
„Das Gewässerbett der Zwester-Ohm präsentiert sich in einem ökologisch einwandfreien Zustand. Von einer Geruchsbildung kann keine Rede sein“, sagt Anke Schmidt (Fachbereichsleiterin Bauen, Planen, Umwelt und Energie) bei der Ortsbegehung. Außerdem seien vor der Schutztafel keinerlei angeschwemmte Gegenstände feststellbar.

Staustufe ist voll funktionstüchtig
Die Staustufe ist nach Angaben der zuständigen Fachbehörde voll funktionstüchtig und erfüllt somit ihre Aufgabe für den Gewässer- und Brandschutz. Anke Schmidt erläutert bei dem Ortstermin ferner, dass auch die seitlichen Uferflächen im Rahmen der Bauarbeiten mit Wasserbausteinen naturnah profiliert wurden. Daher könne keine Rede davon sein, dass private Grundmauern unterspült werden. Die Anlieger müssten auch nicht selbst Hand anlegen, um ihre Anlagen zu schützen. „Die Grundmauern sind keineswegs gefährdet“, so Anke Schmidt. Johanna Wischka führte aus, dass die Fließgeschwindigkeit wie gewollt beschleunigt und nicht verringert worden sei. Anwohner Jakob Schnell hat zufällig von dem Ortstermin erfahren und ist daher spontan hinzugekommen. „Von mir aus gesehen ist das eine klasse Sache“, sagt Jakob Schnell. Der Einbau der rauen Rampe hätte für ihn auch keinen Nachteil. Stattdessen höre er weiterhin das Wasser rauschen und abfließen.

In der vergangenen Woche ist seitens des Regierungspräsidiums Gießen in einer Fachtagung die Umsetzung der Baumaßnahmen an der Zwester Ohm von Fronhausen bis Ebsdorf als beispielhaft vorgestellt worden. Warum dann die DGL-Kritik: Das verstand beim Ortstermin keiner.

Land finanziert Maßnahmen
Alle Maßnahmen wurden zu 100 Prozent vom Land Hessen finanziert, da den Vorgaben der FFH-Richtlinie entsprochen wird und gleichzeitig auch Vorgaben aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (kurz WRRL) umgesetzt werden. Die drei in der Gemeinde Ebsdorfergrund umgesetzten Maßnahmen für die durchgängige Passierbarkeit unterhalb der Strassmühle, in der Ortslage Hachborn sowie die Staustufe in Ebsdorf haben rund 55.000 Euro gekostet (Planungs- und Baukosten). „Wenn später diese Aufgabe zur Pflicht wird, gibt es keine Zuschüsse mehr“, sagt Elisabeth Newton. „Mit der Realisierung haben wir der Gemeinde so viel Geld gespart und dem Gewässer Gutes Getan und niemandem geschadet.“

v.l.n.r.: Anwohner Jakob Schnell, Johanna Wischka (Fachbereich Bauen, Wasser und Naturschutz, Untere Wasserbehörde Landkreis Marburg-Biedenkopf), Anke Schmidt (Fachbereichsleiterin Bauen, Planen, Umwelt und Energie) und Walter Kaiser (Ortsvorsteher Ebsdorf).

v.l.n.r.: Anwohner Jakob Schnell, Johanna Wischka (Fachbereich Bauen, Wasser und Naturschutz, Untere Wasserbehörde Landkreis Marburg-Biedenkopf), Anke Schmidt (Fachbereichsleiterin Bauen, Planen, Umwelt und Energie) und Walter Kaiser (Ortsvorsteher Ebsdorf).

 


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