Flüchtlinge in Ebsdorf

Mittwoch, 21. Januar 2015

Wir stellen Ihnen einen vor, denn wer jemanden kennt, geht anders mit ihm um. Deshalb bat mich Bürgermeister Andreas Schulz, Ihnen unsere Flüchtlinge vorzustellen. Gerne komme ich dieser Bitte nach.

Kashan Sahar aus Pakistan – ein Ebsdorfer Gesicht
– fast immer ein Lächeln, freundlich, hilfsbereit, ein Freund für viele….

KashKashan kam im Februar 2014 über das Auffanglager Gießen nach Ebsdorf.

Kash, wie ihn die meisten nennen ist 30 Jahre alt und stammt aus einem traditionellen und gebildeten Elternhaus in Faisalabad.
Er hat einen Universitätsabschluss in Wirtschaftswissenschaften, Statistik und Geographie. Nach dem Studium hat er erfolgreich mit internationalen Firmen gearbeitet, 9 Jahre als Marketing Leiter von Coca Cola Pakistan und parallel als Zwirn und Garn Händler, 16 Stunden täglich, das ist dort normal.

Am 8. März, 2011 detonierte eine Autobombe neben einer Autogas Tankstelle im Regierungs/Verwaltungsviertel. Kashans Büro war direkt dort.
Die Gegend in der Innenstadt wurde großräumig verwüstet, es gab viele Tote und Verletzte.
Kashan überlebte, weil ein Freund ins Büro kam und ihn drängte eine andere Aufgabe zuerst zu erledigen, gerade als er das Büro verlassen hatte passierte es.
„Eigentlich wäre ich jetzt tot, nicht mehr da.“ „Ich danke Gott, dass er mich geführt und beschützt hat.“
Es gibt immer wieder Bombenangriffe die der Al Quaida oder der Taliban zugeschrieben werden. Erst kürzlich erfuhren wir aus den Nachrichten über die Bombardierung einer Schule wo 162 Kinder getötet wurden. Wir lesen von Gefechten und Terror, Selbstmordattentäter, Konflikten zwischen den Sunniten und Schiiten, Todesstrafe und Hinrichtungen in Faisalabad und von einem äußerst instabilen politischen System.
Kashan hat versucht mit dem Trauma umzugehen und sich noch mehr in die Arbeit gestürzt, er musste im Land viel unterwegs sein. Zu einem anderen Zeitpunkt wurden er und ein Freund auf offener Straße beschossen und überall am Körper verletzt. Bedrohungen und Angst wurden ständige Begleiter. Im Zuge der Zeit hat er dann beschlossen das Land zu verlassen, auf der Suche nach Sicherheit.
Mit Gottes Hilfe, wie er sagt, hat er auch die Extreme der Flucht auf dem Landweg überstanden. Bedrohungen und Angst wurden ständige Begleiter.
Es war ihm klar dass es sehr schwer werden würde ins Ungewisse zu gehen, auf der Flucht zu überleben, akzeptiert zu werden in der Fremde und einen Neuanfang zu finden.

Warten, Einsamkeit, Nichts-tun-können, Nichts-sein Verständigungsprobleme, Ungewissheit, das ist der Preis. Beim Kochen seiner pakistanischen Lieblingsgerichte kommt er auf andere Gedanken.

Nach der Ankunft in Ebsdorf haben Bürgermeister Andreas Schulz und ich, die Erste Beigeordnete Elisabeth Newton, die Neuankömmlinge begrüßt und soweit möglich Unterstützung zugesagt. Der Bürgermeister hatte mich gebeten, mich als Ebsdorferin und Beigeordnete um die Neuankömmlinge zu kümmern, auch sie sind Neubürger.

Kash

Für die Ebsdorfer war es auch nicht einfach, bezogen die Flüchtlinge doch die ehemals beliebte Gaststätte Weidemüller.

Ein sanftes Herantasten und Kennenlernen, sich vertraut machen; über mich wurde hoffentlich eine Brücke geschlagen durch Kontakte zu den Menschen in den Läden, bei Veranstaltungen und durch Einladungen wie auch durch die Unterstützung bei Behördenbesuchen und Orientierung in kultureller und politischer Hinsicht.
Kashan packt an wo Hilfe gebraucht wird, kehrt am Samstag den Gehweg und half selbstverständlich auch beim Herbstputz in der Gemeinde wie andere Bürger auch.
Die Freundschaft zu vielen Menschen in Ebsdorf und darüber hinaus haben, wie er sagt, seinem Leben wieder Freude und Zuversicht geschenkt, obwohl es auch manchmal Momente gibt voller Verzagtheit.

Im Oktober und November hat Kash bei der VHS endlich einen Deutschkurs besuchen dürfen. Er hat sich ein Lehrbuch gekauft, Urdu/Englisch – Deutsch, und arbeitet jeden Tag damit. Eine Sprache wird aber erst richtig lebendig im Lebens- und Berufsalltag.

Ende November hat Kashan eine Arbeitserlaubnis erhalten, unter Vorbehalt für deutsche Arbeitnehmer, er darf auch aus seiner jetzigen Unterkunft ausziehen und eine eigene Bleibe finden, was sich nicht einfach gestaltet. Er möchte am liebsten in Ebsdorf bleiben oder zumindest in der Gemeinde Ebsdorfergrund. „Ebsdorf, das ist mein Dorf“, er mag die Menschen.

Sein Ziel ist, so schnell wie möglich gut Deutsch zu sprechen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen und beruflich seinen Weg finden.
Es wird noch ein langer Weg werden.
Kash weiß, dass Gott ihn bis hierher geführt hat und das auch weiterhin tun wird.
Elisabeth Newton


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