Strom: Im „Grund“ geht das Netz in Bürgerhand

Mittwoch, 20. August 2014

Gemeinsam mit den Stadtwerken gelang der Gemeinde ein Millionen Geschäft

122 Kilometer Stromverteilnetz, 80 Kilometer Straßenbeleuchtungskabel, 21 Schaltstationen sowie 40 Transformationsstationen sind

ab dem 1.1.2015 in „Grund“-Besitz. Das Ziel – eine energieautarke Gemeinde zu werden – wird damit immer greifbarer.

Alexander Schurz (Prokurist Stadtwerke Marburg), Rainer Kühne, Elisabeth Newton (Erste Beigeordnete der Gemeinde Ebsdorfergrund), Bürgermeister Andreas Schulz, Ulrich Ley. Sie halten das gekaufte Stromverteilnetz der Gemeinde symbolisch in Händen.

Alexander Schurz (Prokurist Stadtwerke Marburg), Rainer Kühne, Elisabeth Newton (Erste Beigeordnete der Gemeinde Ebsdorfergrund), Bürgermeister Andreas Schulz, Ulrich Ley. Sie halten das gekaufte Stromverteilnetz der Gemeinde symbolisch in Händen.

Nach Wasser, Abwasser, Müll ist jetzt auch der Strom in kommunaler Hand. „Damit sind wir nicht mehr Bittsteller, sondern können selber bestimmen“, freute sich Bürgermeister Andreas Schulz nach der Vertragsunterzeichnung. Dreijährige Verhandlungen liegen hinter ihm und den Vertretern der Stadtwerke Marburg.

Auch Geschäftsführer Rainer Kühne teilte die Freude über das Geschäft. Es war seit der Neuvergabe der Wegenutzungsrechte, bei der sich vor rund drei Jahren zahlreiche Gemeinden aus dem Landkreis für den kommunalen Versorger entschieden hatten, der erste Rückkauf eines Stromnetzes.
Den Weg endgültig für die Millioneninvestition frei gemacht, hatte im Juni die Gemeindevertretung.

Grund Netz GmbH übernimmt heimisches Stromnetz

Nun ist nicht mehr die Energie Netz Mitte GmbH für die 2950 Hausanschlüsse im „Grund“ zuständig, sondern die Grund Netz GmbH, die eigens für diesen Zweck gegründete Netzgesellschaft. Den Aufsichtsratsvorsitz hat Bürgermeister Andreas Schulz.

Die Geschäftsführung obliegt Ulrich Ley, Fachbereichsleiter Finanzen der Gemeinde sowie Rainer Kühne. Der Geschäftsführer der Stadtwerke meinte, dass die Neugründung eines so kleinen kommunalen Versorgungsunternehmens nahezu einmalig in Deutschland sei. Er selber hatte mit einer derart schnellen Umsetzung nicht gerechnet. „Weder die technische noch die kaufmännische Umsetzung war gegeben“, so Kühne.
Beide Vertragspartner hatten das Stromverteilnetz im Vorfeld unabhängig voneinander auf seinen Wert geprüft. „Am Ende steht ein faires Geschäft“, waren sich die  Vertragspartner Kühne und Schulz einig.

Stadtwerke sind zukünftiger Ansprechpartner

Die Stadtwerke Marburg und die Gemeinde Ebsdorfergrund haben mittlerweile zahlreiche gemeinsame Schnittpunkte. Gute Zusammenarbeit gibt es bereits im Bereich Nahwärme, Gas, Telefon, Breitband oder der Straßenbeleuchtung. „Wir freuen uns, dass bereits 1045 Kunden aus der Gemeinde Ebsdorfergrund uns als ihren Versorger gewählt haben“, sagte Kühne.
Durch den Netzkauf erhofft sich das Unternehmen weiteren Zulauf, denn ab dem 1.1.2015 sind die Stadtwerke Marburg der Ansprechpartner für alle 2950 Netznutzer. Auch die Zähler sind in den Besitz der Grund Netz GmbH übergegangen und fallen dann in die Zuständigkeit des Marburger Versorgers.
Dazugehören wird auch die Instandhaltung und Wartung der Straßenlampen.
Diese Aufgabe wurde von der Gemeinde und das Stromverteilnetz von der Grund Netz GmbH an das Partnerunternehmen verpachtet.

Ebsdorfergrund kann es sich leisten

Für den „Grund“ birgt dieser Kauf Aussicht auf monetäre Gewinne durch Pacht-, Konzessions-, Finanzierungseinnahmen und sonstige Synergieeffekte. Überdies ist er ein Meilenstein auf dem Weg zu einer energieautarken Gemeinde.
Der Stadtwerkevertreter sieht es als Fortführung ihres Geschäftsmodells. Dieses strebe eine breitere Aufstellung im Landkreis mit neuen Dienstleistungen und weiteren Marktanteilen an, so Kühne. „Das erfolgreich vollzogene Geschäft, sprich die erste Stromnetzübernahme im Landkreis Marburg Biedenkopf würden wir gerne als Blaupause für die Energie Marburg-Biedenkopf übertragen“, sagte der Geschäftsführer.

Dieser Netzgesellschaft gehören zehn weitere Kommunen des Landkreises Marburg-Biedenkopf an, die entsprechende Wegenutzungsverträge mit den Stadtwerken geschlossen haben. Sie setzten ebenfalls auf die Rekommunalisierung ihrer Stromnetzte und die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Marburg.

Unsere Gemeinde hat mit der Gründung der Grund Netz GmbH einen eigenen, unabhängigen Weg gewählt.

Diesen Luxus konnte sie sich leisten, weil sie finanziell in der Lage ist das Stromverteilnetz in Partnerschaft mit den Stadtwerken zu erwerben. „Es war es wert, den Kauf unter Dach und Fach zu bringen“, meinte Kühne abschließend.

Dem konnte Andreas Schulz nur zustimmen, für ihn war das Projekt auch ein Stück Herzensangelegenheit.
Einen kleinen Wehmutstropfen gibt es. Wermertshausen bleibt bei alle dem außen vor.
Die Ortschaft bleibt weiterhin in der Obhut der Stadtwerke Gießen.


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