Renaturierung der Zwester Ohm

Störche in Rauischholzhausen

Ende der 1970er Jahre trat die Gemeinde mit der Bitte an die Flurbereinigungsbehörde heran, im Rahmen des laufenden Verfahrens für den Ebsdorfergrund den Hochwasserschutz für den Ebsdorfergrund zu verbessern. Dieser Bitte wurde zunächst nicht entsprochen. Erst 1983, als die Hessische Landesregierung das Programm Naturnahe Gewässer auflegte, ergab sich eine Finanzierungsmöglichkeit für den Rückbau der Zwester Ohm. Da aber nicht nur der Hochwasserschutz verbessert, sondern auch die in einem Gutachten der Universität Marburg aufgezeigten Defizite im Gewässerbett und die schlechte Wasserqualität behoben werden sollten, wurde das Projekt als eines der ersten in Hessen in das Förderprogramm des Landes aufgenommen.

Der erste Bauabschnitt

Nachdem 1984 die Finanzierung durch Aufnahme des Projektes in das Landesprogramm Naturnahe Gewässer weitgehend gesichert war, konnte 1985 der Planungsauftrag für einen ersten Bauabschnitt zwischen Hachborn und Ebsdorf seitens der Gemeinde erteilt werden.

Neben einem Hochwasserschutz für Ebsdorf  durch abflussverbessernde Maßnahmen mit Sohlvertiefungen, Profilaufweitungen und Laufverlängerungen sollte auch eine ökologische Aufwertung des Gewässers erreicht werden.

Außerdem war geplant, die restlichen Auenflächen auch weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen. 1988 kam es allerdings zu Planänderungen:

Das Bachbett wurde nicht mehr in die schutzwürdigen torfigen Auenbereiche verlegt, die Sohle nicht abgesenkt und der Bepflanzungsplan überarbeitet. Dann folgte die Maßnahmenumsetzung , die nach nur 4-monatiger Bauzeit im Dezember 1988 abgeschlossen werden konnte.

Das Projekt wurde so zu einem Modell für ganz Hessen zur Umsetzung von Fließgewässer-Renaturierungen im Zuge der Flurneuordnung.

Der zweite Bauabschnitt

Zwei Jahre nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts folgten die Planungen für die zweite Bauphase zwischen Ebsdorf und Mölln. Da im Zuge der Ortsumgehung Heskem -Mölln ein neues Flurbereinigungsverfahren eingeleitet wurde, bestand auch für diesen Abschnitt die Möglichkeit, durch ein geschicktes Flächenmanagement Raum für Renaturierungsmaßnahmen zu gewinnen.

Im gesamten Verlauf von Ebsdorf bis Mölln wurden bei der Renaturierung verschiedene Zielvorstellungen umgesetzt. Zwischen Ebsdorf und der Einmündung des Wittelsberger Baches wurde das Bett der Zwester Ohm verlegt und durch Aufweitungen sowie Abflachungen der Ufer Raum für eine eigendynamische Entwicklung gegeben, während das ehemalige Gewässerbett als „Altarm“ erhalten blieb.

Der Wittelsberger Bach wurde zwischen dem Gewerbe- und Naturschutzgebiet angehoben, sein Bachbett aufgeweitet und stärker strukturiert.

Zwischen der Landstraße und dem Sportplatz von Heskem-Mölln war die Zwester Ohm charakterisiert durch ein schnurgerades Bett mit steilen Ufern und fast fehlendem Gehölzbewuchs, so dass hier erhebliche Umgestaltungsmaßnahmen erfolgten. Gleichzeitig musste der Ortsrand von Heskem durch einen Deich vor Hochwassern geschützt werden. Weiter aufwärts bis zur Feldwegebrücke Mölln konnten wegen des vorhandenen Uferbewuchses nur geringe Eingriffe erfolgen. Wichtigste Maßnahme war hier die Anhebung der fast 2,5 m tief eingeschnittenen Sohle.

Begleitet wurde die Baumaßnahme am Gewässer von umfangreichen Flächenumlegungen in der Aue, die neben dem Raum für eigendynamische Laufverlagerungen auch Möglichkeiten zur Sukzession oder zur naturschutzkonformen Bewirtschaftung bieten.

Aufgrund einiger Probleme bei der Finanzierung wurde die Baumaßnahme erst vier Jahre nach Plangenehmigung begonnen und 2004 abgeschlossen.

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Eine weitere Besonderheit ist die im Jahr 2003 begonnene ganzjährige extensive Beweidung von Auenflächen, die aus dem ersten Bauabschnitt der Renaturierung der Zwester Ohm stammen und überwiegend im Eigentum der Gemeinde stehen.

Neben den naturschutzfachlichen und landschaftspflegerischen Aspekten dieses Projektes stellen die imposanten Heckrinder, die als Züchtung dem seit mehreren hundert Jahren ausgestorbenen Auerochsen nachempfunden sind, eine Bereicherung des Lebensraumes dar.

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Die Renaturierung dient

-dem Gewässerschutz

-der Verbesserung der Gewässerstrukturgüte

-der Grundwasserneubildung

– dem Hochwasserschutz

-dem Landschaftsschutz

-dem Landschaftsbild und der Naherholung

Darüber hinaus ist der Naturraum Ebsdorfergrund ein Eldorado für Vögel. 59 Vogelarten wurden nachgewiesen. Nach der Renaturierung machten auch wieder Störche Station im Grund.

Ausführliche Informationen zu dem Projekt „Renaturierung der Zwester Ohm“ erhalten Sie in der Broschüre Gegen den Strom, die Sie hier als Download erhalten.
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2012

Rückblick auf eine erfolgreich durchgeführte Vorzeige – Maßnahme:
Zum Bericht …hier klicken


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