Wermertshausen

Geschichte des Dorfes Wermertshausen
WermertshausenLenkt der Wanderer seine Schritte, von Marburg aus übers Lahngebirge durch den Ebsdorfer Grund, die Straße der “Zwester-Ohm” entlang nach dem Oberwald, so gelangt er oberhalb Roßberg durch prächtige Buchen- und Tannenwälder auf eine zum Teil bewaldete Hochfläche, die sich weit hinein ins hessische Gebiet ausbreitet. Da, wo das Hochplateau im Nordwesten beginnt, liegt dicht an der hessisch-darmstädtischen Grenze in idyllischer Stille das preußische Dorf Wermertshausen. In breitem Rahmen umspannt es ein schöner Wald.
(Auszug aus dem Beitrag “Geschichte des Dorfes Wermertshausen” zur Festschrift des Radfahrervereins 1927 Wermertshausen, zum Gaufest 1928, von Lehrer W. Trusheim).

Über die Entstehung des Dorfes ist wenig bekannt, der Beginn der Siedlung liegt im Dunkel der Geschichte.
Eine erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 782, eine weitere, urkundliche Erwähnung, aus dem Jahre 790 in einer Fuldaer Urkunde, als ein gewisser Bruninc und seine Frau dem heiligen Bonifatius ihr Eigentum in Werenbrahteshusen übertragen.
Ein Fuldaer Mönch erwähnte ums Jahr 917 in einer Schrift (“Summarium traditionum veterum“) außer Heistingenheim (Heskem) im Ebsdorfer Grunde und Abbenbrunnen (Appenborn bei Londorf) auch einen Ort Werenbrahteshusen, welcher unter dem Erzpriester von Ebsdorf (damals Ebilizdorf) stand.
Höchstwahrscheinlich war jener Ort das spätere Wermertshausen.

  • Historisches Bild WermertshausenDer Ortsname veränderte sich in folgender Weise:
    Werenbrahteshusen im Jahre 790
    Wernbershusin im Jahre 1222
    Wermershusin im Jahre 1359
    Wermertshausen seit dem Jahre 1525

1374 wird Wermertshausen als landgräfliches Dorf erwähnt. Gerichtlich gehört Wermertshausen nach Ebsdorf, wo dreimal im Jahr das Gericht aller freien Männer auf dem Platz hinter der Ebsdorfer Kirche tagte, der heute noch als “Gerichtslinde” bekannt ist.
Um 1250 schenkten die staufischen Kaiser Ebsdorf dem Erzstift Mainz (St. Stephan und Johann). Die Dörfer des Ebsdorfer Gerichtes unterstanden nun einem bischöflichen Vogt. Etwa 120 Jahre später, 1370 belehnt St. Stephan durch das Kapitel im Amöneburg die Landgrafen von Hessen mit der Vogtei Ebsdorf. Die Landgrafen setzten in Ebsdorf einen Amtmann ein, der für den gesamten Bezirk Landrat und Amtsrichter zugleich war. Die höhere Gerichtsbarkeit lag jetzt aber in Marburg.
Ungünstige Witterung mit großen Ernteausfällen, Wild- und Raubtierschäden und vor allem auch die Unsicherheit durch die vielen Fehden des mächtiger werdenden Adels untereinander verleideten allerdings oft den Ansiedlern die neue Heimat.

Hier liegt wohl auch der Grund dafür, dass das Dorf 1431 verlassen ist.
1525 wurde die Wüstung Wermertshausen neu besiedelt.
Nach der Einführung der Reformation in Hessen (1526) gab Landgraf “Philipp der Großmütige” Wermertshausen neben Nordeck und Winnen den Herren von Rau zu Nordeck und Holzhausen “mit Gebot, Verbot, Gericht und Oberherrlichkeit” zu Lehen.
1577 zählt Wermertshausen 6 Haushalte mit ungefähr 30 Personen.
Doch noch einmal war dem Ort kein kontinuierlicher Aufstieg vergönnt und das Schicksal schlug bös zu. Wir kennen die genauen Gründe nicht und auch nicht das Jahr, in welchem Wermertshausen erneut verlassen wurde. Es war jedenfalls im Dreißigjährigen Kriege, denn die Nachricht darüber stammt aus dem Jahre 1648.
1747 zählt es wieder 21 Einwohner. Jetzt steigt die Zahl der Einwohner stetig.
In den nächsten zwei Jahren muss eine weitere Siedlungswelle mit wenigstens 16 neuen Haushalten Wermertshausen erreicht haben; denn das “Lager- und Steuerbuch über die adlige Rauische Dorfschaft Wermertshausen, 1749 verfertigt” berichtet über unser Dorf:
“Bestehet diese Ortschaft dermalen in 22 contribuablen Häußern oder Feuerstätten und wohnen darinnen so wirklich und in loco 35 Männer, 35 Weiber, 33 Söhne,
38 Töchter, 2 Knechte, 1 Mahd, also in Summa 144 Menschen”.
Wermertshausen Die Wermertshäuser Lehensleute zinsten der Burg Nordeck treu ihren Zehnten, der später in eine Geldabgabe verwandelt wurde und um 1890 ablief.
Das beginnende 19. Jahrhundert brachte ganz Hessen und damit auch Wermertshausen die Franzosenherrschaft. Hessen wurde mit benachbarten Gebieten zum Königreich Westphalen erklärt und von Napoleons Bruder Jerome (“König Lustig“) von Kassel aus regiert, aber in den internen Verhältnissen änderte sich wenig.
Der nächste tiefe Einschnitt in die Geschichte Wermertshausens kam dann im Jahre 1866, als Kurhessen im Preußen aufging und damit auch Wermertshausen preußisch wurde.
Aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gibt es aus unserem Ort nichts Aufregendes zu berichten.
Im Jahre 1922 wurde im Dorf das elektrische Licht eingeführt, dies war ein großer Fortschritt.
Das erste große Fest in dieser Neuzeit, feierte der in 1927 gegründete “Radfahrerverein 1927 Wermertshausen” im Jahre 1928 mit dem Gaufest des Gaues III Radfahrerbund Oberhessen.
Im Jahre 1936 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wermertshausen gegründet.
Wie überall, so brachte auch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entscheidende Veränderungen mit sich. Viele Einwohner wurden eingezogen und einige von Ihnen kamen nicht mehr zurück, sie fielen, wie viele andere ihrer Kameraden aus Wermertshausen auch schon im Ersten Weltkrieg.
Das Ende dieser schlimmen Zeit für Wermertshausen kam am 26. März 1945. Eine auf dem Rückzug befindliche deutsche Einheit, brachte ihre Geschütze am Waldrand zu Roßberg in Stellung und lieferte sich ein Gefecht mit amerikanischen Panzern welche aus Richtung Rüddingshausen kamen. Zwei amerikanische Panzer wurden vernichtet, jedoch war der Kampf aussichtslos, der Führer dieser deutschen Einheit befahl den Rückzug. Zehn deutsche Soldaten hatte dieser nutzlose Kampf, der leicht dem ganzen Ort hätte schaden können, das Leben gekostet. Sie wurden am 1. April 1945 auf dem Friedhof in Wermertshausen beigesetzt.
WermertshausenDie Dorfpumpe, sie steht heute noch, wurde 1946 wieder in Ordnung gebracht.
Am 27. Juni 1947 war es dann soweit, in Wermertshausen konnte man wieder Wasser aus dem Hahn zapfen, die Wasserleitung mit entsprechender Pumpvorrichtung zur heutigen Quelle in den “Seewiesen” war fertig gestellt, hier feierte man ein zünftiges “Wasserfest”.
Die Freiwillige Feuerwehr Wermertshausen feierte 1966 ihr 30-jähriges Jubiläum mit dem Bezirksfeuerwehrtag mit großem Festzug und Leistungswettkämpfen.
Im Jahre 1970 kam es mitten im Dorf zu einem Großbrand, diesem fielen zwei große Scheunen zum Opfer.

1972 schloss sich Wermertshausen als eines der ersten Dörfer der Großgemeinde Ebsdorfergrund an.
Im gleichen Jahr bekam die Freiwillige Feuerwehr ihr erstes Tragkraftspritzenfahrzeug, auch begann man in diesem Jahr mit dem Bau einer ersten Zisterne.
Der Bau des Dorfgemeinschaftshauses mit angeschlossenem Feuerwehrgerätehaus erfolgte im Jahre 1975.

1977 konnte man eine neue Viehwaage in Betrieb nehmen und in den Jahren 1978 und 1979 wurde die Friedhofskapelle, wieder wie alle die Projekte vorher, mit großer Eigenleistung erbaut.
Der Bau der zweiten Feuerlöschzisterne erfolgte im Jahre 1980.

Das erste ganz große Fest, “1200 Jahre Wermertshausen”, feierte Wermertshausen in der Festwoche vom 09.-17. Mai 1982. Begonnen mit einem Festgottesdienst, der Todengedenkfeier, einem Festkommers mit Heimatabend bis hin zu einem “Historischen Festzug”, bot dieses Fest ein großes und interessantes Programm.

Auch in 1982, entstand die neue Kläranlage, als “biologische Kläranlage”, in hiesigem Raum eine der Ersten dieser Art, diese ersetzte die bisherige mechanische Kläranlage.
Zum 50-jährigen Jubiläum unserer Freiwilligen Feuerwehr folgte dann in 1986 ein weiteres großes Fest in Verbindung mit der Feier des Kreisfeuerwehrtages.
Im März 1994 konnte die Freiwillige Feuerwehr ihr neues Fahrzeug, ein Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser, in Besitz nehmen.

WermertshausenMit großer Eigenleistung wurde der Aus- und Erweiterungsbau des Feuerwehrgerätehauses in den Jahren 1994 – 1996 ausgeführt.
In den Jahren 1996 bis 1998 erfolgte der Neubau eines Wasserhochbehälters im Wald zwischen Wermertshausen und Roßberg, um so auch den Ortsteil Roßberg mit dem Quellwasser aus Wermertshausen zu versorgen. Dazu wurde ebenfalls eine neue Wasserleitung nach Wermertshausen verlegt und die Wasserversorgung grundlegend ertüchtigt. In den 90er Jahren wurde außerdem in die Kläranlage und in einen neuen Stauraumkanal vor der Kläranlage viel Geld investiert.
Im Jahr 2002 wurde das Neubaugebiet “Auf dem Läppchensacker”, mit insgesamt 10 Bauplätzen ausgewiesen und voll erschlossen.
In der Mitte unseres Dorfes wurde gegenüber der Kirche im Jahre 2008/2009 der “Dorfplatz gestaltet.

Der, von unseren damals “Jugendlichen”, im Jahre 1997 gegründete Jugendclub, unser “JUZ”, erhielt seine Räumlichkeit im Gebäude des “Gefrierhauses”. Die Gemeinde bezahlte das Jahr und die Jugendlichen arbeiteten fleißig. Vom ersten Moment an waren die jungen Mitglieder des “JUZ” eine Bereicherung für unsere Dorfgemeinschaft. Sie entwickelten und verwirklichten zahlreiche Ideen und Projekte. Ebenso beteiligten und beteiligen sie sich heute noch an den verschiedensten Vorhaben und Eigenleistungsprojekten für unser Dorf.
Der Bau des Radweges, entlang der Landstraße von Wermertshausen nach Rüddingshausen, wurde in 2009 verwirklicht. Mit Mitteln der politischen Gemeinde wurde der Kirchengemeinde geholfen, die evangelische Kirche zu sanieren:

Mit dem Jahr 2007 folgte dann ein ganz besonderes Festjahr in unserer jüngsten Geschichte, hier feierten die Wermertshäuser ihr Jubiläumsfest “1225 Jahre Wermertshausen”. Die festlichen Aktivitäten zogen sich über das gesamte Jubiläumsjahr hinweg. Es begann im Mai 2007, mit dem 1. Grenzgangfest, weiter ging es mit der Totenehrung und einem Seniorentag. Die Hauptjubiläumsfeierlichkeiten erstreckten sich dann auf das Wochenende 17.-19. August 2007.

 

Kirche in WermertshausenHier feierten wir einen Oldie Abend, den Kindernachmittag mit anschließendem Kommersabend und Tanz, den Abschluss des Festwochenendes bildete der “Stehende Festzug”, der wohl bei allen, welche diesen erleben durften, in langer Erinnerung bleiben wird. Es waren sich alle einig, so viele Gäste wie an diesem Tag hatte Wermertshausen vorher noch nie gesehen.
Auch wurde in diesem Jubiläumsjahr 2007, wie bereits vorher in der jüngsten Geschichte unseres Dorfes, im Jubiläumsjahr 1982, unsere Kirche, wieder restauriert. Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zeigte diese sich wieder in frischem Glanz und leuchtenden Farben.
Weitere Feierlichkeiten und Feste in der jüngsten Geschichte sind die jährlichen Teichfeste des Angelsportvereins, das 2. Grenzgangfest in 2010 und das 3. Grenzgangfest in 2014, ausgerichtet von der Dorfgemeinschaft.
Ein sehr großer Erfolg in den letzten Jahren, ist die alle Jahre wieder durch den Gymnastikverein veranstaltete und weit über die Grenzen hinaus bekannte und geschätzte Veranstaltung des “Altweiberfasching”.
Mit der Möglichkeit des Anschlusses für jeden Haushalt, an das “Schnelle Internet”, aufgrund der Verlegung des Breitbandkabels in 2015, wurde Wermertshausen ein gutes Stück zukunftsfähiger und attraktiver. Selbst wer in der idyllischen Stille in Wermertshausen, “hinter dem Wald“ auf der Hochfläche, mit seinen prächtigen Buchen- und Tannenwäldern wohnt, hat nun die Verbindung in die große weite Welt.

Text: Friedhelm Maikranz, Ortsvorsteher
Bilder: Friedhelm Maikranz, Gemeinde, Heiko Dietz, Bernhard Hermann, u.a., Ingrid Schütz
Quellen: Aufzeichnungen/Dorfchronik v Lehrer Wilhelm Mühlhausen
Festschrift zum Gaufest 1928, Radfahrerverein 1927 Wermertshausen
Festschrift “1200 Jahre Wermertshausen”
Eigene Aufzeichnungen


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