Rauischholzhausen

– Das ehemalige freie Reichsdorf  Holzhausen –

Luftbild

Rauischholzhausen liegt südöstlich von Marburg, an der Grenze zur Stadt Amöneburg und hat etwa 1100 Einwohner.
Es wurde zwischen 750 und 779 erstmals urkundlich in den Schenkungsurkunden des Klosters Fulda, als Holzhusen erwähnt, und von Kaiser Karl dem Großen im Jahr 781 bestätigt.
Die in Holzhausen lebenden Grundherren von Schrickede (Schröck) nannten sich um 1250 Rau von Holzhausen und erbauten eine kleine Wasserburg im Burgteich.
Kirche RHHSie verfügten über die Gerichtsbarkeit in Holzhausen, Rossdorf und Wittelsberg. Die Rau von Holzhausen erwarben um 1300, eine in der Nähe von Holzhausen liegende Siedlung Namens Breydinborn und veranlassten die Bewohner nach Holzhausen umzusiedeln, um 1370 war das ehemalige Breydinborn nur noch eine Wüstenei.

Die Kirche des Dorfes Breydinborn, die in einem völlig überwucherten Areal (genannt Kirchhöfchen) liegt, wurde um 1930 bei Ausgrabungen freigelegt.
Die Umfassungsmauer war noch einigermaßen erhalten, die Kirche im Innenhof war jedoch verfallen.

Unterhalb des ehemaligen Dorfes gibt es einen Bach an dem der Standort einer Mühle festgestellt werden konnte. Die Wohnplätze oder Häuser müssen ziemlich verstreut um die Kirche herum gelegen haben.
Um 1539 erhielten die Rau v. Holzhausen das Recht zur Aufnahme von Juden, die Schutzgeld bezahlen mussten.

Daher lebten die meisten Juden in den Häusern der Rau von Holzhausen.
Sie hatten 5 Mühlen, den Gutshof sowie große Land- und Waldflächen. Ende des 16. Jahrhunderts erbauten sie das Herrenhaus des Gutshofes, in dem ein Teil von ihnen wohnte. Um 1650 wurde die Wasserburg erweitert und der Judenfriedhof angelegt.

Im Jahr 1855 gab es in Holzhausen 105 Wohnhäuser mit 140 Familien und 635 Einwohnern, davon waren 76 jüdische Mitbürger in 18 Familien die um 1872 eine Synagoge gebaut haben.

Um 1870 kaufte Ferdinand Stumm aus Neunkirchen die gesamten Besitztümer der Rau von Holzhausen sowie weitere Land und Waldflächen in der Gemarkung Holzhausen und Wittelsberg.

Ferdinand Stumm hatte noch 3 Brüder und stammte aus einer reichen Industriellen-Familie aus dem Saarland, die mehrere Stahlwerke besaßen.

Schloss
Im Jahr 1872 wurde mit der Anlage des Parks und dem Bau des Schlosses begonnen. Der 1. Abschnitt des Schlosses bis zu dem Torbogen wurde 1876 fertiggestellt, der 2. Abschnitt (Kinderbau) sowie weitere Gebäude – Dienerhaus und Reitstall – in den nächsten Jahren.
Von 1880 bis 1881 hat F. Stumm eine neue repräsentative Kirche bauen lassen und der Gemeinde geschenkt, die alte Kirche, die im Bereich der Alten Schule stand, wurde abgerissen.

Er holte einen Arzt, Apotheker, Bäcker und Metzger sowie die Molkerei nach Holzhausen, baute ein neues Pfarrhaus und das Schwesternhaus bmit Kindergarten.
Holzhausen hatte zu dieser Zeit eine Infrastruktur wie kaum ein anderes Dorf.

Stern1888 wurde Ferdinand Stumm, der Diplomat und kaiserlicher Botschafter in verschiedenen Ländern war, mit seinen 3 Brüdern geadelt und konnte sich nun Freiherr oder Baron von Stumm nennen.
In dieser Zeit war auch der deutsche Kaiser zu Besuch im Schloss Rauischholzhausen.
Im Jahr 1932 musste der Sohn von F. v. Stumm den Wald an die Familie von Waldthausen verkaufen und 1938 den Gutshof und die Gärtnerei an die Kerckhoff Stiftung in Bad Nauheim. Das Schloss und der Park gingen an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und fielen nach dem Krieg an das Land Hessen.

Die beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 haben der Bevölkerung in unserem Dorf viel Leid und Schmerz gebracht.

Im 1.Weltkrieg sind 36 Soldaten gefallen, darunter 3 jüdische Mitbürger, 4 Soldaten blieben vermisst.

Im Jahr 1933 wurde der ehem. Landkreis Kirchhain mit dem Landkreis Marburg zusammengelegt, unser Dorf wurde von Holzhausen in Rauischholzhausen umbenannt, da es im Landkreis noch ein weiteres Dorf mit dem Namen Holzhausen gab.
Die letzten im Dorf verbliebenen jüd. Mitbürger wurden 1942, mit anderen Juden aus den Nachbardörfern, auf dem Zimmerplatz auf Lastwagen verladen und dann nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert.
Nur Sarah Mendel, Martin und Walter Spier überlebten den Holocaust und kehrten 1945 nach Rauischholzhausen zurück.

Im 2. Weltkrieg sind 56 Soldaten gefallen.

Nach dem Krieg von 1945- 1946 kamen viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene (245) nach Rauischholzhausen und die Bevölkerung wuchs rasant an.
Die meisten sind in Rauischholzhausen geblieben, weil es durch das Schloss, den Gutshof, die Molkerei, die Handwerksbetriebe, 5 Gaststätten und 8 Geschäfte eine gute Infrastruktur gab.

Bürgermeister ab 1945 in Rauischholzhausen:
1945 – 48 Deuker Peter
1948 – 52 Stieler Martin
1952 – 64 Grün Gotthard
1964 – 74 Lemmer Peter
In den Jahren 1972 – 1974 gab es eine Gebietsreform, bei der Rauischholzhausen ein Ortsteil der Großgemeinde Ebsdorfergrund wurde.

Ortsvorsteher ab 1975 in Rauischholzhausen:
1975 – 1977 Lemmer Peter
1977 – 1985 Grün Adam
1985 – 1989 Groß Helmut
1989 – dato Vogler Helmut

Für den OT  Rauischholzhausen und die Belebung unserer Bürger wurden ab 1961  folgende Maßnahmen durchgeführt.

1961
KITANeubau der Grundschule
1974-75
Neubau der Mehrzweckhalle
1981 1200
Jahrfeier
1981
Neubau Sportplatz
1982
Neubau Tennisplatz
1982-85
Neubau der Friedhofshalle in Eigenleistung
1986
Erweiterung des Friedhofes
1991-92
Anbau MZ-Halle 1. BA. viele Arbeiten wurden in Eigenleistung ausgeführt
1991 -92
Beginn der Erweiterung der Verbandskläranlage in insgesamt 3 Bauabschnitten
1992
Bau des Stauraumkanal in der Straße „Am Teichdamm“
1996-98
Anbau MZ-Halle 2. BA viele Arbeiten wurden in Eigenleistung ausgeführt, Erneuerung der Wasserleitung in „Wittelsberger Straße“, „Am Trift“, „Tannenweg“ und „Eichenweg“
2000
MZHErneuerung der „Alten Poststraße“ zwischen „Untere Höhle“ bis „Obere Höhle“
2002
Bohrung Tiefbrunnen, Erneuerung der Parkplätze „Potsdamerstraße“,
Endausbau „Hainweg „und „Die Boene“ sowie „Am Teichdamm“
2003
Eröffnung Ortsumgehung 1. BA., Endausbau der Straße „Im Paradies“
2004
Eröffnung Baugebiet Grundblick
Einweihung neuer Wasserbehälter mit Brunnen
2005
Eröffnung Ortsumgehung 2. BA.
2007
Ausbau der Straße „Am Lomberg“, Erneuerung der „Roßdorfer Straße“ inklusive der Wasserleitung, Ausbau der Straße „Am Mühlpfad“
2008
Erneuerung von Bürgersteigen durch Anlieger und Gemeinde im „Tiefen Graben“, „Druschweg“ und „Große Gasse“
2009
Energetische Sanierung MZ-Halle
2009 /2010
Ausbau der „Potsdamer Str.“ vom „Zimmerplatz“ bis zum alten Wasserbehälter
Umwandlung des Hartplatzes in einen Rasenplatz
2011
Erneuerung der „Oberwaldstraße“ (Rad-und Wanderweg), (gemeinschaftliches Projekt Gemeinde/von Waldthausen‘sche Forstverwaltung
2015
Ausbau des unteren Teiles der „Großen Gasse“
Ausbau des „Holzweges“

Vereine in Rauischholzhausen

Sportverein
Freiwillige Feuerwehr
OHGV Zweigverein Rauischholzhausen
Gesangverein
Dorfgemeinschaft Rauischholzhausen
Dramatischer Verein
Burschenschaft
Tennisclub
SPD- Ortsverein

Rauischholzhausen ist, bedingt durch Schloss, Park und Gutshof sowie die gute Infrastruktur, ein beliebter Wohnort, es gibt keinen Leerstand.

Die Bauplätze des 2003-04 erschlossenen Baugebietes „Grundblick“ sind alle belegt, ein neues Baugebiet ist zur Zeit in Vorbereitung.

Medizinische Versorgung

eine Allgemeinmedizinische Arztpraxis
eine Zahnarztpraxis
eine Apotheke
eine Heilpraktikerin

Text: Helmut Vogler, Ortsvorsteher
Quellen: Franz Kaiser „ Das ehemals freie Reichsdorf Holzhausen“, Ingrid Binot, Andreas Frick

Bilder: Helmut Vogler, Iris Möbus, Gemeinde Ebsdorfergrund

 

 


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