Leidenhofen

Kaiserdorf aus dem Jahre 1018

BlicK auf Leidenhofen

Vorweg ein kleiner Einblick in die urkundliche Ersterwähnung

Das Dorf Leidenhofen wurde zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde vom 16. Juni 1018 erwähnt. Kaiser Heinrich II. (Regierungszeit 1002-1024) schenkte dem von seiner Gattin Kunigunde gegründeten Nonnenkloster Kaufungen sein predium (Landgut) in Liudenhove.

Der Name Leidnhofen leitet sich von dem Eigennamen Liudo (Hof des Liudo) her. Bereits in einem 1875 (!) erschienenen Werk heißt es wörtlich: „….während Leidenhofen bei Marburg … ihre Namen vom Eigennamen Liudo haben.“ Die Erklärung des Namens über die Herleitung von Hof der Leute, also der Dienstleute eines größeren Hofes in Ebsdorf, ist historisch nicht richtig. Der Königshof in Ebsdorf hatte seine eigenen im dortigen Dorf oder direkt auf dem Hof lebenden Dienstboten: Mägde, Knechte, Ackerbauern.

Kirche von LEidenhofenWir wissen nichts über das tatsächliche Alter von Leidenhofen. – Die fränkischen Könige übernahmen bereits ab ca. 500 n. Chr. (Chlodwig I.) die „Schutzherrschaft“ über das Chattenland (heute Mittel- und Nordhessen) und was ihnen sonst freiwillig oder durch Eroberungen in die Hände fiel. Seit den Frankenkönigen (Merowinger, Karolinger) war es üblich, dass verdiente Gefolgsleute ein Stück Land – bereits besiedelt oder unbebaut – als Eigentum erhielten. So wohl auch ein gewisser Liudo im Ebsdorfergrund.

Ortsbild prägend war und ist das älteste Gebäude im Ortskern, der zur Kirche gehörende Wehrturm aus der ersten Hälfte des 13. Jh.
Die Kirche war als Wehrkirche ausgebaut und von Bächen umgeben.

Das Kirchenschiff und die Kirchhofsmauer wurden 1967 durch Neubauten ersetzt.

Noch ein paar Daten und Fakten zum Dorf und der Gemarkung:
Die älteste vorhandene Karte vom Dorf und der Gemarkung ist aus 1768, damals gab es ca. 50 Haushalte.
1908 wurde eine neue Schule gebaut.
1913 wird die erste Wasserleitung verlegt.
1920 kommt elektrisches Licht ins Dorf.
1920-1924 fand die erste Flurbereinigung ( Verkopplung ) der Feldgemarkung statt.
1948 wird die so genannte Volkshalle für Feierlichkeiten am „Hassenberg“ aufgebaut.
1951 bekommt Leidenhofen eine Badeanstalt, den späteren Feuerwehrlöschteich.
1960er Jahre: das Neubaugebiet Sigurdallee wird erschlossen.
1963 wird die Volkshalle durch die erste Mehrzweckhalle im Ebsdorfergrund ersetzt und feierlich eingeweiht.
1966 wird die so genannte „Bach“ (Flüsschen Seltengroß ) im Ortskern verrohrt.
1967 Einweihung des neuen Kirchenschiffs
1968 wird mit dem Kanalbau begonnen.
1970er Jahre wird das Neubaugebiet „Zollstock“ erschlossen.
1973 wird im Schulgarten ein Kinderspielplatz errichtet.
1974 verliert die Gemeinde Leidenhofen ihre Eigenständigkeit, Schuldenfrei wird sie ein Teil der Großgemeinde Ebsdorfergrund.
In den 1980er Jahren wird das Baugebiet Sandäcker erschlossen, und Ende der 1990 er Jahre erweitert.
1983 erhält die Mehrzweckhalle einen Anbau, der „kleine Saal“ steht für kleinere Feierlichkeiten zur Verfügung.
1992 entsteht zwischen Leidenhofen und Ebsdorf der Neubau der Grundschule, die alte Schule wird außer Dienst gesetzt.

HassenbergAn der jetzigen Ausdehnung des Dorfes wird sich in naher Zukunft vorrausichtlich nichts ändern.
In vier Jahrzehnten wurden Baugebiete ausgewiesen und das Dorfbild veränderte sich.
Dadurch wuchs auch die Bevölkerungszahl.
Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1939 bewegten sich die Einwohnerzahlen zwischen 400 und 500 Personen. Durch Krieg und Flüchtlingswanderung stieg die Einwohnerzahl Ende der 1960er Jahre auf ca. 650.

Nach den Ausblicken in die ältere und jüngere Vergangenheit möchte ich Ihnen das Dorf und das Dorfleben von Leidenhofen etwas näher bringen.

In Leidenhofen leben derzeit rund 900 Menschen mit Haupt- und Nebenwohnsitz. Wie auch in den anderen Ortsteilen der Großgemeinde ist Wohnen in Leidenhofen sehr beliebt.

Zurzeit gibt es nur 3 unbewohnbare Leerstände im Ortsteil und Mietwohnungen sind meist schnell vergeben.
Viele junge Familien haben sich seit 1983 im Neubaugebiet  „Sandäcker“ mit der Gutenbergstraße und Lutherstraße angesiedelt.

Aber auch der Fachwerk geprägte Ortskern ist beliebt und wird von seinen Hausbesitzern liebevoll saniert.

Auch ältere Menschen finden in Leidenhofen ein Zuhause.
Im Ort mit freiem Blick auf den Frauenberg befindet sich die Seniorenwohnanlagen „ Haus Lauer“.
In mehreren Wohnmodellen können hier Senioren wohnen, die mehr oder weniger Hilfe benötigen um ihren Alltag zu meistern.

Kirchliches Leben:

Blick vom Leidenhöfer Kopf auf Leidenhofen und EGDie Evangelische Kirchengemeinde Leidenhofen, deren Kirche bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde, ist ein Teil der Kirchengemeinde Ebsdorf. Diese umfasst die Dörfer Leidenhofen, Ebsdorf, Hachborn und Ilschausen. Gottesdienste werden in der Regel vierzehntägig gefeiert, einmal im Monat darüber hinaus im Seniorenheim. Im Jahr 2008 hat die Kirchengemeinde zudem in Eigeninitiative das anliegende Gefrierhaus zum „Lutherhäuschen“ umgebaut.
Dies wird als Gemeindehaus sowohl im kirchlichen als auch im bürgerschaftlichen Sinn für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt. So findet z.B. der Kindergottesdienst für alle Kinder aus Ebsdorf und Leidenhofen ebenso regelmäßig dort statt, wie auch Sitzungen von Vereinen oder kleinere Feiern.

Seit 10 Jahren gibt es außerdem die Evangelische Christusgemeinde Ebsdorfergrund.
Sie ist eine eigenständige, evangelische Gemeinde und gehört dem „Bund Evangelischer Gemeinschaften“ an. Sie trifft sich im 2014 neu errichteten Gemeindezentrum am Schulgarten.
Beide Gemeinden arbeiten gut zusammen und ergänzen sich in ihren Angeboten. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Menschen mit dem christlichen Glauben bekannt zu machen und praktische Lebenshilfe anzubieten.

Politisch:
Der Ortsbeirat formierte sich 2011 aus einer Liste und ist derzeit besetzt mit Margitta Reuter, Ursula Weil-Höll, Bernd Lemmer, Peter Portjanow und Ortsvorsteher Horst Gombert.

Infrastuktur:
Die Grundschule und der kirchliche Kindergarten sind zwischen Leidenhofen und Ebsdorf angesiedelt.

Neubaugebiet von Dreihausen kommendIn Sachen Infrastruktur ist in Leidenhofen leider wie in vielen anderen kleinen Dörfern viel verloren gegangen…Sparkasse, Metzger oder Kaufmannsladen haben mit den Jahren geschlossen. Dieses findet man aber im 1 km entfernten Ortsteil Ebsdorf, der zu Fuß noch gut zu erreichen ist. Weiterhin gibt es für Menschen, die kein Auto besitzen, die Möglichkeit einmal wöchentlich kostenlos mit dem Bus nach Dreihausen und zurück zum Supermarkt zu fahren.

Für das leibliche Wohl ist jedoch noch gesorgt in Leidenhofen. So gibt es 2 Gaststätten im Ort: Zum einen das Schützenhaus, die verpachtete Vereinsgaststätte des Schützenvereins. Dort verköstigt Sie Marion Lutz mit deutscher Küche ab 18 Uhr. Und zum andern die urgemütliche Gaststätte „Zur Dorfschänke“. Nahe der Ortsmitte neben der Kirche gelegen sind Lydia und Wilfried Kutsch mit ihrem Schlachteessen von Oktober bis April weit über die Grenzen des Ebsdorfergrunds bekannt. Auch weil der Wirt noch vom alten Schlag ist und die Gemütlichkeit liebt.

Zum Feiern gibt es aber auch noch andere schöne Liegenschaften. Die älteste Mehrzweckhalle in der Gemeinde steht in Leidenhofen. Von außen neu renoviert bietet sie innen das größte Platzangebot der Gemeindehäuser. Eine gut ausgestattete Küche, Schankraum, Bühne, Außenbereich und 2 Säle mit 220 bzw. 60 Sitzplätzen bieten viele Möglichkeiten zum Feiern.
Neben der Kirche befindet sich das Lutherhaus mit ca. 40 Sitzplätzen und einer Küche.
Die umgebaute Schule nebst Neubau des CVJM bieten mindestens 100 Personen Platz für Konfirmation oder ähnliches…
Einen schönen Grillplatz findet man unter der Lutherlinde nahe der Mehrzweckhalle.
Der schöne Ausblick auf den Ebsdorfergrund gibt’s gratis dazu.

Leidenhöfer StraßeWurde früher das Leben im Dorf von der Landwirtschaft und den Handwerksbetrieben geprägt, so zieht es die Menschen heutzutage in die nahe gelegenen Städte. Marburg und Gießen sind mit dem Auto von Leidenhofen aus in 20 Minuten zu erreichen; ausreichende Busanbindungen gibt es auch.

Ganz sind die Landwirtschaft und das Handwerk nicht verschwunden aus dem Dorfleben. So gibt es derzeit noch 2 landwirtschaftliche Betriebe im Vollerwerb und noch einige im Nebenerwerb. Neben Ackerbau, Schweinemast, Rinderzucht und Pferdepensionen gibt es jedes Jahr im Juni von „Laggels Äckern“ leckere Bioerdbeeren. Ute Gerhardt erlebt jedes Jahr aufs Neue wie die Menschen ihre Felder in Scharen erobern und die Erdbeeren selbst pflücken können.
Im Handwerk findet man noch Heizung – und Sanitärinstallateure, Baumpfleger sowie Tief- und Landschaftsbauunternehmen.

Vereinsleben:
Maßgeblich am dörflichen Kulturleben waren und sind natürlich die örtlichen Vereine, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte:

Da gibt es z.B. den Gesangverein mit wöchentlicher Übungsstunde, Konzerten sowie einem jährlichen Pflanzenmarkt.
Im CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) treffen sich junge Menschen in unterschiedlichen Altersgruppen im Gemeindezentrum am Schulgarten.

Seit mehr als 40 Jahren gestaltet der CVJM christliche Kinder – und Jugendarbeit im Ebsdorfergrund. Bei Spiel, Sport, Musik und in den Freizeiten hat man Spaß.
Höhepunkte sind die jährliche Show von „Ten Sing“ und seit 21 Jahren Kinderferienspieltage, wo 100 Kinder und Jugendliche eine tolle Ferienwoche erleben.
Der Damengymnastikverein trifft sich in der Mehrzweckhalle mit 2 Altersgruppen wöchentlich. Jährliche Ausflüge fördern die Geselligkeit.
Regelmäßige Wandertermine und einmal im Jahr der EVG-Wandertag mit vielen Besuchern bietet der Wanderverein an.

Vom Berger Weg auf Leidenhofen schauendGesellig wird es am 6. Dezember, wenn der Nikolaus den Vorstand auf „Viels Hof“ besucht.

Die Landfrauen Ebsdorfergrund fördern soziales Engagement im Dorf, organisieren Vorträge zu Gesundheit und Ernährung, gesellige Veranstaltungen und Tagesfahrten.
Für den Brandschutz im Dorf sorgt seit 1932 die Freiwillige Feuerwehr mit Einsatzabteilung und einer Jugendfeuerwehr.

Sie kann nicht nur „löschen, retten ,bergen“, sondern veranstaltet jährlich am Ostersamstag das Osterfeuer.

Der Schützenverein ist nicht nur mit mehreren Mannschaften in Wettbewerben aktiv, sondern lockt jedes Jahr hunderte Menschen zum Vereinspokalschießen für nichtaktive Schützen ins Vereinslokal.
Dort kann jeder Interessierte mal schnuppern im Schützenverein.

Seit über 20 Jahren macht der Radsportverein eine mehrtägige Radtour, meist an einem Fluss in Deutschland entlang mit seinen Mitgliedern. Außerdem werden Tagestouren zu autofreien Sonntagen in der Region gern besucht.

Der Turn – und Sportverein bietet derzeit ein Herrenteam im Fußball gemeinsam mit Ebsdorf an. In Kooperation mit andern Grundvereinen wird die Jugendarbeit im Fußball für Mädchen und Jungen gefördert. Für den geselligen Teil im Verein sorgt die Abteilung „Alte Herren“ mit einer jährlichen Fahrt.

Eine starke Jugendarbeit betreibt auch der Tischtennisverein Ebsdorfergrund, der sich auch aus den Vereinen Leidenhofen und Ebsdorf entwickelt hat. Inzwischen sind die Aktiven aus dem ganzen Ebsdorfergrund.
Mehrere Mannschaften der Herren und Jugend spielen in Konkurrenz und treffen sich mehrmals wöchentlich zum Training.
Von Kindergruppe, Hobbygruppe bis Amateursport reicht das Tischtennisangebot.

Noch jung ist der Heimat und Kulturverein Leidenhofen. Er beschäftigt sich mit der Dorfchronik, sammelt alte Bilder und Berichte, organisiert Vorträge über das Dorfleben früher. Jährlich wird ein Kalender mit Themenbildern veröffentlicht.

Und immer wieder jung formiert sich die Burschenschaft. Seit 1952 aktiv sorgt sie für Geselligkeit der Jugend im Dorf.
Seit 1993 veranstalten die Burschen die zum Kult gewordene Kirmes an Pfingsten. Anfangs noch 3 Tage Fest, lockt die Veranstaltung Tausende am Pfingstsonntag zum Oldieabend ins Festzelt.
Diese Veranstaltung ist eine der größten im Kreis Marburg und weit darüber hinaus bekannt. Diese vielen Besucher zu verköstigen schafft nur eine starke Vereinsgemeinschaft, die mittlerweile die Burschenschaft unterstützt.
Unter der Regie von Ortvorsteher bzw. Ortsvorsteherin organisiert sich die Vereinsgemeinschaft seit vielen Jahren und veranstaltet Regelmäßig ein 2 – tägiges Backhausfest / Dorffest auf „Laggels Hof“.
Der Oldieabend am Pfingstsonntag
Aber nicht nur im Feiern sind die Leidenhöfer Spitze, sondern auch landschaftlich hat Leidenhofen die Spitze des Ebsdorfergrunds. Mit 393m über n.N. hat man vom Leidenhöfer Kopf eine wunderbare Aussicht auf das Marburger Land. Von Leidenhofen aus braucht man eine gute halbe Stunde um den Leidenhöfer Kopf zu erwandern.

Außerdem führt der Ebsdorfergrund Rundwanderweg einige Kilometer durch die Leidenhöfer Gemarkung. Diese Touren kann ich nur jedem Naturfreund ans Herz legen. Denn die Natur ist die größte Sehenswürdigkeit in Leidenhofen und dem Ebsdorfergrund. Dies gilt es zu bewahren und möglichst naturschonend auch touristisch mehr zu vermarkten.

Im Jahr 2018 ist es 1000 Jahre her, dass Leidenhofen zum ersten mal urkundlich erwähnt wurde.
Dieses möchte die Dorfgemeinschaft zum Anlass nehmen um ein großes Fest auf die Beine zu stellen.

 

Bilder und Text: Horst Gombert, Ortsvorsteher
Quellen: Heimat und Kulturverein, LAGIS Hessen
 

 

 

 


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