Heskem-Mölln

– das Schul- und Sportzentrum im Grund – 840 Einwohner – ca. 840 Schülerinnen und Schüler

 

Um 1970

Um 1970

Aus der Geschichte

Heskem-Mölln liegt geografisch und verkehrstechnisch im Zentrum des Ebsdorfer Grundes.

Die Feldgemarkung von ca. 700 ha mit meist sehr fruchtbaren Böden bot schon in historischer Zeit beste Voraussetzungen für Besiedlung und  landwirtschaftliche Nutzung.

Zwischen 760 und 780 n. Chr. wird Heskem im Fuldaer Urkundenbuch als „Heistingenheim“ erstmals erwähnt. Funde bei Ausgrabungen (Steinhammer) lassen allerdings darauf schließen, dass schon sehr viel früher in der Steinzeit (3000-1800 v. Chr.) Menschen hier siedelten.

Die Namensgebung von Heskem soll auf Hassiko, dem Sohn eines sächsischen Adeligen  beruhen, der im Kloster Hachborn Zuflucht gefunden hatte.

Im Hessischen Historischen Ortslexikon werden die Heskemer und Möllner Ahnentafeln wie folgt genannt:

850 Heistingenheim                   1151 de Muleno

1189 Hestenchem                        1200 Mulinnen

1265 Heistingkeim                       1236 Mulen

1577 Heistikum                            1467 Molen

1747 Heskem                                1500 Moelln

Moelln wird erstmals 1151 urkundlich erwähnt. Brunnward von Muleno war Burgmann zu Amöneburg und besaß Güter in Moelln und Dreihausen. An die Existenz eines Klosters und einer Kapelle erinnern die Aufzeichnungen, die berichten, dass die Patres in der Behausung des Gotthard Maurers wohnten.
Die Kapelle wurde 1540 nach Ebsdorf verkauft. Die Möllner- Mühle- einer der wohl ältesten Mühlen in unserer Gegend- gehörte wohl auch zum Kloster.

Die Ortsbezeichnung „Hopfengarten“ ist ein deutlicher Hinweis auf das ehemalige Kloster.

Seit dem 14./15.Jahrhundert bildeten Heskem und Mölln eine politische Gemeinde. Streitigkeiten waren dabei schon vorprogrammiert, da sich der kleinere Partner häufig benachteiligt wähnte (gemeinsame Nutzung von Gerät, Brunnen, Wege) und im Gemeinderat nicht oder nur schwach vertreten war. Im Jahr 1835 gipfelten die Probleme und Mölln  bekam einen Nebenbürgermeister.

Es war Johann Heinrich Emmerich; ein im Gemeinwesen erfahrener Mann. Mölln wurde aber letztendlich nicht selbständig.

Möllner Mühle mit der Müllersfamilie Hemer im Jahr 1916

Möllner Mühle mit der Müllersfamilie Hemer im Jahr 1916

Bis 1858 gehörten die fast ausschließlich evangelischen Bürger von Heskem und Mölln zum Kirchspiel Ebsdorf.  Danach bildeten Heskem, Mölln, Dreihausen und Roßberg ein eigenes Kirchspiel. Erster Pfarrer dieses neuen Kirchspieles war Pfarrer Schedtler. Dieser war vorher als Pfarrgehilfe in Ebsdorf tätig gewesen.

1872 wurden die neuen Preußischen Schul- und Kirchengesetze eingeführt. Da sich Pfarrer Schedtler der Obrigkeit widersetzte, und diese Gesetze nicht anerkannte, bildeten sich in den Orten zwei evangelische Kirchengemeinden. In 1888 baute die Selbständig-Evangelische Kirche ein zweites Gotteshaus. Es bildete sich damals ein großer Riss durch unseren Ort, der heute fast vernarbt ist.

Die Kirche in Heskem , mit ihrem Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, bekam im Jahr 1923 ein neues Kirchenschiff.

Die Heskemer Kirche als Tochterkirche von Ebsdorf erbaut, sollte mit ihrem Turm und den Wehrmauern in den häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen des Mittelalters den Bewohnern Zuflucht und Schutz bieten. Die Lage des Ortes an den  „langen Hessen“, der Heerstraße von Frankfurt Richtung Thüringen, stellte eine permanente Gefahr von durchziehenden marodierenden Truppen dar. Insbesondere in den Kämpfen des 30-jährigen Krieges waren es sowohl die „Kaiserlichen“, als auch Schwedische Truppen, welche die unmittelbar an den „langen Hessen“ gelegenen Ortschaften heimsuchten.

Der Heskemer Teich im Teichfeld (heute Naturschutzgebiet „die Teichwiesen“ an der Straße nach Moischt) hatte um 1500 eine Größe von ca. 25 ha . Es ist überliefert, dass in 1744 160 Zentner Karpfen und 18 Zentner Hechte gefangen wurden. Die Bauern mussten die Fische an den kurfürstlichen Hof nach Kassel fahren. Trockengelegt wurde der Teich im Jahr 1787.

Neben Kriegswirren und Seuchen waren Brandkatastrophen in dieser Zeit besonders gefürchtet. In 1665 gab es einen Großbrand und am 13.10.1689 brannten 20 Häuser und Scheunen in Heskem ab. Das halbe Dorf fiel den Flammen zum Opfer. In Mölln fielen im Jahr 1836 auf vier im Ortskern gelegenen Höfen die Wirtschaftsgebäude und  3 Wohnhäuser einem Großfeuer zum Opfer.

1866 wurde der Ebsdorfergrund, der vorher kurhessisch war, preußisch. Aus Angst nun zum preußischen Militär eingezogen zu werden, versteckten sich einige junge Männer aus den Gemeinden im Ebsdorfer Grund und flohen über die Anhöhen ins „Darmstädtische“ heute Allendorf/Lda. und Rabenau. Dem Militärdienst in Preußen ging kein guter Ruf voraus.

Das vermutlich älteste Wohnhaus in Heskem steht im Bogenweg 16  (erbaut um 1630; Baste – früher Haus-Nr.1), die ältesten Gebäude in Mölln sind die Mühle (erbaut 1685 ; Mellersch – Mühlenweg 6a) und das Wohnhaus von Heinrich Mink III (erbaut 1685) , dessen Wirtschaftsgebäude bei einem Brand in 1956 vernichtet wurden (Möllner Weg 29).

Ein Teil des Wohnhauses Gießenerstraße 4 (W. Wege), ein Ständerbau aus dem 16. Jahrhundert, wurde in den 70-er Jahren abgebaut und im Hessenpark in Neu- Anspach als Haus Heskem wieder errichtet.

Heskem-Mölln im 20. u. 21. Jahrhundert

Das Dorf wurde bis Mitte der 50-er Jahre geprägt  von einer rein landwirtschaftlichen und handwerklichen Erwerbs- und Sozialstruktur. Landwirtschaftliche Mittel- u. Kleinbetriebe sowie kleine Handwerks-u. Gewerbebetriebe bildeten die Grundlage des dörflichen Wirtschaftslebens. In Heskem und Mölln gab es nur wenige Häuser, in denen keine Kuh, kein Schwein oder zumindest Ziege oder Kleinvieh gehalten wurde. Es war  die Zeit, in der heimische Tierzüchter  große Erfolge und Auszeichnungen gewannen.

Folgende Handwerks- u. Gewerbebetriebe gab es 1955: 2 Schreiner,  2 Anstreicher, 2 Schmiede, 1 Stellmacher, 4 Gaststätten, 1 Baugeschäft, 3 Gemischtwarenläden,
4 Hausmetzger, 2 Zimmerer, 1 Bankfiliale, 2 Poststellen, 1 Warenlager für landwirtschaftlichen Bedarf, 1 Hersteller von Betonwaren , Verkaufsraum für Fleisch und Wurstwaren des Wittelsberger Metzgers, 1 Schuhmacher, 3 Schneider /in, 2 Trachtennäherinnen.

Im Jahr 2014 gibt es bzw. sind geblieben: 1 Gaststätte, 1 Schlosserei mit Tankstelle, 1 Frisör, 1 Klinik für Kleintiere, 1 Autohaus, 2 Elektrobetriebe, 1 Agentur für Pflege u. Betreuung, 1 Kosmetikstudio, 1 Händler u. Werkstatt für Landmaschinen, 1 Warenlager für landwirtschaftlichen Bedarf mit Getreideschleuse, 1Reifenhändler, 1 Gerüstbauer, 2 Biogasanlagen, 1 Hebamme, Gesellschaft für Kernspektrometrie, 1 Fahrschule und den Servicehof der Gemeinde.

Die folgenden Daten geben einen Überblick über Ereignisse und Infrastrukturmaßnahmen von besonderer Bedeutung für Heskem- Mölln:

Mühlenhof

Mühlenhof

1885- 1895:   Flurbereinigung (Verkopplung)

1905:               Eröffnung der Kreisbahn

1907- 1908:    Wasserleitung in Heskem wird gebaut

1909:               Wasserleitung in Mölln

1919                Elektrischer Strom kommt nach Heskem und Mölln

1956                Kreisbahn stellt Personenverkehr ein; Güterverkehr in 1972

1959               Anschluss des Wassernetzes an die Mittelhessischen Wasserwerke

1962               MPS Ebsdorfergrund

1970               Bau der Abwasserkanalisation

1972               „kleine“ Großgemeinde

1973               MPS wird Gesamtschule – Kontinuierlicher Ausbau und Erweiterung der Schule

ab 1989:        Bau einer Großturnhalle, Anlage eines Außensportgeländes

Möllner Bushaltestelle mit Glockenturm1974               Großgemeinde Ebsdorfergrund

1975               Bau des Hallenbades (Grundbad)

1981               Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses (Eigenleistung)

1981/82         Bau der Grillhütte mit Grillplatz in Mölln durch den VVM

1981               Bau der Friedhofskapelle (Eigenleistung)

1984               Bau eines Sportheimes (Eigenleistung)

1984/86         Bau der Westumgehung Heskem

1991               Umgestaltung der Bushaltestelle und Errichtung
eines Wartehäuschens mit Glockentürmchen durch den VVM in Mölln

1991/92         Beginn der Dorferneuerung in Heskem und Mölln

2001               850- Jahre Mölln

2002               Ausbau der Grillhütte Mölln (VVM)

2014               Endausbau Kreisverkehrsplatz

Die voranstehende chronologische Auflistung einer Vielzahl von wichtigen Ereignissen darf darüber hinaus nicht vergessen machen, dass auch in den letzten 3 Jahrzehnten ein kontinuierlicher Ausbau, Erweiterung und Erhaltung aller Infrastruktur in unserem Dorf stattfand. Dazu gehören DGH, Feuerwehrhaus, Wasser- und Abwasseranlagen, Straßen, Gehwege, Festplatz, Friedhof, Spielplätze, Straßenbeleuchtung, Hochwasserschutz, Renaturierung von Bächen, Kommunikationsverbindungen, etc.. Eine mehr ins Detail gehende Auflistung würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen.

Fest steht allerdings, dass die Großgemeinde viele Millionen in die Daseinsvorsorge unseres Dorfes investiert hat und dabei häufig auf Hilfe durch Eigenleistung der Bürger/Innen zählen konnte.

Zurzeit sind ca. 840 Menschen mit Hauptwohnsitz in Heskem- Mölln gemeldet. Die bauliche Erweiterung in Heskem erfolgte in erster Linie durch die Neubaugebiete „Auf dem Brunkel“ ab 1985 und Hohmannsweg ab 1999, in Mölln durch die Bebauung „ Zu den Eichwiesen“.

Momentan werden Neubauten in vorhandenen Baulücken erstellt. Der ständig zunehmende Durchgangsverkehr  auf der sehr engen Ortsdurchfahrt (Heskemerstraße u. Gießenerstraße) stellt nicht nur eine ständige Gefahr für Fußgänger dar, sondern mindert die Lebensqualität der Anwohner und schädigt die Bausubstanz.

Nur die in Planung befindliche Nordumgehung kann für die Menschen im Ortskern Heskem die dringend notwendige Entlastung bringen.
Alle Gremien der Großgemeinde setzen sich vorbehaltlos dafür ein. Die Heskem- Möllner Bürger sind dafür dankbar.

Heskem- Mölln hat sich mit dem Ausbau der Gesamtschule und dem Bau des Grundbades zu dem Schul- und Sportzentrum im Ebsdorfergrund entwickelt.

Zahlreiche Vereine, Sport- und Schulgruppen  vom Kleinkind bis zum Senior nutzen regelmäßig die Sportstätten in den verschiedensten Sportarten zur Ertüchtigung von Körper und Seele.

Text: Bruno Weimer, Ortsvorsteher
von Heskem-Mölln

 

Quellen:
– Johannes Ermentraudt in Festschrift 100 Jahre Gesangverein Concordia Heskem 1993
– Anni u. Konrad Hemer   in Festschrift   90 Jahre Gesangverein Concordia Heskem 1983
– Veröffentlichung der Gemeinde Heskem    Heskem 1970
– Wolfgang Vits  Einblicke in eine lange Geschichte Die Entwicklung des Schulwesens, Zum 30-jährigen Bestehen der Gemeinde Ebsdorfergrund im Jahre 2004
– Bilder: Gemeindeverwaltung Ebsdorfergrund, Johannes Ermentraudt, Anni und Konrad Hemer, Bildarchiv: Foto Marburg- mit Genehmigung

 

 

 

 

 


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