Hachborn

Hachborn

Eingebettet zwischen dem Amöneburger Becken und dem Lahntal liegt in einem fruchtbaren Tal, dem „Ebsdorfer Grund“, das alte Klosterdorf Hachborn (1130) mit seinen ehemaligen Ortsteilen Sandmühle (1375), Straßmühle (1534), Goldmühle (1534) und dem Hof Fortbach (1375). (Urkundliche Ersterwähnung in Klammern). Neben den derzeitigen Wohnplätzen existierten in der heutigen Gemarkung die wüst gewordenen Siedlungsplätze Guntershausen als „Guershusin“ bis 1288, Ibinrode als „Ybinrade“ bis 1380, Michelbach bis 1374, und Rodebach bis 1374.

Die Hachborner Gemarkung grenzt an Ebsdorf, Leidenhofen, Allendorf/Lda., Ilschhausen, Staufenberg, Hassenhausen, Erbenhausen, Bellnhausen und Wolfshausen. Die Zwester-Ohm, ein teilweise renaturierter Bach mit Naturschutzgebiet, durchläuft auf 3 km die ca. 980 ha große Gemarkung Hachborns. Es bietet „Heck“-Rindern (Rückzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen) natürlichen Lebensraum.

Begünstigt durch die Lage an Jahrtausende alten Fernwegen, über die schon frühzeitliche Völker zogen, haben sich Menschen im Gebiet der heutigen Hachborner Gemarkung wohl schon seit der Steinzeit aufgehalten oder niedergelassen, wie lokale Funde bezeugen. Im Hachborner Heiligenwald zeugen zudem zahlreiche Hügelgräber von einer Anwesenheit unserer Vorfahren in der Bronzezeit.

PanoramaDer Ortskern liegt auf ca. 200 m Höhe. Er wird umrahmt und geschützt von den bis 300 m hohen Höhenzügen „Lahnberge“ im Nordwesten, sowie dem zwischen Lahn und Ohm südlich verlaufenden bis 400 m hohen „Oberwald“, die für ein mildes Klima und sonnenreiches Wetter förderlich sind und damit die Bezeichnungen des Ebsdorfergrundes als „Sonnenscheingemeinde“ rechtfertigen.

Der Oberwald diente auch als natürliche Grenze zwischen dem südlichen ehemals römischen Machtbereich „Wetterau“ und dem nördlich gelegenen „Chattenland“. Die Chatten sind ein germanischer Volksstamm.

DorfbrunnenDer weltweit einmalige Ortsname „Hachborn“ (seit 1442) leitet sich ab von Born (Brunnen/Quelle) in der Ach(e) für nasse Stelle, bzw. lautsprachlich von Habch, der Habicht, also der Habichtsborn. Erstmals wird Hachborn um 1130 als „HABECHENBRUNNUN“ und 1151 als „HABEKEBRUNNIN“ urkundlich erwähnt.

1186 schenkten die Brüder Giso und Hartrad von Merenberg als Erbnachfolger der ehemaligen Gleiberger Dorf-Grundherren ihren Besitz in Hachborn „HAWEGENBRUNNEN“ an das Kloster Arnstein / Lahn als Mutterkloster zum Zweck einer Klostergründung.

1189 wurde dann das Kloster „HAVECHEBURNEN“ zur Klostergründung mit weiteren Schenkungen ausgestattet.

Bis 1375 bestand es als Doppelkloster für Mönche und Nonnen.

Gegen weltliche Einflüsse wurde 1370 eine Order erlassen, nach der die Hachborner Nonnen keinen Schmuck tragen durften, keinen Umgang mit Männern haben durften und die Hachborner Kirmes nicht besucht werden durfte.

Das Kloster Hachborn unterstand dem Erzbistum Mainz, während das Dorf Hachborn zum landesherrschaftlichen Machtbereich gehörte.

1527 wurde das Prämonstratenser-Nonnenkloster/Stift nach insgesamt 338 Jahren im Zuge der Reformation aufgelöst. Nach der Auflösung wurden die Klostergüter samt Vorwerk Fortbach und der Sandmühle verpachtet.

KlostermauerDie Hachborner Klostergebäude wurden durch die Familien von Scheuernschloss und von Baumbach zum Schloss umgebaut. 1789 erfolgte die Aufteilung und Abgabe der Kloster-Ländereien an 34 Hachborner Einwohner. Heute erinnern neben der Kirche mit Kirchhofsmauer nur noch der Klosterkeller und Reste der ehemals bis ca. 3,50 m hohen, abgetragenen Klostermauer an sechs Stellen im Ort an das Kloster.

In der Kirche ist ein Stifterbild von Johann von Scheuernschloss zu finden. Das Holzbild stammt aus dem Jahre 1569. Es hat eine Höhe von 1,50 m und eine Breite von 2,15 m. An Johann von Scheuernschloss erinnert folgendes Gedicht (auszugsweise)

Den Hügel zu Hachborn
umwogt ein Meer von Korn.
Da zeigt noch eine Mauerwand
die Stelle, wo das Kloster stand,
das Kloster von Hachborn.

Doch nicht die Wand allein
soll hier der Zeuge sein.
Ein Kellerbogen ruft noch laut:
Hier, Wanderer, hereingeschaut,
hier war viel Raum für Wein.

Nach dem dreißigjährigen Krieg war Hachborn nur noch von wenigen Menschen besiedelt.
Im Friedensvertrag zu Münster und Osnabrück 1648 wird Hachborn erwähnt, da es nicht wie geplant Hessen-Darmstadt, sondern Hessen-Kassel zugesprochen wurde. 1657 fährt erstmals eine Postkutsche für Personen- und Gepäcktransport auf der Strecke Kassel – Frankfurt über Hachborn.

Ab 1807 unterstand Hachborn dem Kanton Ebsdorf im napoleonischen Königreich Westphalen, das nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und der Flucht von König Jérôme zusammenbrach. Hachborn wurde nach dem Wiener Kongress 1815 kurhessisch und 1821 in den neuen Landkreis Marburg eingegliedert.
1866 wurde Hachborn durch Preußen besetzt und gehörte bis 1944 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und folgend bis 1945 zur Provinz Kurhessen.
KircheDer Wandel im Erwerbsleben der Menschen in den letzten Jahren ist auch in Hachborn gewaltig gewesen. Während bis dahin eine kleinbäuerliche Struktur mit einzelnen Handwerksbetrieben bestand, konnten die landwirtschaftlichen Betriebe durch die Rodung eines großen Teiles des „Hegewaldes“ ihre Flächen vergrößern. Ab 1871 wurde der Wald systematisch in Ackerland umgewandelt. In „preußischer“ Zeit wurde viel Eichenholz zum Gruben- und Eisenbahnbau benötigt. Auch das Fachwerk des Schulgebäudes wurde mit Holz aus dem Hegewald errichtet.
Heute beträgt die Waldfläche ca. 215 ha (davon ca. 167 ha Interessentenwald mit ca. 40 Eigentümern, Privatwald ca. 35 ha und Staatswald ca. 13 ha).
Anfang der 1950er Jahre wurde in Hachborn eine Flurbereinigung mit ausgedehntem Feldwegebau durchgeführt.
Die Landwirtschaft wurde nach dem 2. Weltkrieg noch mehr ausgebaut und intensiviert. So gab es damals über 60 Milchlieferanten mit 8 Milchbänken im Ort. Die letzte Milch aus Hachborn wurde 2014 von dem Betrieb Straßmühle geliefert.
Durch den gesellschaftlichen Strukturwandel und den Einsatz moderner Landtechnik sind nur noch wenige Menschen in der Landwirtschaft tätig.

 

Hier einige Meilensteine in der Entwicklung der selbstständigen Gemeinde Hachborn:

– Endausbau der Ortskanalisation (1968)
– Schaffung eines Gewerbegebietes (1970)
(auf dem sich zunächst die Firma Kolektra niederließ;
zurzeit sind die Firmen Print Service und Deuker-Event-Management angesiedelt)
– Bau des Ludwig-Harms Hauses durch die Ev. Kirchengemeinde (1960)
– Bau und Erweiterung eines Bürgerhauses (1964,1986/87)
– Bau eines Kindergartens mit damals zwei Gruppen (1966)
– Erweiterung Grundschule Hachborn (1957, erbaut 1878 – 1879), seit 2013 Sonnenschule Hachborn
– Bau einer Kläranlage (1960)
– Planung und Bau einer Umgehungsstraße (Eröffnung 1975)

1972 beschloss die Gemeindevertretung der selbstständigen Gemeinde Hachborn, sich nicht der „kleinen Großgemeinde“ (Dreihausen, Heskem-Mölln, Roßberg, Wermertshausen und Wittelsberg) anzuschließen. Mit der Gebietsreform wurde dann die seit 1834 bestehende selbstständige Gemeinde Hachborn nach 140 Jahren 1974 als Ortsteil in die Großgemeinde „Ebsdorfergrund“ eingebunden.

Museum und Barthels Dorfschmiede

Einen Einblick in die interessante Dorfgeschichte liefern auch das Heimatmuseum in der Schule und die alte „Barthels-Dorfschmiede“. Das Heimatmuseum wurde im Jahr 2000 vom Heimatverein Hachborn und Ilschhausen eingerichtet und anlässlich der 850-Jahr-Feier 2001 eingeweiht. Das Heimatmuseum ist jeden 1. Sonntag im Monat von 13:00 Uhr – 18:00 Uhr geöffnet. Geführt wird das Museum von Elisabeth und Kurt Lemmer (Tel. 06424-2987). Sie bieten nach Vereinbarung auch spezielle Führungen an.

Der Ortsteil Hachborn entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Bestandteil der Großgemeinde Ebsdorfergrund.
Die Einwohner fühlen sich als Bürger der Gemeinde Ebsdorfergrund.
Dies symbolisierte auch die Feier zum 850 jährigen Bestehens, die in einer Festwoche vom 10. – 20. August 2001 begangen wurde.

Ortsvorsteher des Ortsteils Hachborn der Gemeinde Ebsdorfergrund:

Ortseingang Hachborn– Georg Oppermann (1974 -1977)
– Konrad Wallon (1977 -1985)
– Heinrich Rabenau (1985 -1993)
– Herbert Wallon (1993 -1998)
– Gotthard Bender (1998 – 2008)
– Marco Oppermann (2008 – 2013)
– Jürgen Schäfer (2013 – heute)

Höhepunkt der Dorfentwicklung im Ortsteil Hachborn war die Teilnahme am Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen.

Nach der Überreichung des Bewilligungsbescheides im Jahr 2000 wurden in vielen Arbeitskreissitzungen folgende Projekte beschlossen:

– Gestaltung des Schulhofes
– Arbeiten am alten Friedhof
– Gestaltung des Platzes „Am Nußbaum“
– Umfeldgestaltung des Dorfbrunnens
– Ausbau des Bürgerhauses zu einem Bürgerzentrum

Schwerpunkt war der Ausbau des Bürgerhauses zu einem Bürgerzentrum.
Gleichzeitig wurden der Kindergarten sowie das Ludwig Harms Haus in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche erneuert und ausgebaut.

Auf kommunaler Ebene wurden insgesamt 21 Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 1,05 Millionen realisiert, wovon der Ortsteil Hachborn 721000 Euro als Zuschuss erhielt.

In 59 private Projekte flossen bei einem Investitionsvolumen von 2,5 Millionen Euro 455000 Euro Zuschuss.

Eine weitere Verbesserung der Infrastruktur wurde durch die Erneuerung einiger Straßen (Klosterstraße, Bachstraße, etc.) erreicht.
Nach Schätzungen des Bürgermeisters wurden in den vergangenen 15 Jahren rd. 10 Mio. Euro in Hachborn
(incl. Dorferneuerung) in die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur investiert. Hierzu gehört auch die Ausweisung eines Baugebietes „In der Struth“.

Immer mehr Menschen schätzen den westlichsten Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund auch wegen seiner Infrastruktur und geografisch-zentralen Lage (Marburg 15 km, Kirchhain 20, Gießen 20, Gladenbach 20) nicht nur als ruhigen Wohnort, sondern als attraktiven Lebensmittelpunkt mit schnellen Anbindungen an die Fernstraßen B3a/A485 (5 km) oder die nächstgelegene DB-Station Fronhausen (7 km).

Hierzu bestehen, wie auch nach Marburg oder z.B. zum Schwimmbad Heskem, gute ÖPNV-Verbindungen mit Bus und AST.

Ein qualitativ gutes Angebot von Handel und Gewerbe erfüllt die wichtigsten Bedürfnisse der ca. 1200 Einwohner.

Direkt vor Ort sind in Hachborn zu finden:
Bürgerbüro der Gemeindeverwaltung Ebsdorfergrund, VR-Bankautomat, Kindergarten, Grundschule, Spielplatz, Bolzplatz, Allgemeinärztliche Gemeinschaftspraxis, Privatarztpraxis, Tierarztpraxen, Psychologische Praxis, Lebensberatungsstelle, Fußpflegepraxis, Aldi-Markt, Rewe- Getränkemarkt mit Minifood, Kiosk mit Schreibwaren und Lotto, Speisegaststätte, WohnGut mit Café, Bio-Brotbäckerei,
Versicherungsbüro, Frisörsalon, Futtermittelhandel, Landschaftsbau, Heizungsbau, Handarbeitsladen, DHL-Paketshop, Angelbedarf, Sonnenschutzbedarf, Schreinereien, Bestattungsinstitut, Sägewerk, Kfz.-Werkstatt, Elektriker, Landmaschinen, Brennholzhandel, Malergeschäft, Werkzeughandel, Dachdecker, Recyclingfirma.
Bedienung durch Verkaufswagen von Bäckereien, Fleischhandel, Getränkelieferanten und Partyservice.

Vereine und Clubs bieten nahezu für jeden vielfältige Möglichkeiten, sich einzubringen und somit auf eine angenehme Art im Ortsteil Hachborn neue Freunde zu finden und heimisch zu werden.
„Neu-Hachborner“ sind gern gesehene Gäste bei Veranstaltungen, Vereinsabenden, Übungs- und Unterrichtsstunden und können sich unverbindlich über das Vereinsleben in Hachborn informieren.

Hachborner Vereine:
Burschen- und Mädchenschaft „Klostererben“ Hachborn
Freiwillige Feuerwehr Hachborn
Gesangverein „Liederkranz 1876“ Hachborn
Gymnastikgruppe
Hachborner Sportverein e.V.
Heimatverein Hachborn & Ilschhausen e.V.
Jugendclub Hachborn
Motorradclub Hachborn e.V.
Rassegeflügelzuchtverein Hachborn und Umgebung
Sozialverband VDK – Ortsverband Hachborn
SPD Ortsverein Hachborn

Zu den traditionellen Veranstaltungen der Vereine gehören neben der Hühnerkirmes des Rassegeflügelzuchtvereins, der Blaulicht-Party der Feuerwehr, dem Pizzafest des Gesangvereins, der Maifeier der Burschen-und Mädchenschaft auch das MC-Treffen und das „Wutzdog“-Fest auf dem „Wäschborn“.
Wichtige Bestandteile des Vereinslebens sind der Autofreie Sonntag im September und der Kunst- und Kulturmarkt in Verbindung mit dem Weihnachtsmarkt am 3. Advent. Diese Veranstaltungen werden gemeinsam durch die Vereine mit jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung veranstaltet. Der Autofreie Sonntag ist eine Veranstaltung der Gemeinden Ebsdorfergrund und Fronhausen. Die Hachborner Vereine betreiben einen Verpflegungsstand an der Straßmühle.

Am 13./14. Dezember 2014 fand der 12. Kunst-und Kulturmarkt in Kombination mit dem Weihnachtsmarkt statt.

Veranstalter des Kunst- und Kulturmarktes ist die Gemeinde Ebsdorfergrund.

Federführend für den Weihnachtsmarkt sind die Vereine des Ortsteils Hachborn.

Dank der großen Unterstützung durch die Gemeinde entwickelte sich der Weihnachtsmarkt zur bedeutendsten Veranstaltung der Hachborner Vereine. Er zählt zu den größten und attraktivsten Weihnachtsmärkten Mittelhessens.

Bearbeitet von:
Karl Müller, Heinrich Rabenau, Karl-Ernst Rotter, Jürgen Schäfer, Wilfried Schäfer
Fotos:
Karl-Ernst Rotter, Jürgen Schäfer, Wilfried Schäfer
Gedicht aus der Festschrift Gesangverein Hachborn (1954)

 


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