Dreihausen

Das größte Dorf der Gemeinde Ebsdorfergrund ist Dreihausen mit ca. 1550 Einwohnern.

Dreihausen

Es liegt südlich von Marburg, ist durch die Zwester Ohm geteilt und beheimatet unter anderem die Gemeindeverwaltung.

Dreihausen wurde erstmals im Jahre 1151 urkundlich erwähnt. Die Kopie der Urkunde gehört zum Bestand des heutigen Staatsarchivs Marburg und ist beglaubigt mit den Siegel des ,,Offizials “ des Probstes von St. Stephan in Mainz. In der Kopie wurde das heutige Dreihausen mit Hausen oder Husen benannt.
Die offizielle Erwähnung der Existenz ist die Regel, um im Mai 2001 ein für viele Dreihäuser unvergessenes 850 Jahrfest zu feiern.

DreihausenVor etwa 200 Jahren wurde der Name Dreihausen erstmals amtlicherseits aufgeführt, nachdem es vorher ,,Hausen und Hausen“, ,,Ober und Unterhausen“ hieß. „Mittelhausen“ wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt.
Archäologische Funde, die man nicht genau datieren kann, zählen nicht. Sie sind aber Quellen dafür, dass der Ort schon lange vor der Ersterwähnung bestand.

Einer dieser Funde sind ,,die Höfe“ etwa 1 km südlich von Dreihausen auf den Höhen im Wald gelegen.

Hier befindet sich eine frühmittelalterliche Befestigung, deren Grundmauern heute noch sehr gut zu besichtigen sind (Besichtigungen mit dem ADD). Aufgrund der Grabungsfunde bezeichnet man „die Höfe“ als karolingisch und datiert sie ins 8. bis 9. Jahrhundert.
Neben der landwirtschaftlichen Nutzung aufgrund der sehr fruchtbaren Böden gab und gibt es weitere wichtige Produkte, die das Dorf bis heute überregional bekannt machen.

 Dreihäuser Steinzeug

Vom Mittelalter bis ins Jahr 1925 war Dreihausen ein Töpferdorf, das durch seine Steinzeug-Produktion weit über die hessischen Grenzen hinaus bekannt war. Funde von Steinzeug beim Marburger Schloss und Stadtgebiet sowie auf Töpferhalden in Dreihausen gehen zurück bis um das Jahr 1250.
Im 14. Jahrhundert ist Dreihausen so bekannt, dass es in verschiedenen Urkunden auch ,,Eulerhausen “ genannt wird (Euler ist die alte Bezeichnung für Töpfer).

TöpfeDer Ton, aus dem das recht bruchfeste und wasserdichte Steinzeug hergestellt werden konnte, war in Dreihausen reichlich vorhanden. Eine Stelle, an dem der Ton abgebaut wurde, war ,,Am Tonberg“ (Doburg) neben dem heutigen Tonweg schräg unterhalb des Dreihäuser Friedhofs.

Im 19. Jahrhundert arbeiteten zwischen zwanzig und dreißig Töpfer in dem Dorf.
Mit der Barockzeit kamen im 17. Jahrhundert die berühmten ,,Ringelkrüge “ auf und das an sich schlichte Dreihäuser Steinzeug erlebte eine künstlerische Blüte.

Das Aufkommen von Glas, Porzellan und Emaille-Geschirr und der Mangel an gutem Steinzeugton sowie das Aufkommen der Basaltindustrie, brachten im 19. Jahrhundert den Niedergang des Dreihäuser ,,Töpferhandwerks “.

Im Jahre 1925 schloss der letzte Töpfer seine Werkstatt.

Die Dreihäuser Steinindustrie

Dreihausen war im 19. Jahrhundert ein recht armes Bauern- und Handwerksdorf, denn gegen Ende des Jahrhunderts wurde das Dreihäuser Steinzeug durch industriell gefertigte Produkte verdrängt. Doch dann erlebte Dreihausen eine Blütezeit und der hieß Basalt.

Wieder war es die besondere geologische Lage zum Vogelsberg, die zuvor den Ton für das Steinzeug lieferte und jetzt einen besonders guten Basalt.

Durch den Abbau des Basalts in den letzten 100 Jahren brachten es viele Bewohner zu höherem Wohlstand und die soziale Struktur des Dorfes veränderte sich noch mehr.
In dieser Blütezeit des Abbaus gab es einmal rund 200 Beschäftigte in vielen Steinbrüchen.

Der Basalt hat heute seine zentrale Bedeutung für Dreihausen verloren, ernährt aber immer noch einige
Familien.

GemeindeverwaltungIm Dorf besteht die Möglichkeit die vielen Zwecke, für die Basalt verbaut wurde, zu sehen.

Aus Basalt wurde der Sockel oder das Kellerwerk von Häusern errichtet, auf dem dann in Sandstein oder Fachwerk aufgebaut wurde. Aus Basalt wurde die Mauer des Friedhofs, Teile der Friedhofshalle und das Kriegerdenkmal angelegt. Des Weiteren wurde beim Bau beider Kirchen Basalt verwendet.

Die Landeskirche besteht aus ,,Lungstein“, einem Basalt mit Löchern oder Luftblasen. Für den Bau dieser Kirche in den Jahren 1855-1857 wurde der ,,Lungstein“ im ,,Gebrannten Berg “ gebrochen.
Die Kirche der Selbständigen evangelischen Gemeinde (SELK) hat einen Turm aus Basalt und im Inneren der Kirche dient eine natürlich gewachsene Basaltsäule als Kerzenständer. Der Bau dieser Kirche war in den Jahren 1875-1877.

Mit dem Bau der Marburger Kreisbahn im Jahre 1905 trat für Dreihausen ein entscheidender Wandel ein. Die Basaltindustrie nahm einen raschen Aufschwung, denn es bestanden keine Transport-Schwierigkeiten mehr. So entstanden im Laufe der Jahrzehnte viele kleine Steinbrüche, die hauptsächlich Pflaster, Mauersteine und Packlage lieferten.
Doch durch neue Baumaterialien hatten die Steinbrüche immer weniger Absatzmöglichkeiten und mussten nach und nach aufgeben. Von dem ehemals über 40 Betrieben ist die Firma Johannes Nickel GmbH & Co. KG der einzig verbliebene Steinbruch.

Höfe DreihausenHierfür musste die alte Turnhalle, eingeweiht in 1926, weichen, die damals in Rüddingshausen abgebaut und in Dreihausen wieder liebevoll aufgebaut wurde. Sie wurde 2005 abgerissen.

Bei den Kosten von ca. 2,4 Millionen Euro für den Bau und die Umfeldgestaltung beteiligte sich das Dorf mit über 125.000 Euro in Geld, Spenden und Eigenleistung an dem Bau.

Mit dem Bau des Bürgerzentrums und dem Anbau der Gemeindeverwaltung im Jahre 2009, änderte sich das Gesicht der Ortsmitte nachhaltig. Mit einer Mischung aus Neubauten (Neubaugebieten und Baulücken) und Fachwerkhäusern in den Altortslagen bietet Dreihausen ideale Wohn- und Lebensbedingungen.

Mit dem bevorstehenden Bau der Ortsumgehung für Heskem rückt auch Dreihausen noch ein Stück näher an die Verkehrsader L 3048 heran.
Seine Stellung als Standort für Handel, Handwerk und Gewerbe wird Dreihausen damit noch ausbauen.
Seit alters her ist Dreihausen ein Standort für Arbeit. Mit seinem Gewerbegebiet trägt Dreihausen zur Steuerkraft der Gemeinde bei.

Aber auch die vielen Geschäfte leisten ihren Beitrag zur GRUNDVersorgung.

Vor allem der neue Rewe-Markt sorgt für Attraktivität. Und das soll auch so bleiben, denn er soll noch erweitert werden.

Öffentliche Einrichtungen :
Gemeindeverwaltung Ebsdorfergrund
Grundschule
Kindergarten und Kinderkrippe
Filialen der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund eG und der Sparkasse
Bürgerzentrum: Ortsgericht, Schiedsamt, Bürgerhilfe, Leiter des Bürgerbüros, Standesamt
Feuerwehr
Jugendclub

Medizinische Versorgung :
eine allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis
eine Zahnarztpraxis
eine physiotherapeutische Krankengymnastik-Praxis
eine Heilpraktiker-Praxis
eine Apotheke
ein Optiker
ein Seniorenheim eine Demenzgruppe

Einzelhandel :
ein Supermarkt, ein Getränkemarkt, ein Bio-Fachmarkt
zwei Bäckerfilialen
eine Metzgerfiliale

WERK IIDie Vielzahl der o.g. Vereine sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich immer weniger Menschen in Vereinen engagieren.
Treffpunkte, neben den Vereinen, sind natürlich auch 4 Gastwirtschaften, von denen 2 einen Lieferservice anbieten.

Außerdem gibt es drei Backhäuser – in Ober-, Mittel- und Unterhausen, die heute noch genutzt werden.

Im Jahre 2010 wurde von der Firma Nickel, auf dem Gelände des abgerissenen Werk 2, oberhalb der selbständigen evangelischen Kirche ein Mehrzweckplatz erbaut. Der Platz dient als Ausgleich für den Jahrzehnte langen Basaltabbau von gemeindeeigenen Flächen und Feldwegen.

Im Jahre 2010/11 wurde der Mehrzweckplatz von der Firma Nickel an die Gemeinde Ebsdorfergrund übergeben. Neben der Nutzung als Trainings- oder Festgelände veranstaltete die Dreihäuser Vereinsgemeinschaft, in der viele Dreihäuser Vereine Mitglied sind, im Jahr 2011 mit großen Erfolg, das erste Dreihäuser „Old- und Youngtimer Festival“.

Ab diesen Zeitpunkt hatte das Gelände den Namen ,,WERK II“, wurde wieder überregional bekannt und ließ bis 2014 weitere Treffen folgen.

Text: Lothar Heidt, Ortsvorsteher
Bilder: Gemeinde Ebsdorfergrund, Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen e.V.
Quellen: Martin Hedderich
Schomber, Helmut (1997) : „Dreihäuser Steinzeug“ mit Illustrationen von Rainer Peil, Schomber Verlag
Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen e.V.: „In Dreihausen steht die Zeit nicht still“ (2001) und
„Die Höfe – dein Denkmal“ (2005) hrsg. von Irmgard Fees


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