Beltershausen-Frauenberg

Beltershausen

Dem Reisenden, der aus Marburg kommend die Lahnberge in Richtung Osten passiert hat, erschließt sich ein herrlicher Blick in den Ebsdorfergrund mit einem Großteil seiner wie an einer Perlenschnur aneinander gereihten Dörfer und in das Amöneburger Becken.

Luftbild Beltershausen

Direkt vor ihm liegt, ob über den Frauenberg oder die Hof Kapelle kommend, das Dorf „Beltershausen, für Beltershäuser der Mittelpunkt der Welt, die Heimat“! Wie Funde aus der Jungsteinzeit (4000-1800 v. Chr.) belegen, liegt diese Heimat in einem uralten Siedlungsraum, bis zur urkundlichen Ersterwähnung Beltershausens dauerte es allerdings bis zum Jahr 1151.

In der Urkunde wird beschrieben, wie „freie Menschen aus Beltershusin“ nach Jahre währendem Streit die Heraustrennung ihrer Gemeinde aus der Pfarrei Ebsdorf mit Hilfe höchster Instanz, nämlich des Domprobstes von Mainz durch setzten.

Am 24. August (dem Gedächtnistag des Heiligen Bartholomäus, dem Namensgeber der Beltershäuser Kirche)im Jahre 2001 wurde der 850. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung gebührend gefeiert. Ein Video von den Feierlichkeiten sowie eine in diesem Jahr erstellte Buchdokumentation über alle „Häuser und Höfe in Beltershausen“ ist gegen eine geringe Gebühr noch erhältlich.

Wegen seiner Lage abseits der damaligen Handelswege blieb das Dorf von den Folgen der Kriege des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit weitgehend verschont. Dies belegt eine im Jahr 1490 beginnende Statistik über die Einwohnerzahl des Dorfes.
Allerdings forderten die Weltkriege des vorigen Jahrhunderts auch in Beltershausen ihren Tribut an Menschenleben. Den 45 Gefallenen und Vermissten dieser Kriege wird auf einem im Jahr 1960 errichteten Denkmal auf dem alten Friedhof mitten im Dorf gedacht. Der alte Friedhof wird übrigens im kommenden Jahr im Zuge der Anbindung von Beltershausen-Frauenberg an den „Hugenotten- und Waldenserpfad“ zu einem wunderschönen „Garten des Wandels“ umgestaltet.

Heute wohnen in Beltershausen-Frauenberg etwa 1.050 Menschen. Nicht nur wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Universitätsstadt Marburg und der verbesserten Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr ist Beltershausen-Frauenberg, so die mittlerweile offizielle Bezeichnung, ein exponierter Wohnort, auch die vorhandenen kommunalen Einrichtungen in dem Dorf tragen dazu bei, dass sich frei werdende Wohnungen oder leerstehende Gebäude im alten Ortskern einer regen Nachfrage erfreuen.
So  gibt es  im Dorf neben einem modernen Kindergarten ein energetisch und technisch auf dem neuesten Stand befindliches Bürgerhaus und eine schöne Sportanlage.
Dank der Dorferneuerung des überwiegend aus Fachwerkhäusern bestehenden Ortskernes in den 80er Jahren ist Beltershausen zu einem der schönsten Dörfer in Hessen geworden. In den letzten Jahren wurden u. a. einige innerörtliche Straßen und das Kanalsystem aufwändig erneuert, die Wasserversorgung den gestiegenen Anforderungen angepasst, der Anschluss der Häuser an die Gasleitung und der Zugang zum schnellen Internet für alle Haushalte in den nächsten Monaten ermöglicht.
Die Planungen für die Erschließung eines neuen Baugebietes sind derzeit in vollem Gange und im Frühjahr 2015 kann voraussichtlich der Abverkauf der 27 neuen Bauplätze beginnen. Durch die gegenüber der Stadt Marburg erheblich niedrigeren Baulandpreise (unter 100,- €/qm) ist zu erwarten, dass die Nachfrage sehr groß sein wird.

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten.
Die Nähe zu Marburg mit den dortigen Einkaufsmöglichkeiten und der besseren medizinischen Versorgung hat dazu beigetragen, dass in dem Ort weder ein Laden noch eine Bäckerei, Metzgerei (nur stundenweise), Friseur oder Apotheke ansässig ist. Allerdings hat sich eine Kinderärztin in dem Ort niedergelassen.
War Beltershausen früher durch die Landwirtschaft und das Handwerk geprägt ist mittlerweile die Trennung von Wohnung und Arbeitsstätte wie fast überall auch für unser Dorf charakteristisch geworden.

Viele Neubürger fanden hier zwar eine günstige Siedlungsmöglichkeit, beruflich und auch gesellschaftlich sind sie aber oft noch der nahe gelegenen Stadt Marburg zuzuordnen. Dadurch bedingt wird auch das vor einigen Jahren noch den Grundstein der dörflichen Gemeinschaft bildende Vereinsleben in Mitleidenschaft gezogen und viele Traditionsvereine leiden, wie in anderen Ortsteilen auch, unter dem zunehmenden Mangel an Bereitschaft nicht nur der Neubürger, ihre Fähigkeiten und Ideen in die örtlichen Vereine einzubringen.

Frauenberg

Luftbild

Gut einen Kilometer westlich von Beltershausen erhebt sich bis auf 384 m Höhe der Basaltkegel des Frauenberges mit der Burgruine, einem herrlichen Aussichtspunkt, von dessen Plattform aus bei schönem Wetter eine Sicht bis zu 100 km, z.B. zum Großen Feldberg im Taunus möglich ist.

Erbaut wurde die dort früher befindliche Burg etwa 1252 von der Tochter der Heiligen Elisabeth, Sophie von Brabant.

Sie diente der Sicherstellung des hessischen Erbes aus der Gesamtmasse der Landgrafschaft Thüringen für Ihren Sohn Heinrich, auf die ebenfalls der Erzbischof von Mainz Anspruch erhob und die auch mit militärischen Auseinandersetzungen verbunden war. Die kleine Burg, genannt „Frauenberg“ sollte zudem den landgräflichen Besitz im Ebsdorfergrund gegen mainzische Ansprüche sichern und gleichzeitig den „Langen Hessen“, den Verbindungsweg zwischen den mainzischen Besitzungen und der Amöneburg durch das Zwester-Ohm-Tal kontrollieren.

Bereits 1489 war die Burg weitgehend verfallen (oder zerstört?), die letzten Bewohner sollen sie 1528 verlassen haben.

Fast 200 Jahre später wurde sie zum Steinbruch für die auf dem Frauenberg eintreffenden französischen Glaubensflüchtlinge, den Waldensern, die am 8. Juni 1687 in Marburg eintrafen und von der landgräflichen Verwaltung angewiesen wurden, am Fuße der Burg zu siedeln. Bei den Waldensern handelte es sich um französische reformierte Christen, denen im „Edikt von Nantes“ aus dem Jahr 1598 Glaubensfreiheit zugesichert worden war, welches aber 1685 von König Ludwig XIV aufgehoben wurde, und die auf der Flucht vor der einsetzenden Verfolgung waren.

Ihre Geschichte ist gerade in jüngster Zeit wegen der Anbindung von Beltershausen-Frauenberg an den „Hugenotten- und Waldenserpfad“ wieder aktuell.

Seit Jahrzehnten ist der Frauenberg nicht zuletzt wegen der Burgruine und der dort befindlichen Hotel- und Restaurantbetriebe ein beliebtes Touristenziel auf einem geschichtsträchtigen Boden.

Hof Capelle

Hof CapelleNachdem am 30. Juli 1233 Konrad von Marburg, der Beichtvater der Heiligen Elisabeth und ein umstrittener Ketzerrichter auf der Rückkehr von einem Hoftag König Heinrich VII nach

Marburg in der Nähe der heutigen Hof Kapelle ermordet worden war, baute der Deutsche Orden, der die Tochter der Heiligen Elisabeth, Sophie von Brabant in deren Auseinandersetzung mit dem Erzbischof von Mainz unterstützte, etwa 1255 über dem (vermuteten) Tatort ein Kapelle, die viele Jahrzehnte als Wallfahrtsort diente.

Auch diese verfiel im Laufe der Zeit und die letzten Teile wurden 1872 abgerissen. Heute kündet noch ein Gedenkstein, der im Garten des unteren der beiden auf der Hof Kapelle ansässigen Bauernhöfe (Innerschte) steht, von dem fast 800 Jahre zurückliegenden Verbrechen.

Beltershausen-Frauenberg ist wegen der Schönheit des Dorfes und der umgebenden Natur, der touristischen Attraktion und nicht zuletzt wegen der ausgeprägten Gastronomie in Beltershausen (Gaststätte Debelius und Kegelbahngaststätte im Bürgerhaus) und auf dem Frauenberg (Hotels und Restaurants „Zur Burgruine“ und „Seebode“) einen Besuch wert! 

 

 

 

 

 


Zurück zur Startseite