Deutschlandweit einzigartig: Das Flugzeugwrackmuseum in Ebsdorf

Montag, 06. Dezember 2010

Wer etwas Außergewöhnliches sehen und erleben will, der braucht manchmal gar nicht so weit zu fahren. Denn hier bei uns im Ebsdorfergrund im Ortsteil Ebsdorf gibt es etwas wirklich Besonderes, – das bundesweit in dieser Art einzigartige Flugzeugwrackmuseum der Initiative Fliegerschicksale in Hessen e.V., in dem Teile der bekanntesten Flugzeugmuster des Zweiten Weltkrieges ausgestellt sind.

Die Sammlung von Flugzeugwrackfunden aus dem Zweiten Weltkrieg, die überwiegend aus den Landkreisen Gießen und Marburg stammen, wurden bei Bergungen von vermissten Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg oder im Rahmen der Identifizierung von Absturzstellen zusammengetragen.

Doch nicht nur allein die einzigartige Ausstellung an geborgenen Flugzeugwracks macht die Besonderheit dieses Museums aus. Es ist auch die etwas eigenartige, teils bewegende Atmosphäre, die bei den Besuchern Wirkung zeigt.

Manch einer, der die vergangenen Kriegserlebnisse in Büchern nachgelesen hat, wird hier im Museum unmittelbar realitätsnah mit dem damaligen Kriegsgeschehen konfrontiert. Verschiedene größere und kleinere Teile wie Motorblöcke, Propeller, selbst die Motorhaube einer Messerschmitt 109 können bestaunt werden. Insgesamt befinden sich in dem Museum über 10.000 Exponate.

Neben den technischen Ausstellungsstücken gibt es aber auch die viele persönliche Gegenstände und Fotos der abgestürzten Piloten zu sehen, welche die Schicksale einzelner dokumentieren und damit dem Besucher die Vergangenheit und deren Menschen mit ihren persönlichen Schicksalen ein Stück näherbringen.

Betrieben wird das Flugzeugwrackmuseum, das 2008 eröffnet wurde, von den Mitgliedern des Vereins Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V., die das Gebäude in der Hauptstraße 31c  in Ebsdorf auf eigene Kosten renoviert und eingerichtet haben.

Initiative Fliegerschicksale in Hessen e.V., – Das sind Mirko Mank, Jörg Merlau, Andreas Dort, Frank Häuser, Swen Richert und Stefan Kipper. Sie alle verbindet nicht nur die Leidenschaft für die Faszination alter Flugzeuge, sondern die Mitglieder nehmen zum Teil
auch aktiv bis in die heutige Zeit an den Bergungen teil.
Neben der Spurensuche nach abgestürzten Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, um diese dokumentarisch aufzuarbeiten, ist es das Ziel der fünf Vereinsmitglieder, die bis heute noch vermissten Besatzungsmitglieder der damaligen Maschinen aufzufinden, damit deren sterbliche Überreste in Würde bestattet werden können.

„Durch die Identifizierung der verunglückten Piloten bekommen die Angehörigen Gewissheit und können mit der Vergangenheit abschließen“, sagte Mirko Mank und fügte hinzu: „Das ist ein befriedigendes Erlebnis für alle Beteiligten.“

Zum Teil seit 30 Jahren widmen sich die Mitglieder der Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. der Aufklärung von alliierten und deutschen Fliegerschicksalen im Zweiten Weltkrieg in Hessen, wobei eine enge Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Kampfmittelräumdienst Hessen, der Polizei, den THW´s Grünberg und Marburg, als auch den kommunalen Ordnungsbehörden und der Bundesimmobilienverwaltung besteht. 
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit bezieht sich auf die Landkreise Gießen und Marburg, sowie den Flugplatz Giessen mit den untergeordneten Fliegerhorsten Bracht, Ettingshausen, Kirtorf und Kirchgöns.

„Wir haben fast alles, was sich in dem Museum befindet, selbst ausgegraben“, erklärte Andreas Dort. „Es gibt auch sehr viele Exponate hier, die uns von Besuchern, Zeitzeugen und den Angehörigen der dokumentierten Piloten dauerhaft für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden“, so Dort weiter. „Viele Spender von Exponaten sind froh, dass die Gegenstände nun an einem mehr als geeigneten Ort für die Nachwelt aufgehoben werden und nicht weggeworfen oder verkauft werden.“
Im Laufe der Jahre konnten über 260 Absturzstellen lokalisiert und 8 alliierte und deutsche Flieger geborgen und identifiziert werden, die seit Kriegsende als vermisst galten.

Die Idee, die Funde in einem Museum auszustellen, kam nach der Bergung im Schiffenberger Tal im Jahr 2005, bei der vier seit dem 6.Dezember 1944 vermisste australische Crew-Mitglieder eines britischen Bombers geborgen und identifiziert werden konnten, so Mirko Mank.
 
Denn vor mehr als 60 Jahren – am Nikolaustag des 6. Dezember 1944 hatte es geschneit als die Bomberpiloten der Royal Air Force den Stadtkern von Gießen mit mehr als 200 britischen Bombern angriffen und durch ihre Angriffswellen nahezu vollständig zerstört haben. Auf dem Rückmarsch befindend wurde ein britischer Bomber vom Typ Lancaster von deutschen Nachtjägern aufgespürt und abgeschossen. Dieser stürzte mit sechs Australiern und einem Engländer über dem damals schneebedeckten Schiffenberger Wald ab. Drei dieser sieben Besatzungsmitglieder wurden noch in Kriegszeiten geborgen.

Bei der in 2005 nach monatelanger geduldiger und intensiver Suche der geborgenen Besatzung handelte es sich um die restlichen vier Australier, in dem damals abgestürzten Lancaster Bomber.
Unterstützung bei dieser Bergung kam damals vom Hessischen Innenministerium.
Nach der Bergung und Identifizierung der Besatzungsmitglieder wurden die sterblichen Überreste auf dem englischen Militärfriedhof in Hannover beigesetzt.
Durch die Bergung hat man den Toten wieder ein „Gesicht“ gegeben. Ergreifend und beeindruckend ist hierbei zu erwähnen, dass zehn Angehörige dieser vier Toten extra um die halbe Welt geflogen sind, um ihnen in einer würdevollen Bestattung die letzte Ehre zu erweisen.

So lässt das Flugzeugwrackmuseum die Geschichte wieder lebendig werden – realitätsnah – eindrucksvoll – spannend.
Die vielen interessanten Presseartikel über das Museum, die steigende Zahl der Zugriffe auf der Internetseite und last but not least, zahlreiche begeisterte Besucher des Museums lassen erkennen, dass Mirko Mank, Jörg Merlau, Andreas Dort, Frank Häuser, Swen Richert und Stefan Kipper mit ihrem Verein Initiative Fliegerschicksale in Hessen e.V. viel Anerkennung in der Öffentlichkeit gefunden haben. Und dies auch über die Landesgrenzen hinaus.

Ein Besuch aus Thüringen am 3.Oktober dieses Jahres stieß ebenfalls auf sehr positive Resonanz: dabei handelte es sich um die Betreiber des Museums „Luftzeugamt Kölleda“, eines Museums im Landkreis Sömmerda in Thüringen, das sich annähernd mit dem gleichen Thema befasst. Es fand nicht nur ein reger und interessierter Austausch zwischen den Museumsbetreibern statt, sondern auch eine eventuelle Zusammenarbeit wurde ins Auge gefasst.
Ein von den Betreibern des „Luftzeugamtes Kölleda“ mitgebrachtes Schreiben machte die Bedeutung ihres Besuches deutlich:
Der Landrat des Thüringischen Landkreises Sömmerda, Rüdiger Dohndorf, bedankte sich darin ganz persönlich für das Engagement zum Erhalt und der Bewahrung Deutscher Geschichte bei den Mitgliedern der Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V.

Das Flugzeugwrackmuseum in Ebsdorf

Dokumentarische Aufarbeitung eines wichtigen Teils Deutscher Geschichte

Auf einer Fläche von ca. 250 qm befinden sich verschiedene unterschiedliche Exponate aus alliierten und deutschen Flugzeugwracks, die während des Zweiten Weltkrieges in Hessen abgestürzt sind.

Das Flugzeugwrackmuseum selbst ist in zwei Bereiche unterteilt: dem alliierten und dem deutschen Teil.
Wrackteile der berühmten deutschen Me 109, Me 110, Fw 190, alliierter Thunderbolts und Mustangs sowie der Bomber vom Typ B-17, B-24, Lancaster sowie Halifax finden sich neben bulligen Flugmotoren aus deutscher, englischer und amerikanischer Fertigung wieder.
Eine Vielzahl von persönlichen Utensilien und Ausrüstungsgegenständen der geborgenen Besatzungsmitglieder, Modellpuppen mit zeitgenössischer Fliegeruniform, Flugplatzfunden, Aggregaten und Flakzubehör, Erklärungen zu Wrackfunden, Übersichtskarten mit Absturzstellen, Bilder der Piloten und Besatzungsmitglieder geben der Vergangenheit ein persönliches Gesicht und machen diese fühlbar. Jedes dieser Überreste aus den vergangenen Kriegstagen erzählt oft seine eigene Geschichte.

Außergewöhnlich realitätsnah ist der rekonstruierte Luftschutzkeller, um den das Museum im Juli 2010 erweitert wurde. Original-Wandfarbe und Bombengeräusche bilden diesen so realistisch nach, dass manch älterer Besucher sich an die Kriegzeiten erinnert.

So werden in dem deutschlandweit einzigartigen Flugzeugwrackmuseum nicht nur historische Funde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern ebenso wird ein wichtiger Teil Deutscher Geschichte auf eindrucksvoll realistische Weise dokumentiert,- und das auch für diejenigen, die den Krieg nur von Erzählungen kennen.

Wenn auch Sie einen Beitrag zur Bewahrung Deutscher Geschichte leisten wollen und Exponate aus dem Zweiten Weltkrieg besitzen, würden sich die Mitglieder der Initiative Fliegerschicksale freuen, wenn Sie diese dem Verein zur Ausstellung im Museum zur Verfügung stellen könnten.

Weitere Informationen und aktuelle Nachrichten über das Flugzeugwrackmuseum in Ebsdorf finden Sie auf der Homepage der Initiative Fliegerschicksale in Hessen e.V. unter www.flugzeugwrackmuseum.de. Gerne können Sie auch telefonisch unter der Rufnummer 0173-3406804 Kontakt zu den Museumsbetreibern aufnehmen.


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