Ein Ortsmittelpunkt für die Menschen

Donnerstag, 18. Mai 2017

In Heskem stehen in den nächsten Jahren einige Veränderungen an. Angestoßen wurden sie vor allen Dingen durch den Bau der Ortsumgehung wobei mit dem Bau ohne die Vorfinanzierungsidee des Bürgermeisters noch nicht mal begonnen worden wäre. Mit der Eröffnung dieser wichtigen Straße wird der meiste Verkehr aus der Ortslage verschwinden. Wo jetzt hunderte Autos und lauter Schwerlastverkehr durch die engen Straßen fahren, könnte dann vielmehr Ruhe herrschen – zumindest verkehrstechnisch. Denn mit dem Verschwinden der Autos sollen die Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken und einen neuen Ortsmittelpunkt rund um die Kirche bekommen, an dem sie sich treffen können, an dem sie sich gerne aufhalten.

„Die Bauarbeiten für die Ortsumgehung liegen im Plan“, erklärte Bürgermeister Andreas Schulz. Pünktlich am 1. Januar 2019 sollte demnach die neue Straße eröffnet werden – Heskem soll dann nach Möglichkeit direkt zu einer Baustelle werden. „Sobald die Ortsumgehung fertig ist, wollen wir den Ortskern sperren“, sagte Andreas Schulz. So werden Autofahrer daran gehindert, weiter durch den Ort zu fahren und können sich direkt an die neue Strecke um das Dorf herum gewöhnen. Mit der Sperrung sollen dann Bauarbeiten im Ort beginnen und den Bereich an der Kirche vom ehemaligen Gasthaus Cloos bis hin zum Einmündungsbereich der Straße „Am Rübenstein“ betreffen. Schäden in der Fahrbahn sollen dabei nicht einfach nur beseitigt werden – stattdessen soll die Gemeinde den gesamten Bereich optisch aufwerten. Das Land Hessen – bisheriger Eigentümer der Ortsdurchfahrt – wird sich laut Andreas Schulz an den Kosten beteiligen, da es für die Reparatur der Schäden zuständig wäre, bevor die Landstraße zu einer Gemeindestraße abgestuft und der Gemeinde zur weiteren Unterhaltung übergeben wird. Mehrkosten für die Umgestaltungen trägt dann die Gemeinde.

Idee der Dorferneuerung wird nach 20 Jahren nachgeholt

In die detaillierten Planungen wird die Gemeinde erst im nächsten Jahr einsteigen. Doch Bürgermeister Andreas Schulz und Ortsvorsteher Heinz-Martin Lieser haben schon einige Ideen: „Wenn nicht mehr der Schwerlastverkehr durch den Ort rollt, können wir die hohen Bordsteine absenken und eine Verkehrsmischfläche schaffen“, so Lieser. Andreas Schulz stellt sich eine gepflasterte Straße mit breiteren, fahrbahngleichen Gehwegen vor, die nur optisch von der Fahrbahn getrennt werden. Verengungen könnten den Verkehr langsamer fließen lassen und den Ort für den Durchfahrtsverkehr unattraktiv machen. Zugleich solle der neu gestaltete Bereich sich an die vor 20 Jahren während der Dorferneuerung neugestalteten Nebenstraßen anpassen. Sie wurden damals schon gepflastert, mit einer Regenrinne optisch getrennt und mit breiten Gehwegen angelegt. „Für die Ortsdurchfahrt war ein solcher Rückbau der Straße damals aber nicht möglich“, erklärt der frühere Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung Heskem-Mölln und heutige Rathauschef. Zu viel Verkehr floss und fließt noch durch das kleine Dorf. Die damalige Idee von Andreas Schulz solle nun 2019 wieder aufgegriffen werden, um den Ortskern wie aus einem Guss wirken zu lassen – und um die Aufenthaltsfunktion für die Menschen zu stärken.

„Wir stellen hier den Mensch wieder in den Mittelpunkt, wenn der Verkehr erst verschwunden ist“, betonte Andreas Schulz. „Das Dorf wird sich stark verändern und zu einem richtigen Vorzeigedorf werden“, ist er sich sicher. Im Vorgriff habe der Bürgermeister schon die älteste Heskemer Straße „Am Rübenstein“ erneuern lassen. Neben dem neuen Mittelpunkt macht die Ortsumgehung auch weitere Projekte für Heskems Zukunft erst möglich: Beispielsweise das Interkommunale Gewerbegebiet mit der Stadt Marburg oder ein neues Baugebiet im Bereich des Schwimmbads werden bereits geplant. Auch hat Bürgermeister Andreas Schulz zusammen mit Ortsvorsteher Lieser, der Schulgemeinschaft und der Dorfgemeinschaft die Idee entwickelt, den Busbahnhof aus dem Dorf heraus zu verlegen, damit die Schüler künftig oberhalb der Schule ankommen. Das soll wiederum ein Sportzentrum und eine Mensa für die Schule im unteren Bereich des Schwimmbads ermöglichen. Und im Ort, wo jetzt noch die Ortsdurchfahrt vom Verkehr belastet ist, tut sich auch einiges: Ein privater Investor hat bereits einige Häuser und Grundstücke gekauft, darüber hinaus soll ein Generationenpark oberhalb des Friedhofes entwickelt werden. Ein historisches Fachwerkgehöft wird in diesem Zuge etwa samt Nebengebäuden aufwändig saniert und wieder zu einem Schmuckstück direkt gegenüber der Kirche gemacht. „Das Dorf verändert sich. Endlich hat es dann wieder eine Entwicklungschance, die es bislang durch den Verkehr nicht gab“, sind sich der Ortsvorsteher und der Bürgermeister einig.

 

 

 

 


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