Bürgermeister informiert zum Thema „Streichung von Zughalten“ auf der Strecke zwischen Marburg und Gießen

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Im RNV Marburg-Biedenkopf sind alle Städte und Gemeinden außer der Stadt Marburg organisiert. Die Stadt Marburg hat den Verband auf eigenen Wunsch verlassen. Besonders für die Stadt Marburg und angeregt durch die Stadt Marburg hat der RNV beschlossen auf 6 Zughalte in beiden Richtungen auf der Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Marburg zu verzichten um aus der Stadt Marbug nach Gießen und Frankfurt eine schnellere Zugverbindung herzustellen. Ziel ist es, einen 1-Stunden-Takt zu realisieren.

Diese Entscheidung zu Gunsten der Stadt Marburg war auch Städten wie Neustadt, Stadtallendorf und Kirchhain schmackhaft gemacht worden, weil man in den Raum stellte, die Züge aufgrund der eingesparten Zeiten auch Richtung Neustadt verlängern zu können. Dies ist nunmehr nicht der Fall. Der RNV hat gegen die Interessen der Südkreiskommunen beschlossen, zum Fahrplanwechsel Dezember 2014/2015 die Zughalte zugunsten der Stadt Marburg und zur Beschleunigung der Züge auf der vorgenannten Strecke zu streichen.

Wie aus der Vorstandsitzung des RNV am 05.11.2013 vom 1. Kreisbeigeordneten McGovern mitgeteilt wurde, seien die Vorgaben den RNV  zur Streichung von Zughalten auf der Strecke Marburg – Gießen zu Gunsten einer Fahrzeitverkürzung von Marburg nach Gießen in die Vorlage für die Aufsichtsratssitzung am 21. Dezember aufgenommen worden. Dies kann so nicht hingenommen werden. Darüber sind wir uns als Bürgermeister der Gemeinden nicht nur auf der Strecke Marburg – Gießen, sondern auch im Einzugsgebiet dieses Streckenbereichs einig und haben uns deshalb mit nachfolgendem Schreiben eindringlich an die Mitglieder des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes  gewandt.  Trotz allem hat der Aufsichtsrat des RMV wie zu erfahren war, der Empfehlung des RNV entsprochen.

Ich versichere Ihnen, dass die Südkreiskommunen mit ihrem Protest nicht nachgeben werden, da bis zum Fahrplanwechsel 2014/2015 aus unserer Sicht noch viel bewegt werden kann.
Zur weiteren Information: Bürgermeister Schäfer  aus Bad Endbach hat zwischenzeitlich das Schreiben mitgezeichnet.

Bahnhof FronhausenOffener Brief der Bürgermeister

An die Mitglieder des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes Geschäftsbereich Verkehrs- und Mobilitätsplanung
Alte Bleiche 5
65719 Hofheim am Taunus

Streichung von Zughalten auf dem Abschnitt der Main-Weser-Bahn zwischen Marburg und Gießen

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Sitzung des Vorstandes des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf (RNV) am 05.11.2013 wurde unter TOP 2 informiert, dass in dem Abwägungsbescheid zum regionalen Nahverkehrsplan der RMV vorschlägt, ein stündliches schnelles Angebot auf der Main-Weser-Bahn volkswirtschaftlich zu empfehlen.

In einem ersten Schritt soll die Umwandlung der HLB-Züge zwischen Gießen und Marburg zu Regionalexpresszügen erfolgen. Weiterhin erhielten wir die Information aus der Vorstandssitzung, dass ein Gespräch zwischen dem RMV (Prof. Knut Ringat, Dipl-Ing. Thomas Busch) auf Einladung von Oberbürgermeister Vaupel stattgefunden hat, bei dem die anwesenden Besprechungsteilnehmer sich grundsätzlich auf Einführung eines RE-Stundentaktes zwischen Marburg – Gießen – Frankfurt verständigt hätten.

In der RMV-Regionalkonferenz am 05.09.2013 sowie in der aktuellen Vorlage für den Aufsichtsrat des RMV sind die Vorgaben für eine Umwandlung der HLB-Züge in RE-Züge aufgenommen. Eine Umsetzung soll für das Fahrplanjahr 2015 erfolgen. Die Mehrkosten sollen durch Mehreinnahmen in Folge gestiegener Nutzerzahlen finanziert werden. Vorgesehen ist ein Vierstufenmodell, das auf einer RNV Empfehlung basiert.

In einem ersten Schritt sollen demnach auf der Strecke Gießen – Marburg die Halte der HLB-Züge entfallen.

Im zweiten Schritt sollen die an Stelle der HLB-Züge eingesetzten Regionalexpresszüge bis Stadtallendorf weitergeführt werden.

Im dritten Schritt soll die Hessische Landesbahn die Regionalbahnen zwischen Kassel und Treysa übernehmen.

Im vierten Schritt  soll zwischen Stadtallendorf und Treysa die Hessische Landesbahn alle zwei Stunden den Mittelhessenexpress ersetzen.

Die Frage, die sich für uns hierbei stellt ist, ob Schritt zwei und vier langfristig von den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen (die bekanntlich unter dem Rettungsschirm stehen) finanziert werden können. Auch scheinen die im Antragstext des RNV hierfür aufgeführten eingesparten Stationsgebühren von 40.000 Euro völlig aus der Luft gegriffen, da bei einer Minderbedienung der Unterwegsstationen davon auszugehen ist, dass diese wiederum in eine andere Fallstufte eingestuft werden und somit die Gefahr besteht, dass die Stationspreise von 40.000,– Euro nicht ausreichen.

In einem uns zwischenzeitlich vorliegenden Schreiben des RMV an den 1. Kreisbeigeordneten des Landkreises Marburg-Biedenkopf Dr. Karsten McGovern, vom 27.05.2013 wird mitgeteilt, dass eine über den Mittelhessenexpress hinausgehende Bedienung der Stationen zwischen Marburg und Gießen nicht gerechtfertigt ist und durch eine stündliche schnelle Verbindung von Frankfurt nach Marburg und Treysa Verkehrsverlagerungen von motorisiertem Individualverkehr zum ÖPNV in der Größenordnung von ca. 700 Personenfahrten pro Werktag zu erwarten sind.

Diese Aussage können wir nicht teilen, da die Fahrgäste nicht gegengerechnet wurden, die derzeit die RB-Halte nutzen und dann wegfallen werden und  sehr wohl von der Möglichkeit Gebrauch machen werden mit dem PKW direkt zu dem Zielort Frankfurt zu fahren. Letztendlich wird der gesamte Einzugsbereich für die Haltepunkte zwischen Gießen und Marburg von Bad Endbach, Gladenbach, Lohra, Weimar, Fronhausen, Ebsdorfergrund, Lollar, Staufenberg, Buseck, Rabenau und Allendorf /Lumda bei der Betrachtung völlig außer Acht gelassen, was sich auch bei der einseitigen Betrachtung der Fahrgastzahlen wiederspiegelt.

In unseren Stellungnahmen im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zur Erstellung des Regionalen Nahverkehrsplanes des Rhein-Main-Verkehrsverbundes als auch in den an den RMV gerichteten Resolutionen zur geplanten Streichung von Zughalten auf der Main-Weser-Bahn zwischen Marburg und Gießen vom 08. Mai und 06. Juni 2012 haben wir eindringlich auf die Folgen für unsere Städte und Gemeinden durch den Wegfall der HLB-Halte hingewiesen. Von daher bitten wir Sie, unsere berechtigten Argumente nicht unter den Tisch fallen zu lassen, sondern bei den anstehenden Entscheidungen mit einzubringen.

Für uns erweckt es den Eindruck, dass die Nachteile, die durch die vor einigen Jahren von der DB AG vollzogenen Verschiebung der Intercity-Züge im Fernverkehr entstanden sind, nun zu Lasten von uns  kleineren Städte und Gemeinden kompensiert werden sollen.

Es gilt wohl das Motto des geringsten Widerstands.

Hatten die Marburger Dezernenten so viel Rückgrat, dass sie mit der DB AG das Gespräch gesucht haben? Es wäre schön, doch haben wir davon weder intern noch aus der Presse etwas mitbekommen!

Auch wäre hier anzusprechen, dass die Intercity-Züge wieder mit RMV-Fahrkarten genutzt werden können.

Fazit

Zusammenfassend können wir nur darauf hinweisen, dass das gesamte Verfahren im Ansatz falsch ist und von unseriösen und egozentrischen Interessen geleitet wird. Wir sind entsetzt, auf welchen Irrwegen sich manche in Mittelhessen bewegen und befürchten, dass die Alleingänge der Stadt Marburg z. B. im Aufsichtsrat und in der Gesellschafterversammlung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes eher zur Spaltung unserer Region beitragen, denn zur Gemeinsamkeit.

Dass unsere Region Potential hat, hat sich positiv im Schienenverkehr ausgewirkt und zeigen seit RMV-Gründung auf unserer Main-Weser-Bahn stetig wachsende Fahrgastzahlen.

Zwei Ziele unseres Verbundes lauten schließlich:

„Erhalt und Verbesserung des ÖPNV in der Fläche“ und „Verbesserung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV)“.

Im Schienenverkehr heißt das, dass wir uns schrittweise auf Verbesserungen verständigen sollten. Bei unserem Thema heißt dies wörtlich: Die Region jedes Jahr Zug um Zug weiter entwickeln und nicht wie vorgesehen zurück entwickeln und dabei das Erreichte aufs Spiel zu setzen.

Wir hoffen auf die Problematik ausreichend hingewiesen zu haben und erwarten ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Reinhold Weber, Bürgermeister, Gemeinde Fronhausen
gez. Andreas Schulz, Bürgermeister, Gemeinde Ebsdorfergrund
gez. Georg Gaul, Bürgermeister, Gemeinde Lohra
gez. Peter Eidam, Bürgermeister, Gemeinde Weimar
gez. Peter Gefeller, Bürgermeister, Stadt Staufenberg
gez. Kurt Hillgärtner, Bürgermeister, Gemeinde Rabenau
gez. Klaus-Dieter Knierim, Stadt Gladenbach
gez. Dr. Bernd Wieczorek, Stadt Lollar


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