In Erinnerung an Wilhelm „Willi“ Brandenstein (1929 bis 2013)

Donnerstag, 22. August 2013

– Ein besonderer Mensch im Ebsdorfergrund –

„Da kommt der freundlichste Mann aus dem Ebsdorfergrund“ ruft eine ältere Dame während einer Weihnachtsfeier für Senioren, als Willi Brandenstein die Tür des feierlich geschmückten Saales öffnet, um hinein zu gehen. Völlig überrascht über diesen für ihn unerwarteten Ausruf betritt er den Saal, in dem die 100 anwesenden Seniorinnen und Senioren ihn begrüßen.
Diese Begebenheit ereignete sich vor vielen Jahren. Es war ein kurzer Augenblick, – ein Ausruf, der ihn, – Willi Brandenstein, nicht zutreffender hätte beschreiben können.

Willi Brandenstein genoss große Beliebtheit bei den Menschen im Ebsdorfergrund. Mit seiner warmherzigen charismatischen Art trat der ehemalige langjährige Erste Beigeordnete, den die meisten einfach nur „Willi“ nannten, jedem gegenüber, der ihm begegnete.

Auf einer Reise nach Berlin verstarb Wilhelm Brandenstein am 13.Juni 2013 ganz plötzlich.

In Hochachtung vor seiner Lebensleistung möchte die Gemeinde Ihnen einige Eckpunkte seines Lebens in dem folgenden Bericht vorstellen.

Über ein Vierteljahrhundert: Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Ebsdorfergrund

Bürgermeister Andreas Schulz und Willi Brandenstein im Jahre 1993…

Der Name Willi Brandenstein ist fest verbunden mit dem Amt des Ersten Beigeordneten, denn diese Tätigkeit füllte er 29 Jahre ununterbrochen und mit großem Engagement aus. Aber es war nicht diese für eine Demokratie ungewöhnlich lange Amtszeit allein, die ihn so beliebt bei den Menschen im Ebsdorfergrund machte.

Vielmehr war es seine charmante und liebenswerte Persönlichkeit, die es vermochte, einen jeden mitzureißen und zu begeistern, der ihm begegnete.

Als stellvertretender Bürgermeister übernahm Willi Brandenstein die Amtsgeschäfte des Verwaltungschefs während dessen Abwesenheit im Urlaub oder Krankheit und war Ansprechpartner für alle Belange der Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinde. Dabei kannte der ehemalige Erste Beigeordnete nahezu jeden Mitbürger persönlich und auch fast alle kannten ihn, den „Willi“, der für jeden ein freundliches Wort übrig hatte und sich Zeit nahm, um zuzuhören und um zu helfen.

Ihm erzählten die Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Anliegen, die er in seine Arbeit in den Gremien einbrachte.

…und im Jahre 2012

Und so konnten über diese praktizierende Bürgernähe und die persönlichen Kontakte so manche Probleme schneller und unkomplizierter gelöst werden, als dies über die Verwaltungsarbeit möglich gewesen wäre.

1929 in Königshagen geboren

Geboren wurde Willi Brandenstein am 15.Mai 1929 als fünftes Kind (2 Brüder und 4 Schwestern) des Landwirtes und des Schuhmachers Wilhelm Brandenstein und seiner Frau Elise in Königshagen im Kreis Waldeck-Frankenberg. Eine Schwester verstarb sehr früh.

Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf des Gestütswärters in Dillenburg. Dieser Beruf war sehr abwechslungsreich und er kam viel herum. So lernte er seine erste Frau in Ebsdorf kennen, die er im Jahre 1952 heiratete.
Aus dieser Ehe stammen die Kinder Bernd, Michael und Anja und in nächster Generation drei Enkelkinder und drei Urenkel. Nach 17 Jahren als Gestütswärter wechselte er an die Deutsche Bundespost in Marburg als Postfacharbeiter.
33 Jahre war er Postbeamter, davon 5 Jahre im Postamt, 10 Jahre in der Rundfunkabrechnungsstelle und 18 Jahre in der Briefermittlungsstelle.
Im Jahre 1994 wurde er nach 50 Dienstjahren als Postobersekretär in den Ruhestand verabschiedet.

Nach der Trennung von seiner ersten Frau heiratete er am 07.07.2007 seine jetzige Frau Roswitha Stahringer-Brandenstein, mit der er eine glückliche Zeit in Leidenhofen verbrachte. Gemeinsam konnten sie noch zahlreiche Reisen unternehmen.

Viel Freude hatten sie mit ihren Kindern und Enkelkindern.

Willi Brandenstein und seine Frau Roswitha

Zudem war Willi Brandenstein ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer, – ein Hobby, welches er bis zuletzt betrieb, genauso wie das Bergwandern, wann immer es im Urlaub möglich war. Viele kennen ihn auch als begnadeten Sänger, der aktiv im Gesangverein mitwirkte. Besonders erwähnenswert ist jedoch auch, dass Willi Brandenstein im Alter von 79 Jahren begann, Trompete zu spielen und auch einige bekannte Kompositionen namhafter Künstler vorspielen konnte.

Die Politik – Sein Lebenselixier

„Ohne seine Arbeit, seine Ämter und Aufgaben, würden viele „Willi“ nicht kennen. Auch sie haben ihm die Möglichkeit geschenkt, seine Gaben, sein Charisma, seine Fähigkeiten auszuleben,“ sagte Bürgermeister Andreas Schulz über seinen ehemaligen Stellvertreter, die ihm viele Jahre partnerschaftlich zur Seite stand.
„Willi hat einmal zu mir gesagt, all das sei sein Lebenselixier.“

Schon seit 1966 war Willi Brandenstein in der Kommunalpolitik tätig. Damals wurde er Mitglied in der Gemeindevertretung der seinerzeit selbständigen Gemeinde Ebsdorf und füllte diese Funktion bis zum Jahre 1976 aus. Im Anschluss war er Mitglied im Gemeindevorstand und trat im Jahre 1981 das Amt des Ersten Beigeordneten an, welches er bis zum Jahre 2010 ausführte.
Ebenso hatte er viele Vorstandfunktionen inne, wie z.B. beim Sportverein Ebsdorf, der Spielgemeinschaft Ebsdorf-Leidenhofen, dem SPD Gemeindeverband und vieles mehr.

Neben vielen Ehrungen, die ihm im Laufe der Jahre zuteil wurden, erhielt er die höchste im Oktober 2003, als er mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, das der Bürgermeister für ihn beantragt hatte.

Zeit des Abschieds

Eines der letzten Fotos: Vor dem Brandenburger Tor am 12.Juni 2013

Es war ein sehr heißer Tag und die Sonne strahlte über der Gemeinde, als Willi Brandenstein auf dem Friedhof in Leidenhofen am 19. Juni 2013 beigesetzt wurde. Seine Frau, Kinder, Enkelkinder und weitere Angehörige, Freunde, Wegbegleiter und Menschen, die sich mit ihm verbunden fühlten, versammelten sich vor seinem Haus in Leidenhofen, um von „ihrem Willi“ Abschied zu nehmen und ihn in einem großen Trauerzug durch das Dorf auf seinem letzten Weg zu begleiten.

„Nicht was Willi alles und wie lange er es gemacht hat, bleibt. Sondern sein bestechendes Wesen, seine freundliche Art, seine positive Lebenseinstellung und die vielen guten Worte, die er uns allen auch in seinen Gedichten geschenkt hat. Dafür danken wir ihm und werden ihn genauso in Erinnerung halten, “ sagte Bürgermeister Andreas Schulz in seiner bewegenden Rede in der Kirche in Leidenhofen.

„Die Vereine, die GrundPartei SPD, das Dorf Ebsdorf, die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter der Gemeinde und die gesamte Bürgerschaft der Gemeinde Ebsdorfergrund verneigen sich vor der Lebensleistung von Wilhelm Brandenstein.“

Auch er habe ihm viel zu verdanken und er sei froh, dass „Willi“ ihm vor seiner Reise nach Berlin noch „Tschüss“ gesagt habe, so der Bürgermeister weiter und schloss seine Rede mit Worten, die in Erinnerung bleiben:

Willi Brandenstein kam als Fremder in den Ebsdorfergrund, zunächst allein.
Als er uns verließ, ging er als einer von uns. – Einer, auf den die ganze Gemeinde stolz ist!“

 

 

 


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