KONRAD LAUER lebt nicht mehr

Mittwoch, 05. Dezember 2012

Konrad Lauer war einer von uns – aber auch ein ganz besonderer Mitbürger. Sein beispielloses Tun verdient größten Dank sowie Anerkennung von der Gemeinde und allen Bürgerinnen und Bürgern im „Grund“.  Am Montag nun wurde er auf dem Friedhof in Wittelsberg beigesetzt.

Konrad Lauer und Bürgermeister Andreas Schulz im Gespräch

Vor sechs Jahren hat Konrad Lauer der Gemeinde erstmalig einen Geldbetrag von 70 000,00 Euro überantwortet. Damit verband der Wittelsberger einen ganz besonderen Wunsch: Bürgerinnen und Bürger, vor allem Kindern in der Gemeinde, die vom Schicksal weniger reich bedacht sind, sollten mit diesem Geld unterstützt werden.

Bürgermeister Andreas Schulz ließ von dem kleinen Vermögen die „Konrad Lauer Stiftung“ gründen.

Diese wurde mit Stiftungsurkunde, am 24. April 2006 vom Regierungspräsidenten anerkannt. Nach 2006 gab Konrad Lauer der Stiftung weiteres Geld . Bis heute sind es insgesamt 162.361,96 Euro.
Gefördert wurden zum Beispiel Busfahrkarten für sozial schwache Familien, deren begabte Kinder weiterführende Schulen besuchen, Lebensmittelunterstützung und Essengeldzuschüsse für ebenfalls diesen Personenkreis, Seniorenbustransfers des Grundexpresses und zu den Seniorentreffpunkten, Investitionszuschüsse für u.a. “Kinder im Grund” und die Kitas in Beltershausen und Rauischholzhausen, Unterstützung für das Summer-Fun-Festival, und weitere soziale Projekte wie z.B. die Kinderbücherei in Ebsdorf und der Bürgerhilfe Ebsdorfergrund e.V., Förderung von Sportangeboten und vieles mehr.

Konrad Lauer feierte im Mai 2012 seinen 90. Geburtstag. Anlass für die Gemeinde ihn mit der Ehrenplakette in Gold auszuzeichnen. – Die höchste Auszeichnung, die die Gemeinde bis dahin vergeben hat.

Seinen Lebensabend verbrachte er seit geraumer Zeit im Seniorenpflegeheim „Haus am Park“ in Fronhausen. Im Gespräch mit Bürgermeister Andreas Schulz erzählte er im Dezember 2011 ein bisschen aus seinem eher bescheidenen Leben.

Lesen war sein Steckenpferd
Geboren wurde Konrad Lauer am 23. Mai 1922 in Ebsdorfergrund-Hachborn. Dort wuchs er auf dem Bauernhof seiner Eltern, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Heinrich und der jüngeren Schwester Katharina auf.
Lauer erinnerte sich, dass die Großmutter sehr gut kochen konnte und fähig war aus „Nix“ etwas zu zaubern.
Die achtjährige Schulzeit absolvierte Konrad Lauer ebenfalls in seinem Geburtsort. Auf die Frage was sein Lieblingsfach gewesen sei, flachste der betagte Herr: „Die Lehrer ärgern“. Zwei Jahre Landwirtschaftsschule folgten. Dieses Berufsfeld war von Kind an seine Leidenschaft.
Lauer erinnerte sich aber auch an die Zeit des Krieges und dass er als Soldat vier Jahre in Rußland war. Drei Verwundungen, eine davon schwer, hatte er davongetragen.

Die Frau fürs Leben fand der Hachborner in der Wittelsbergerin Anna Rauch. 1949 war Hochzeit. Damit wurde Wittelsberg, sprich der Bauernhof seiner Frau, auch heute noch „Kiefersch Hob“ genannt, sein neues Zuhause.
Anna Lauer verstarb bereist 1989. „Das war eine schlimmes Zeit“, erinnerte sich Lauer. Beschenkt wurde die Ehe mit zwei Kindern. Sohn Walter und Tochter Karin. „Die Kinder waren eine große Freude in meinem Leben“, sagte Lauer.

Arbeitsplatz und Lebensgrundlage für die Familie war stets der Bauernhof. Ein halbes Dutzend Kühe und „viele“ Schweine wurden hier gehalten. Über die Tiere habe er sich immer freuen können und zwei Pferde seien sein „ganzer“ Stolz gewesen, erzählte Konrad Lauer.
Urlaube hat es im Leben des Wittelsbergers nicht wirklich viele gegeben. Ein Ort war ihm allerdings in ganz besonderer Erinnerung: „Auf der Insel Rügen war es am schönsten.“

Ein Steckenpferd des leidenschaftlichen Landwirts war immer schon das Lesen. Bücher unterschiedlichster Themen und vor allem das tägliche Zeitgeschehen verfolgte er bis zuletzt.

Leider falle das Zeitunglesen immer schwerer, denn die Augen machten nicht mehr mit, bedauerte Konrad Lauer. Zur aktuellen Wirtschaftskrise hatte der fast 90jähige auch seine Meinung: „Ich glaube, dass da welche sind, die das so haben wollen“. Den Standpunkt, dass die Zeiten früher besser waren als heute, vertrat Lauer nicht. „Es wird eigentlich immer besser“, so seine Meinung.

Zu seinen Beweggründen für die Stiftung sagte Konrad Lauer:
„Ich will gerne, dass es allen Menschen gut geht. Aber leider ist das nicht durchführbar.“

Einlage der Stiftungsgelder:
2006 70000,00 Euro
2007 30000,00 Euro
2009 52361,96 Euro
2010 10000,00 Euro


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