Landrat Robert Fischbach zu Besuch im Grund

Donnerstag, 04. Oktober 2012

– Besichtigungen der Dr. Schär GmbH sowie der neuen Biogasanlage als auch das Thema „Ortsumgehung Heskem – Mölln“ standen auf der Agenda –

Mit einer Delegation von 5 Mitarbeitern aus dem Landratsamt stattete Landrat Robert Fischbach am Donnerstag, den 27.September der Gemeinde Ebsdorfergrund einen Besuch ab, um sich vor Ort über wichtige Themen zu informieren. Seitens der Gemeinde nahmen neben Bürgermeister Andreas Schulz auch Mitglieder aus dem Gemeindevorstand, sowie der Vorsitzende der Gemeindevertretung, als auch Fraktionsvorsitzende und der Gemeindebrandinspektor an dieser Veranstaltung teil.

„Solche Besuche sind sehr wertvoll, weil man vor Ort die Entwicklungen und Begebenheiten besser wahrnimmt“, erläuterte Landrat Robert Fischbach beim Empfang in der Gemeindeverwaltung in Dreihausen und zeigte sich über die moderne neue Gemeindeverwaltung sehr beeindruckt: „Ich bin gerne hierher gekommen, und diese moderne und schöne Verwaltung gefällt mir sehr gut.“

Landrat lobt die Gemeinde

„Als einzige Gemeinde im Landkreis hat die Gemeinde einen ausgeglichenen und genehmigungsfreien Haushalt und die niedrigste Pro Kopf Verschuldung“, betonte der Landrat in einem Gespräch mit den Anwesenden und fügte hinzu: „Darum wird die Gemeinde von anderen Kommunen beneidet.“

Jede Kommune habe ihren eigenen Handlungsspielraum in Sachen Finanzen, sagte Fischbach.

Dass der Ebsdorfergrund quasi schuldenfrei ist stellt in Zeiten der Finanzkrise und der Rettungsschirme, unter die viele Gemeinden fallen, eine wirkliche Besonderheit dar.

Denn 3,8 Mio. Schulden stehen 4,4 Mio. Festgelder gegenüber.

Bürgermeister setzen auf interkommunale Zusammenarbeit bei der „Windenergie“

„Und auch bei den ´regenerativen Energien` ist der Ebsdorfergrund sehr engagiert, “ führte Landrat Fischbach weiter aus. In diesem Zusammenhang kam Bürgermeister Andreas Schulz auf die geplante Energiegenossenschaft zu sprechen, die er gemeinsam mit seinen Amtskollegen, – Bürgermeisterin Bergen-Krause aus Allendorf – Lumda und Bürgermeister Peter Gefeller aus Staufenberg – vorantreiben will. Denn das Land Hessen sieht vor, 2 % der Hessischen Landesflächen als Windvorrangflächen auszuweisen, was eine drastische Veränderung des Landschaftsbildes in den nächsten Jahren zur Folge haben wird.

Da dieses Vorhaben nicht verhindert werden könne, soll in interkommunaler Zusammenarbeit sicher gestellt werden, dass die Windkraftanlagen nur in Eigenregie errichtet und die Standorte gemeinsam festgelegt werden.

So bleibe auch die Rendite bei den Städten und Gemeinden, erläuterte Bürgermeister Andreas Schulz.

Landrat Fischbach lobte dieses Vorhaben, denn: „Es trägt dazu bei, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.“

Vier Faktoren bestimmen den Erfolg der Gemeinde

Bürgermeister Andreas Schulz nannte neben der positiven Finanzlage drei weitere Gründe, die den Erfolg der Gemeinde Ebsdorfergrund im Wesentlichen bestimmen: „Im Ebsdorfergrund ziehen alle an einem Strang, und das über Partei- und Ortsteildenken hinaus.“ Die Ortsvorsteher der einzelnen Ortsteile unterstützen sich gegenseitig und es gebe kein Konkurrenzdenken. Ebenso werden Beschlüsse fast immer einstimmig gefasst.

Als weiteren Grund für den Erfolg nannte Bürgermeister Andreas Schulz das Ziel der Gemeinde, in 2020 energieautark zu sein, welches durch viele Maßnahmen und Schritte angegangen und verfolgt werde.

Eine weitere Besonderheit in der Gemeinde ist zudem, dass die Gemeinde die Bereiche „Wasser, Abwasser und Entsorgung“ in „eigener Hand“ behalten hat und somit die Zuständigkeiten und Einflussnahme nicht von Externen bestimmt wird. Mit der gemeinsam mit den Stadtwerken Marburg gegründeten GrundNetz GmbH soll auch das Stromnetz zurückgekauft und zukünftig in Eigenregie betrieben werden.

Besuch bei Dr. Schär in Dreihausen

Nach der Begrüßung in der Gemeindeverwaltung stand eine Besichtigung der Fa. Dr. Schär GmbH auf dem Programm.

Die Unternehmensgruppe Dr. Schär ist Marktführer für glutenfreie Lebensmittel und hat unter anderem einen Sitz in Dreihausen. Empfangen wurden der Landrat, der Bürgermeister sowie die anderen Teilnehmer von den beiden Geschäftsführern von Dr. Schär in Dreihausen, Thomas Bonde und Manfred Eiden, die den Gästen mit einem Filmclip und einigen Worten die Unternehmensgruppe Dr. Schär vorstellten und anschließend durch die Produktionsstätte führten.

Seit 2006 gibt es Dr. Schär – Produkte flächendeckend in ganz Europa. In denselben Jahr übernahm die Dr. Schär GmbH die Fa. Pauly Biskuit und investierte seitdem über 11 Mio. Euro in das Werk in Dreihausen.

Besichtigung von Mittelshessens größter Biogasanlage

Mittelhessens größte Biogasanlage bei Heskem – Mölln wird einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende leisten und dem Ziel der Gemeinde, energieautark zu sein, wesentlich näherbringen. Noch sind zwar die Bauarbeiten des 12 Mio. Projektes in vollem Gange, aber schon jetzt ist zu erkennen, was die Anlage zukünftig leisten wird.

Insgesamt werden es rund 40 000 Tonnen Substrat, d.h. Mais, Gräser, Gerste usw. sein, mit denen die Anlage das Jahr über am Laufen gehalten werden soll. Erzeugen wird die Anlage rund 500 m³ Biogas pro Stunde, das entspricht einer jährlichen Energiemenge von mehr als 40 Mio. kWh, so dass mehr als 3.000 Haushalte mit Strom und zusätzliche 600 Haushalte mit Wärme versorgt werden können. Für die Gasversorgung reicht das Biogas für 2000 Haushalte.

Hinter dem Konzept stehen drei Gesellschaften: 50% gehören den Kraftwerken Mainz Wiesbaden, zu je 25 % sind der Anlagenbau Weltec und die Altus AG aus Karlsruhe, die auch Projektplaner ist, Anteilseigner. Aber auch die Gemeinde und die Stadtwerke Marburg unterstützen das Projekt.

So wollte Landrat Robert Fischbach wissen was der Unterschied der Biogasanlage im Vergleich zu Windkraftanlagen ist.

Malte Pierau von der Altus AG erläuterte dies wie folgt: „Eine Windkraftanlage mit 2 MW produziert an einem Standort im Binnenland in einem normalen Windjahr rund 5 Mio kWh elektrische Energie. Würde das ganze Jahr der optimale Wind blasen, dann könnte die Windkraftanlage 16 Mio. kWh elektrische Energie erzeugen.“ Das sei aber im Binnenland vollkommen unrealistisch.

Die Biogasanlage Ebsdorfergrund mit 2 MW produziere Bioerdgas mit einem Energiegehalt von 40 Mio kWh, so Pierau weiter. „Die Anlage produziert das ganze Jahr über immer die gleiche Menge, und zwar rund 500m³ pro Stunde Bioerdgas.“

Zum Thema Flächenverbrauch benötige die Biogasanlage zwar 7mal mehr Fläche als ein Windrad, produziere aber 8mal soviel Energie, “ erläuterte Malte Pierau abschließend und mit Landrat Robert Fischbach, Bürgermeister Andreas Schulz und den anderen Teilnehmern machte sich die Gruppe auf zur nächsten Station an diesem Vormittag.

Bau der Ortsumgehung Heskem – Mölln ist wichtiges Anliegen der Gemeinde

Mehr als 26 Jahre dauert die „unendliche Geschichte“ des Baus der Ortsumgehung bei Heskem -Mölln nun schon und noch immer ist kein Ende in Sicht, – das heißt, wann und ob die Ortsumgehung gebaut wird, steht immer noch nicht fest. „Der Minister muss den Planfeststellungsbescheid nach einer Anhörung noch unterschreiben, so dass Baurecht geschaffen wird, “ erläutert Bürgermeister Andreas Schulz dem Landrat während der Besichtigung der Heskemer Ortslage.

„Trotz der Geschlossenheit, mit der die Bevölkerung hinter dieser Maßnahme steht und trotz des Vorschlags der Gemeinde, den Bau von ca. 3,3 Mio. Euro zinsfrei vorzufinanzieren, werden wir auf das Jahr 2015 vertröstet,“ so der Bürgermeister weiter.

Dabei hängen an dem Bau dieser Ortsumgehung besonders viele Entwicklungschancen für die Gemeinde. So könnte mit der Ortsumgehung auch das Gewerbegebiet zwischen Heskem und Wittelsberg erschlossen – und dem Leerstand in der Innerortslage entgegengewirkt werden.

„Und auch für unsere drei großen Unternehmen in der Gemeinde, – die Firmen Dr. Schär, Seidel und Nickel, würde die Ortsumgehung eine Entlastung bedeuten, denn deren LKWs fahren tagtäglich durch die enge Innerortslage von Heskem – Mölln.“

Jürgen Mink vom Ortsbeirat Heskem – Mölln ergänzte: „Der Bau der Ortsumgehung ist ein Anliegen, das dringend umgesetzt werden sollte, denn viele Gebäude in der Innerortslage stehen leer und verfallen immer mehr. Wir alle wollen diese Ortsumgehung.“

– Argumente, die den Landrat überzeugten und von daher versprach er, sich beim Land Hessen für diesen Bau einzusetzen.

Vorstellung der Bürgersolargenossenschaft Ebsdorfergrund

Bei einem gemeinsamen Mittagessen bot sich den Teilnehmern die Gelegenheit, etwas über die im Jahre 2010 gegründete Bürgersolargenossenschaft Ebsdorfergrund zu erfahren. Harald Emmerich vom Vorstand dieser Genossenschaft erläuterte in wenigen Worten, worum es geht.

Die eingetragene Genossenschaft mit zurzeit 20 Mitgliedern hat das Ziel,  umweltschonenden und klimafreundlichen Strom durch den Bau von Photovoltaik- Anlagen auf Dächern von öffentlichen Gebäuden in der Gemeinde zu erzeugen und bietet den Bürgerinnen und Bürgern im Grund die Möglichkeit, sich im Bereich der „regenerativen Energien“ zu engagieren. „Kunden können sich schon mit wenigen Mitteln beteiligen und eine gute Rendite erwirtschaften.“

Photovoltaik – Anlagen sind bereits auf den Dächern der Kita und des Bürgerzentrums in Dreihausen. Geplant ist es, auch weitere Dächer von Feuerwehrgerätehäusern und Kitas im Grund  mit Photovoltaik – Anlagen auszustatten.

Zukunftsprojekt „Breitband“ Internet

Neben dem Vorantreiben in Sachen Ortsumgehung Heskem – Mölln und der Energiewende steht vor allem eines ganz oben auf der Agenda der Gemeinde: Der Ausbau des Breitbandnetzes.

Als Mitglied in der Breitbandinitiative Marburg – Biedenkopf setzt sich Bürgermeister Andreas Schulz gemeinsam mit dem Landrat und anderen Bürgermeistern im Landkreis engagiert dafür ein, dass in Zukunft schnelles Internet auch in den ländlichen Gebieten garantiert werden kann.

„Als nächster Schritt steht die Gründung einer Gesellschaft bevor, die für den Ausbau des Breitbandnetzes, also für das Verlegen von 550 Kilometern Glasfaserkabel in den nächsten drei Jahren sorgen will, “ erläuterte Landrat Robert Fischbach, der als Verfechter dieses Millionen -Projektes gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, schon seit zwei Jahren an den Vorbereitungen arbeitet.

Nachdem der Kreistag bereits zugestimmt habe, brauche man nur noch das Votum von zwei oder drei Gemeinden zur Gründung dieser Gesellschaft, sagte Landrat Robert Fischbach und fügte abschließend hinzu: „Dann können die Bauarbeiten losgehen, am besten noch in diesem Jahr.“

Mit diesem Ausblick in die nahe Zukunft endete ein abwechslungsreicher, erfolgreicher Vormittag, bei dem viele interessante Gespräche geführt und wichtige Themen angesprochen wurden.

Und der Landrat zog ein positives Fazit über die Entwicklungen in der Gemeinde gegenüber den Pressevertretern, die zum Abschluss seines Besuches hinzukamen.

 

 


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