„Renaturierung der Zwester Ohm“

Montag, 25. Juni 2012

Rückblick auf eine erfolgreich durchgeführte Vorzeige – Maßnahme im Ebsdorfergrund

In zwei Bauabschnitten wurde zwischen Hachborn und Heskem – Mölln die Zwester Ohm renaturiert. – Eine Maßnahme, die mit Beginn ihrer Umsetzung 1987/88 ein „beispielhaftes

Pilotprojekt“ für das Land und auch die Behörden war, denn eine solche Maßnahme hat es vorher in Hessen noch nicht gegeben.

„Die Idee zur Umsetzung der Renaturierung entstand bereits in den Jahren 1981/82“, berichtete Gerhard Badouin, der damals als Dipl. Ingenieur im Bereich „Wasserbau“ beim Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung Marburg, Abteilung Flurbereinigung, mit diesem Projekt betraut war.

Zu dieser Zeit sorgten starke Regenfälle dafür, dass Hochwasser für die Ortsteile Ebsdorf und  Hachborn regelmäßig zum Problem wurde.

Der ursprüngliche Plan unter der Amtszeit des damaligen Bürgermeisters der Gemeinde Ebsdorfergrund, Ottmar Wiegand, die Zwester Ohm tiefer zu legen und breiter zu machen, sei aufgrund ihrer gewässermorphologischen Verhältnisse nicht möglich gewesen, so Badouin weiter. 

Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Naturnahe Gewässer“  hatte er deshalb eine „Vision“.

– Und zwar den naturnahen Rückbau der Zwester Ohm durchzuführen.

Bei der Planung hatte Gerhard Badouin auch auf historische Karten zurückgreifen können, in denen der ursprüngliche Verlauf des Gewässers noch sichtbar war und die somit als Grundlage dienen konnten.

– So kann Gerhard Badouin auch als „Vater des Renaturierungsprojektes“ bezeichnet werden, denn die Idee der Renaturierung geht auf ihn zurück.

Projekt ist fast vollständig refinanziert

Der 1. Bauabschnitt zwischen den Ortsteilen Hachborn und Ebsdorf  mit einer Größe von ca. 38 ha wurde in den Jahren 1987/ 1988 umgesetzt, im Rahmen des seinerzeit laufenden Flurbereinigungsverfahrens Ebsdorf.

Der 2. Bauabschnitt zwischen Ebsdorf und Heskem –Mölln hat eine Größe von 27 ha und erfolgte in den Jahren 2003 und 2004, auch hier im Rahmen des seinerzeit laufenden Flurbereinigungsverfahrens Heskem – Mölln.

Die Gesamtkosten beider Projekte belaufen sich auf rund 1,5 Mio Euro. Die Kostenträger waren das Land Hessen mit dem Programm „Naturnahe Gewässer“ sowie die Gemeinde Ebsdorfergrund.

Der für den 2. Bauabschnitt entstandene Eigenanteil der Gemeinde in Höhe von  ca. 172.000 Euro wurde mittlerweile über das bei der unteren Naturschutzbehörde eingerichtete Ökokonto fast vollständig refinanziert.

Die Gemeinde verfügt aus dem Projekt nur noch über 24.791 Punkte im Wert von 8.676,85 Euro, welche bis zum Jahresende voraussichtlich veräußert und verbraucht sein werden. Dann ist das gesamte Projekt im Wert von 1,5 Mio Euro komplett refinanziert, ohne Kosten für die Gemeinde.

Beweidungskonzepte haben Fuß gefasst

Für die Gemeinde besteht zudem ein geringer Pflegeaufwand für ihre Flächen, denn für beide Bauabschnitte konnte ein Beweidungskonzept mit privaten Nutzern umgesetzt werden. Den ersten Abschnitt beweidet seit 2003 der Weideverein Taurus, der zurzeit 10 Heckrinder auf der Koppel zwischen Hachborn und Ebsdorf hält.

Landwirt Elmar Stein aus Beltershausen – Frauenberg führt seit dem Jahr 2008 ebenso eine extensive Beweidung des zweiten Abschnittes durch.

Hierfür suchte er sich eine Rinderrasse aus, die robust und möglichst umkompliziert zu halten sind: und zwar die Aubrac- Rinder, welche als Nachfahren der Auerochsen bezeichnet werden können. In den Sommermonaten stehen zusätzlich vier Pferde auf seiner Weide, so dass die Flächen optimal genutzt werden können.

Positive Bilanz

Seit Umsetzung des 1. Bauabschnitts sind bereits 24 Jahre, seit Umsetzung des 2. Bauabschnitts sind mittlerweile 10 Jahre vergangen, in denen sich die Flächen im Sinne des Naturschutzes weiter entwickelt und zusätzliche ökologische Aufwertungen erfahren haben.

„Viele Synergien wirken bei diesem Projekt zusammen,“ sagte Bürgermeister Andreas Schulz und Ronald Polivka von dem Weideverein Taurus fügte hinzu, dass eine Bereicherung für die Flora und Fauna seit der Renaturierung deutlich zu sehen sei.

Der große Einsatz für die Natur hat sich also mehr als gelohnt und gleich mehreren Schutzgütern Rechnung getragen:

Die Renaturierung dient u.a.

  • dem Gewässerschutz
  • der Verbesserung der Gewässerstrukturgüte
  • der Grundwasserneubildung
  • dem Hochwasserschutz
  • dem Landschaftsschutz und
  • nicht zuletzt der Naherholung.

„Ich habe den Verlauf des Projektes von Anfang an mitbekommen,“ sagte Anke Schmidt, Leiterin des Fachbereichs „Bauen, Planen und Umwelt“ in der Gemeinde Ebsdorfergrund, die schon vor ihrer Tätigkeit in der Gemeinde, und zwar während ihrer Ausbildung beim Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung Marburg von 1986 bis 1989 das Projekt kennenlernte und sogar ihre Projektarbeit darüber verfasste. „Es ist schön zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt hat“, so Anke Schmidt weiter und fügte abschließend hinzu: „Auf allen Flächen hat eine Aufwertung stattgefunden. Es gibt nur wenige Projekte, die so viele Schutzgüter begünstigen wie die Renaturierung der Zwester Ohm.

Hintergrund:

Der erste Bauabschnitt
Nachdem 1984 die Finanzierung durch Aufnahme des Projektes in das Landesprogramm Naturnahe Gewässer weitgehend gesichert war, konnte 1985 der Planungsauftrag für einen ersten Bauabschnitt zwischen Hachborn und Ebsdorf seitens der Gemeinde erteilt werden.
Neben einem Hochwasserschutz für Ebsdorf  durch abflussverbessernde Maßnahmen mit Sohlvertiefungen, Profilaufweitungen und Laufverlängerungen sollte auch eine ökologische Aufwertung des Gewässers erreicht werden. Außerdem war geplant, die restlichen Auenflächen auch weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen. 1988 kam es allerdings zu Planänderungen:
Das Bachbett wurde nicht mehr in die schutzwürdigen torfigen Auenbereiche verlegt, die Sohle nicht abgesenkt und der Bepflanzungsplan überarbeitet. Dann folgte die Maßnahmenumsetzung , die nach nur 4-monatiger Bauzeit im Dezember 1988 abgeschlossen werden konnte.
Das Projekt wurde so zu einem Modell für ganz Hessen zur Umsetzung von Fließgewässer-Renaturierungen im Zuge der Flurneuordnung.

Der zweite Bauabschnitt
Zwei Jahre nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts folgten die Planungen für die zweite Bauphase zwischen Ebsdorf und Mölln. Da im Zuge der Ortsumgehung Heskem -Mölln ein neues Flurbereinigungsverfahren eingeleitet wurde, bestand auch für diesen Abschnitt die Möglichkeit, durch ein geschicktes Flächenmanagement Raum für Renaturierungsmaßnahmen zu gewinnen.
Im gesamten Verlauf von Ebsdorf bis Mölln wurden bei der Renaturierung verschiedene Zielvorstellungen umgesetzt.

Begleitet wurde die Baumaßnahme am Gewässer von umfangreichen Flächenumlegungen in der Aue, die neben dem Raum für eigendynamische Laufverlagerungen auch Möglichkeiten zur Sukzession oder zur naturschutzkonformen Bewirtschaftung bieten.

Aufgrund einiger Probleme bei der Finanzierung wurde die Baumaßnahme erst vier Jahre nach Plangenehmigung begonnen und 2004 abgeschlossen.
Eine weitere Besonderheit ist die im Jahr 2003 begonnene ganzjährige extensive Beweidung von Auenflächen, die aus dem ersten Bauabschnitt der Renaturierung der Zwester Ohm stammen und überwiegend im Eigentum der Gemeinde stehen.

Nähere Informationen erhalten Sie in unserer Broschüre „Gegen die Strömung – Renaturierung der Zwester Ohm in 10 Stationen“, die auch als Download auf unserer Internetseite http://www.ebsdorfergrund.de/umweltschutz/renaturierung-der-zwester-ohmfür Verfügung gestellt wird.

 


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