Ein unantastbarer Ort der ewigen Ruhe

Donnerstag, 31. Mai 2012

Informationstafel am jüdischen Friedhof wurde in Rauischholzhausen feierlich enthüllt

„Es ist wichtig, dass man die deutsche Geschichte und die Geschichte von Rauischholzhausen kennt. Dass man weiß, dass hier einmal gleichberechtigte jüdische Bürger gelebt haben, bis die Nazis an die Macht kamen. Es ist unerlässlich, dass man diese Geschichte kennt, damit sie sich niemals wiederholen kann.“      (Walter Spier)

Der jüdische Friedhof in Rauischholzhausen – vielen Bürgern war bis im vergangenen Jahr nicht einmal bekannt, dass es dieses Kleinod in unserer Gemeinde gibt. Am Dienstag wurde im Schlosspark eine Informationstafel aufgestellt.

Im Mai 2011 veranstaltete die Gesamtschule Ebsdorfergrund (GSE) am jüdischen Friedhof eine sehr emotionale und einfühlsame Gedenkfeier, die an das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Rauischholzhausen erinnerte. Aufgearbeitet hatte diesen Teil der Geschichte des Ebsdorfergrunds Angelika Kaese, Pfarrerin der evangelisch lutherischen Kirche Dreihausen mit Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Ebsdorfergrund. Der Veranstaltung wohnten auch die Brüder Alfred und Walter Spier sowie deren Ehefrauen bei. Als Überlebende des Holocaust waren sie an den Ort ihrer Kindheit zurückgekehrt. Als Zeitzeuge berichtete Walter Spier von seiner Kindheit, der Naziherrschaft, dem Schicksal seiner Familie und den noch heute sichtbaren „Narben“. Narben von Peitschenhieben und einer

Tätowierung – „sie machte mich zur Nummer“ – aus der Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt, dem

Konzentrationslager Auschwitz sowie Mauthausen sind noch heute körperliche Male des mittlerweile 84-jährigen Walter Spier.

Erinnern und gedenken aus der Mitte der Gesellschaft

Ergriffen von dieser Veranstaltung und dem Bewusstsein, dass das „Erinnern und Gedenken“ damit noch nicht abgeschlossen sein könne, hatten sich im Wahlpflichtunterricht sechs Schülerinnen der 10. Gymnasialklasse der GSE mit ihrer Lehrerin Angela Kafitz dem Thema ein weiteres Jahr gestellt. Viele Aufgabestellungen habe es zu bewältigen gegeben, erzählte die Lehrerin. Die Schülerinnen Tabea Hirt, Lisa Reumke, Jessica Bloh, Ann-Christin Rauch, Luisa Campe und Alina Weigel erarbeiteten eine Broschüre und hatten von Bürgermeister Andreas Schulz den Auftrag erhalten einen Entwurf für eine Informationstafel zum Jüdischen Friedhof zu erstellen. Beides war Frau Kafitz und den Mädchen mit

Hilfe von professionellen Grafikern sehr „beeindruckend und gut“ gelungen.

Am Dienstagnachmittag wurde die Informationstafel im Schlosspark von Rauischholzhausen unter Teilnahme von über hundert Bürgerinnen und Bürgern feierlich enthüllt. Ihren Platz hat sie am Wegesrand unterhalb des Friedhofs gefunden. Hier steht sie „unter einem Baum, der so mächtig ist, wie unsere Bewegung mächtig sein soll, dass nie wieder so etwas passiert, gerichtet an Jung und Alt“, sagte der Bürgermeister in seiner Ansprache. Er betonte, dass in der Gemeinde die Erinnerungskultur nicht durch Parlamentsbeschlüsse, sondern durch Taten der Bevölkerung geprägt sein müssten. Kein instrumentalisiertes -, vielmehr ein Erinnern und Gedenken aus der Mitte der Gesellschaft solle es sein, so der Bürgermeister. „Hier ist es die Jugend, die erinnert, was besonders unterstützenswert ist“, lobte Schulz. Einen ausdrücklichen Dank richtete er an Angela Kafitz. Sie hatte sich weit „über das normale Maß“ hinaus für dieses Projekt.

Schülerinnen verdeutlichen die „Gegenwart des Vergangenen“

Im Anschluss an die Enthüllung der Tafel trafen sich die Bürgerinnen und Bürger in der alten Schule von Rauischholzhausen. Mit einer Gedenkfeier erinnerten die sechs Schülerinnen  an die nach Theresienstadt deportierten jüdischen Familien  aus Rauischholzhausen. Überdies  stellten sie dort Ihre sehr gelungene  Informationsbroschüre mit dem Titel „Vergesst uns nicht“ und dem Untertitel „Gegenwart des Vergangenen“  vor.

 


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