100 Bürger machen sich Bild von 12 Millionen Projekt

Dienstag, 29. November 2011

Die Biogasanlage in Heskem-Mölln ist im Werden – Tag der offenen Tür gab Einblicke

Es wird Mittelhessens größte Biogasanlage. I
n der Mitte der Bauphase luden die Betreibergesellschaft Biogas Ebsdorfergrund GmbH und Co.KG und die Gemeinde dazu ein, sich ein erstes Bild von der rund vier Hektar umfassenden Anlage und ihrer Technik zu machen.

Aus 40000 Tonnen Substrat, gewonnen auf  600 Hektar Land werden in 8400 Betriebsstunden 7,5 Mio Kubikmeter Biogas. – Mit diesem Satz ist in absoluter Raffung beschrieben, was die Biogasanlage ab Sommer 2012 in einem Jahr leisten wird. Das sind beeindruckende Zahlen, die man sich nur schwer vorstellen kann. Welche Voraussetzungen dafür räumlich und bautechnisch gegeben sein müssen, das konnte man am Samstag erfahren.

Die Betreibergesellschaft Biogas Ebsdorfergrund GmbH und Co.KG hatte gemeinsam mit der Gemeinde Ebsdorfergrund zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Diese Einladung stieß auf großes Interesse. Etwa 100 Bürgerinnen und Bürger aus den umliegenden Dörfern ließen sich ihre Fragen beantworten und nahmen jeden Winkel des fast vier Hektar umfassenden Betriebsgeländes in Augenschein. Hier wurde seit dem ersten Spatenstich am 16. März diesen Jahres einiges bewegt .

Blick auf einen der zukünftig drei Fermenter

Eine Vorstellung davon, wie eine Biogasanlage aussieht, brachten die meisten Besucher wahrscheinlich mit. Schließlich steht eine kleine Ausgabe einer solchen Anlage  bereits in Mölln.  Silo, Fermenter und Gärrestlager, das sind in groben Zügen die drei baulichen Elemente, die eine solche Anlage ausmachen. Bei der Biogas Ebsdorfergrund ist das nicht anders. Der Unterschied zu den meisten Anlagen ist hier die bauliche Dimension und vor allem das Konzept der Biogasnutzung.

Leuchtturmprojekt sichert Energie für den Grund
Der Bau ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass man als Besucher eine Vorstellung davon bekam, wie sich das fast vier Hektar große Gelände einmal darstellen und die Anlage arbeiten wird. Ab Sommer 2012 soll in den Fermentern täglich aus 90 bis 100 Tonnen Substrat Biogas gewonnen werden. Dieses wiederum wird in Bioerdgas umgewandelt, das dann über die Erdgasleitungen der Stadtwerke Marburg direkt zum Verbraucher geht. Bürgermeister Andreas Schulz sprach zu Beginn der Führungen von einem Leuchtturmprojekt, das ein bedeutender Schritt zur eigenständigen Energieversorgung der Gemeinde Ebsdorfergrund darstelle. Auch zum Strukturwandel sowie zum Erhalt der Landwirtschaft trage die Anlage bei, so der Bürgermeister. Die Gemeinde habe umfangreich geholfen, das Vorzeigeprojekt möglich zu machen.

Blick in den Fermenter

Hinter diesem Konzept stehen drei Gesellschaften, wie Wolfgang Fettig, Geschäftsführer der Biogas Ebsdorfergrund GmbH und Co.KG erklärte. Fünfzig Prozent der Gesellschaft gehören den Kraftwerken Mainz Wiesbaden und zu je 25 Prozent sind Anlagenbau Weltec und die Altus AG, die auch Projektplaner ist, Anteilseigner. Aber auch die Gemeinde und die Stadtwerke Marburg unterstützen das Projekt weiterhin.

Nahezu 365 Tage in Betrieb
Insgesamt werden es rund 40000 Tonnen Substrat, sprich Mais, Gräser, Gerste- und Triticale-Ganzpflanzensilage oder Gülle sein, mit denen die Biogasanlage das Jahr über am Laufen gehalten werden soll. Erwartet werde von dem System, dass es auf Grund geringer Wartungsarbeiten von den im Jahr verfügbaren 8760 Stunden etwa 8400 seine Arbeit tue, informierte Fettig. Anders ausgedrückt, heißt das, dass die Anlage nahezu 365 Tage in Betrieb sein wird. Welche baulichen Dimensionen die Verarbeitung solcher Mengen an organischem Material einnimmt, wurde bei der Besichtigung deutlich. Die Führungen von Kleingruppen  übernahmen die Mitarbeiter der Altus AG sowie der Biogas Ebsdorfergrund GmbH und Co.KG. Allein für die Lagerung der Substrate wurden sechs Silos, mit einer Gesamtgrundfläche von einem Hektar und einer Wandhöhe von vier Metern  gebaut. Bis zu sechs Meter hoch sollen die landwirtschaftlichen Produkte hier gelagert werden. Angebaut werden diese auf etwa 600 Hektar Ackerfläche. Die Belieferung wird von 20 Landwirten aus einem Umkreis von 10 Kilometern erfolgen. Bereits für den Lagerbereich waren das beeindruckende Zahlen, die von den interessierten Besuchern im Laufe der Führungen erfragt wurden.

Pflanzenenergie wird fast vollständig nutzbar gemacht
Nicht minder interessant war es einmal in einem der Fermenter zu stehen, um dessen Größe zu ermessen. Drei “Edelstahlbehälter” mit einem Durchmesser von 27 Metern und einer Höhe von 6 Metern werden im Jahr 7,5 Millionen Kubikmeter Biogas produzieren. Das wiederum entspreche einer Energiemenge von 44 Millionen Kilowattstunden, sagte Fettig.
Bezogen auf den Verbrauch bzw.Wärmebedarf eines 3-Personen-Haushaltes (rund 2500 Kubikmeter Erdgas) produziert die neue Biogasanlage für rund 2000 Haushalte Energie. Rund 3000 Haushalte zählt der Ebsdorfergrund. 2/3 des Wärmebedarfs sind darüber abgebildet.
Bei der Nutzung des Gases mit Kraft/Wärme Kopplung erhöht sich der Nutzungsgrad noch, weil damit auch Strom produziert wird.

Stolz ist man, dass diese Zahlen eine 92-prozentige Ausnutzung der eingebrachten Energie darstellen. Das ist wiederum nur möglich, weil hier nicht wie sonst üblich aus dem Biogas Strom, sondern Bioerdgas gewonnen wird. Dieses Konzept sei überhaupt der Clou an der Anlage, erklärte Fettig. “Normale” Biogasanlagen produzieren bei der Stromgewinnung in den Blockheizkraftwerken sehr viel Abwärme, die meist nicht genutzt wird beziehungsweise eines weiteren Nutzungsplanes bedarf. Dass in Heskem-Mölln ein in sich “schlüssiges” Konzept zum Tragen kam, liegt daran, dass die Stadtwerke Marburg sich dem Projekt anschlossen. Sie haben bereits die Gasleitungen von Marburg-Cappel nach Beltershausen gelegt und werden nun noch den Lückenschluss zur Biogasanlage einschließlich der Gaseinspeisestation darstellen.

Von der 12 Millionen Euro Gesamtinvestition trage die Stadtwerke Marburg etwa zwei Millionen, informierte Fettig. Fließen wird das  Bioerdgas nicht nur im Netz der Stadtwerke Marburg. Die Einspeisung erfolgt auch in übergeordnete Netze, sprich zu einem Drittel in das Netz der Stadtwerke Gießen, sowie zu den  Kraftwerken Mainz Wiesbaden.
Nährstoffkreislauf bleibt erhalten.

Übrig bleiben bei dem Vergärungsprozess auch Reste. Diese sind kein Abfall, sondern wertvoller Dünger, mit allen anorganischen Inhaltsstoffen. Diese Gärreste werden daher von den Landwirten wieder abgeholt, um sie auf die Äcker zurückzuführen. Für die Zwischenlagerung dieser flüssigen Substanz befinden sich daher auch drei Gärrestbehälter im Bau.

Sie werden ein Fassungsvermögen von 4900 bis 6000 Kubikmetern haben. Damit es zu keiner Verunreinigung des Erdreichs kommt, wird die Entwässerung der Silos über zwei Systeme geleitet. Sickersäfte werden damit in einen unterirdischen, 120 Kubikmeter großen Behälter geleitet. Überdies schließt eine 200 Kubikmeter umfassende Löschwasserzisterne das bauliche Konzept ab.
Um die Biogas Ebsdorfergrund in Betrieb zu halten, werden hier drei Vollzeitkräfte tätig sein.


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