Letzte Meldung aus der Gemeindevertretung am Montag:

Dienstag, 30. August 2011

 

Gemeinsamer Antrag aller Fraktionen zur Fortsetzung der Erinnerungskultur in der Gemeinde Sinti, Roma, Juden, deportierter psychisch Kranker und geistig-körperlich Behinderter, Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter und alle, die nicht im Gleichschritt des nationalsozialistischen Unrechtregimes mitmarschiert sind gegenüber.

Der nachstehende Antrag der SPD-Fraktion wurde durch Beitritt aller Fraktionen in der Gemeindevertretung zu einem gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Die Grünen/Bündnis 90 und der ÜBE/FWG. Wegen der besonderen Bedeutung wird die Beschlussfassung nebst Begründung bekanntgemacht. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Gotthard Seim, hatte sich während der Gemeindevertretersitzung sehr dafür eingesetzt, dass das oberste Gemeindeorgan eine gemeinsame und einheitliche Haltung in dieser Frage vertritt und einnimmt. Das ist mit der einstimmigen Beschlussfassung gelungen.

Beschlusstext:
„Die Gemeindevertretung beauftragt den Gemeindevorstand, auch in Zukunft – wie in der Vergangenheit – Aktivitäten aus der Mitte der Gesellschaft, d.h. der Schulen, der Kirchen, der Vereine und sonstiger Initiativen, aufgeschlossen gegenüber zu stehen und sie ideell und nach Möglichkeit im Rahmen der Leistungsfähigkeit der Gemeinde auch finanziell zu unterstützen. Und zwar, wenn es darum geht, die Erinnerung an die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten und vertriebenen Juden, Sinti, Roma, deportierte psychisch Kranke und geistig- und körperlich Behinderte, an Deserteure, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und alle, die nicht im Gleichschritt des nationalsozialistischen Unrechtregimes mitmarschiert sind, wach zu halten und besonders bei der jüngeren Generation dazu beizutragen, aus der Geschichte zu lernen, damit sich so etwas nie wiederholt.“

Begründung:
Seit Jahren unterstützt der Gemeindevorstand die vielfältigen Initiativen aus der Mitte der Gesellschaft, um den Opfern des Nationalsozialismus auch in unserer Gemeinde zu gedenken. Das sind nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma, Deserteure, politisch anders Denkende und nicht zuletzt auch psychisch Kranke, geistig – und körperlich behinderte Menschen, also Menschen die der Euthanasie zum Opfer gefallen sind. Aber auch Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und allen, die nicht im Gleichschritt des nationalsozialistischen Unrechregimes mitmarschiert sind, soll ein Gedenken bewahrt und ihr Leiden nicht vergessen werden. Immer wieder wurde das zum Ausdruck gebracht.

Bislang verstand die Gemeinde Ebsdorfergrund ihr Engagement in diesem Bereich als unterstützend und nicht „adoptierend“. Das soll heißen, dass Gedenken wach zu halten und eine Wiederholung der Geschichte zu vermeiden, in dem man aus den schrecklichen Ereignissen lernt, soll keine Aufgabe einer Verwaltung, sondern gelebte Aktivität aus der Mitte der Gesellschaft bleiben. Aus der Mitte des Grundes muss die Aufarbeitung und das Sicht befassen kommen. Das kann und soll nicht von außen stellvertretend geschehen.

Auch sollte nach Ansicht der SPD kein Wettlauf der Fraktionen und Parteien  um das größtmögliche Engagement in dieser Sache veranstaltet werden. Diejenigen zu unterstützen – auch weiterhin -, die sich mit der Aufarbeitung der Geschichte beschäftigen, Veranstaltungen organisieren, Denkmäler oder Stolpersteine errichten möchten, Hinweistafeln aufstellen wollen, Veröffentlichungen vorbereiten, Schulprojekte initiieren sowie Archive und Ausstellungen organisieren, das soll auch weiterhin vom Gemeindevorstand und der Verwaltung unterstützt aber eben nicht ersetzend organisiert werden.

Die vielen schon bestehenden Aktivitäten setzen sich bereits jetzt wie bei einem Puzzle zu einem Gesamtbild zusammen. Das bestehende und bereits gelebte Konzept der Gemeinde zu erinnern und wach zu halten, auch wach zu rütteln, besteht darin die vielfältigen Aktivitäten in allen Gemeindeteilen zu unterstützen. Weil diese Aktivitäten schon so vielfältig sind, ergibt sich daraus ein sehr positives Gesamtbild, was jeder sehen kann, der sich damit schon beschäftigt hat.

Die SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung der Gemeinde Ebsdorfergrund ist deshalb der Ansicht, dass der Gemeindevorstand in all seinen Bemühungen fortfahren sollte und dabei auch den Auftrag der Gemeindevertretung hoffentlich pareiübergreifend erhält, sein engagiertes wirken in diesem Bereich auch in Zukunft vorzusetzen. Es kann nichts Besseres geben, als das die Ideen und Aktivitäten aus der Gesellschaft selbst zum obigen Thema veranlasst werden. Deshalb sollte es bei diesem sensiblen Thema, aus den vorgenannten Gründen, bei der bestehenden und bewährten Handhabung bleiben.


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