Großzügigkeit und Grün, statt Enge und Asphalt

Montag, 23. Mai 2011

Ortsbegehung zur Inaugenscheinnahme von Ideen und Vorschlägen zur Dorferneuerung Wittelsberg

Auch wenn die Förderquote von 75 % auf 60 % durch das Land Hessen abgesenkt wurde, will die Gemeinde auch in Wittelsberg die Dorferneuerung zum Erfolg führen.

Ortsdurchfahrt Hessenstraße

Was mit dem Dorfentwicklungsprogramm Wittelsberg  alles in Angriff genommen werden soll, haben zwei Arbeitskreise erarbeitet. Am Freitagabend vergangener Woche folgte die Vorstellung vor Ort.

Am 30.05.2011 um 20.00 Uhr im Sportheim und am 08.08.2011 um 20.00 Uhr im Bürgerhaus soll von den Wittelsbergern vorgegeben werden, was im Rahmen der Dorferneuerung bis 2019 alles gemacht werden soll. Eine ganztägige Exkursion am 18.06.2011 ab 8.30 Uhr von der Mehrzweckhalle aus soll, weitere Eindrücke von Außen vermitteln. Alle Termine werden noch einmal von der Gemeindeverwaltung separat beworben.

Zentrale Plätze, wichtige gesellschaftliche Treffpunkte oder kulturelle Besonderheiten finden durch die Dorferneuerung in der Regel eine Aufwertung. Kurzum – die Dörfer werden attraktiver. So ist auch die Vorstellung für Wittelsberg. In der Theorie haben sich mit diesen Fragen bereits zwei Arbeitskreise beschäftigt, Vorschläge erarbeitet und Schwerpunkte gesetzt. Beim Ortsrundgang am Freitag wurden diese Ideen rund 40 interessierten Bürgern am Objekt erläutert. An neun Stationen stellte Bürgermeister Andreas Schulz vor, wie das angedachte „Facelifting“ für den Ort aussehen kann. Will heißen, dass noch keine konkreten Ausführungen festgelegt, sondern zunächst die Möglichkeiten aufgezeigt wurden. Begleitet wurde die Veranstaltung auch von Elisabeth Schade und Julian Adler vom beauftragten Planungsbüro Fischer. Der Fachdienst Dorferneuerung vom Landkreis Marburg-Biedenkopf war vertreten durch Martina Berghemer. Der Fachbereich Bauen, Planen und Umwelt der Gemeinde durch die Leiterin Frau Anke Schmidt.
Ganz oben auf der Wunschliste steht die Neugestaltung der Ortsmitte, im Bereich vom Frischmarkt Adam Wilhelm. Dort erwartet man sich mehr Licht und Grün, um die Aufenthaltsfunktion nach dem Bau der Ortsumgehung zu stärken. Angedacht ist der Abriss des alten Backhauses und des daran angrenzenden, unbewohnten Wohnhauses. Auch die Busbucht soll in die Platzgestaltung einbezogen werden. Statt Asphalt und Enge soll die Aufenthaltsfunktion gestärkt werden, so der Wunsch.
Am Herzen liegt der Bevölkerung auch der Kirchberg. Dort wurde beispielsweise über eine Neugestaltung im Bereich des Kriegerdenkmals und die Herstellung alter Sichtbeziehungen gesprochen. Dazu wird es notwendig sein, mindestens 2 Bäume auf dem Friedhof zu fällen, die auch nicht standortgerecht sind. Eine Steigerung der Attraktivität dieses Bereichs um die Kirche und am Friedhof sollen möglichst auch touristische und kulturelle Effekte haben. Dabei müsse alles unter dem Gesichtspunkt geplant werden, die Würde von Kirche und Friedhof zu wahren, betonte Andreas Schulz.

Attraktive und geschwindigkeitsverlangsamende Ortseingänge stehen auf der Wunschliste

Vor der ehemaligen Möbelfabrik Schneider

Attraktivere Ortseingänge und Straßenzüge stehen ebenfalls auf dem Programm. „Hier denken wir zusammen mit den Wittelsbergern an eine verkehrliche Umgestaltung und Aufwertung durch Grün“, sagte Bürgermeister Andreas Schulz. Keine großen Bäume, vielmehr eine „Straßenmöblierung“ durch kleine Bäume soll es werden, wie in Heskem-Mölln, wo Rotdornbäume gepflanzt wurden. „Familien aus der Stadt zieht es nicht in ausgeräumte Dörfer ohne Grün aufs Land“, formulierte der Bürgermeister den von Wittelsbergern vorgebrachten Wunsch griffig.
Für die Ortseingänge besteht zudem der Wunsch einer Torwirkung durch entsprechende Bepflanzung. In der Reihe der Ideen gehört mit „deutlicher Priorität“ das Bürgerhaus. Energetische Ertüchtigung, eine Freiflächengestaltung einhergehend mit einer deutlichen Attraktivitätssteigerung im Inneren ist die Vorstellung. In diesem Zusammenhang machte der Bürgermeister klar, dass eine Investition nur Sinn mache, wenn auch eine Steigerung der Nutzung zu erwarten sei. Das heißt für die Wittelsberger, dass im Vorfeld der Planungen ein Nutzungskonzept erstellt werden muss. Die könnte beispielsweise ein Treffpunkt für Senioren sein, schlug Andreas Schulz vor. Der zu diesem Punkt eigens alle Wittelsberger Seniorinnen und Senioren zu einem nächsten Treff einlud.
Über diese zentralen Punkte hinaus schaute man sich den Jugendclub im Keller der Grundschule an, und auch den Kleinkinder-Spielplatz am Feuerwehrgerätehaus wurde ein Besuch abgestattet. Beides hat Verschönerungs- und Verbesserungspotenzial, der aber laufend bearbeitet werde.
Dringendst gewünscht wird auch eine bessere Anbindung an den Radweg nach Rauischholzhausen, der vom Land Hessen beim Bau vergessen wurde. Zuletzt besichtigte die Gruppe die im Jahr 1978 stillgelegte Möbelfabrik Schneider. Für die Hallen habe sich ein privater Investor gefunden, der dort eine Art Handwerkerhaus mit Event- und Erlebnischarakter aufbauen möchte, berichtete Andreas Schulz, von seinen Gesprächen. Ein solches Vorhaben könnte ebenfalls von der Dorferneuerung sowie der Region Marburger Land gefördert werden. Auch das derzeit laufende Flurbereinigungsverfahren soll zur Finanzierung des einen oder anderen Projektes herangezogen werden. Nach 2 ½ Stunden war der Ortsrundgang beendet. Für das weitere Verfahren wünschte sich der Bürgermeister noch mehr Beteiligung. Mit wiederholten Einladungen an alle Haushalte und Anschreiben z.B. an alle Gewerbetreibenden und alle Senioren als besondere Zielgruppen versuche die Gemeinde zusätzliches Potenzial zu aktivieren. Die Bürgerbeteiligung ist den Gemeindeverantwortlichen wichtig.

Auf der Internetseite der Gemeinde wird übrigens ebenfalls fortlaufend informiert unter: http://www.ebsdorfergrund.de/bauen-und-wohnen/dorferneuerung-wittelsberg/

 


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